HIV-Forscher warnen USA und andere Geldgeber vor Kürzungen

Mit einem dramatischen Appell an die USA hat am Sonntag eine internationale Konferenz zum Kampf gegen Aids begonnen. HIV-Forscher aus aller Welt warnten, es gebe im Weissen Haus Überlegungen für Kürzungen, die das Vorgehen gegen die Epidemie gefährden könnten.
23.07.2017 23:34

Das sagte die Vorsitzende der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), Linda-Gail Bekker, am Sonntagabend zum Auftakt einer wissenschaftlichen Konferenz in Paris. Die IAS versammelt dort bis Mittwoch rund 6000 Spezialisten.

Die USA sind laut der Aids-Gesellschaft seit Jahren der weltweit grösste Geldgeber im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit. Rund zwei Drittel der von Regierungen bereitgestellten Gelder kommen von den USA. Im vergangenen Jahr gab Washington 4,9 Milliarden Dollar für HIV-Projekte weltweit aus.

Trumps Pläne für das Budget 2018 sehen der Aktivistengruppe Health Gap zufolge vor, dass dieser Betrag um rund eine Milliarde Dollar gekürzt wird. Der US-Präsident hatte erklärt, er rechne damit, dass andere Geldgeber ihr Engagement erhöhen könnten.

Die Wissenschaftler veröffentlichten schon zu Beginn des Treffens eine "Pariser Erklärung", in der eine ausreichende Finanzierung gefordert wird. Ohne Forschung könne die Epidemie nicht besiegt werden.

"Wir können ohne ein entschlossenes Engagement zur Forschung nicht ehrgeizige internationale Ziele erreichen, lebenslange Behandlung für die mit HIV lebenden 37 Millionen Menschen anbieten und die Epidemie eindämmen." Wissenschaftliche Erkenntnisse seien in den vergangenen 30 Jahren die Basis im Kampf gegen das HI-Virus gewesen, das die Immunschwächekrankheit Aids verursacht.

"Wir brechen der Epidemie das Rückgrat", resümierte UNAIDS-Direktor Michel Sidibé. Mehr als die Hälfte der weltweit 36,7 Millionen HIV-Infizierten werden demnach mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, die den Erreger eindämmen.

Ausserdem habe sich die Zahl der Todesfälle seit 2005 auf nun noch eine Million im Jahr halbiert. Sidibé betonte, es gebe aber noch viel zu tun. In Osteuropa und Zentralasien sei beispielsweise die Zahl der HIV-Infektionen in den vergangenen Jahren angestiegen.

(SDA)