IS-Hochburg Mossul offenbar gefallen - Noch keine Bestätigung

Die nordirakische Extremistenhochburg Mossul soll aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat befreit worden sein. Nach neun Monaten heftiger Kämpfe verkündete jedenfalls die irakische Regierung in Bagdad. Allerdings werden immer noch Gefechte beobachtet.
09.07.2017 22:56

Regierungschef Haidar al-Abadi beglückwünschte die Armee in Mossul persönlich zu dem "bedeutenden Sieg", wie sein Büro am Sonntag erklärte. Ein Foto auf Abadis Twitter-Account zeigte ihn in schwarzer Uniform bei seiner Ankunft in der weitgehend zerstörten Stadt.

Allerdings gab es auch am Sonntag noch Kämpfe in Mossul, und eine Bestätigung von höchster Ebene für die komplette Eroberung gab es zunächst nicht. Ein angekündigte offizielle Stellungnahme des Regierungschefs blieb aus.

Offenbar gelang es der irakischen Armee, drei Jahre nach der Eroberung durch die sunnitischen Fanatiker in den letzten Zufluchtsort des so genannten Islamischen Staates in der nordirakischen Grossstadt einzubrechen. Gegen Mittag hiess es aus staatlichen Medien und Sicherheitskreisen, dass nur noch ein Gebiet von wenigen Dutzend Metern Breite in der Gewalt der Kämpfer sei.

Der US-Sonderbeauftragte für die Bekämpfung des IS, Brett McGurk, sprach dennoch von einem "Sieg". Auch der französische Präsident Emmanuel Macron twitterte: "Mossul von IS befreit: Hommage Frankreichs an alle, die mit unseren Truppen zu diesem Sieg beigetragen haben".

Frankreich fliegt im Rahmen der internationalen Anti-IS-Koalition Angriffe auf IS-Stellungen und hatte den Kampf der irakischen Streitkräfte um Mossul auch mit Artillerie unterstützt.

Mit Mossul verliert der IS seine letzte Hochburg im Irak und die grösste Stadt, die er je unter Kontrolle hatte. Mossul ist die zweitgrösste Stadt im Irak. Der IS hatte die Metropole 2014 überrannt und von dort aus ein islamistisches "Kalifat" in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen.

Die irakischen Truppen hatten im Oktober mit der Rückeroberung von Mossul begonnen. Der Ostteil der Stadt wurde im Januar zurückerobert, einen Monat später begann der Militäreinsatz im Westteil.

Die Kämpfe brachten grosses Leid über die Einwohner, zahlreiche Zivilisten wurden getötet, mehr als 900'000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Laut den Vereinten Nationen kehrte bislang nur ein Bruchteil von ihnen zurück.

Besonders im Westen der Millionenstadt wurden demnach mehrere Stadtteile völlig verwüstet. Von den 44 Wohnvierteln seien sechs komplett und 22 teilweise zerstört. Die UNO rechnet mit mehr als 700 Millionen Dollar Kosten für den Wiederaufbau.

Auch unter den Soldaten und Sicherheitskräften, die an der Rückeroberung beteiligt waren, gab es viele Tote - Schätzungen gehen von Tausenden aus, die irakischen Behörden haben bislang keine Zahlen vorgelegt.

Mit dem Verlust der Stadt wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend geschlagen. Sie kontrolliert nur noch kleinere Gebiete, etwa an der Grenze zu Syrien. Experten rechnen jedoch damit, dass sich die IS-Anhänger in die grossen Wüstengebiete im Westen des Iraks zurückziehen und von dort Guerilla-Angriffe planen.

Zudem sind die Terrorbanden noch immer in der Lage zu Attentaten. Dabei nehmen die sunnitischen Extremisten vor allem Schiiten ins Visier, um die Spannungen zwischen den beiden Konfessionen zu verschärfen.

Der Iran gratulierte dem "mutigen" irakischen Volk und der Regierung in Bagdad zur Befreiung der Stadt Mossul von der Terrormiliz Islamischer Staat". "Wenn die Iraker zusammenhalten, dann können sie alles erreichen", schrieb Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif am Sonntagabend auf Twitter. Der Iran hat eine 1400 Kilometer lange Grenze zum Irak.

Gegen den sunnitischen IS-Extremisten kämpfen im Irak auch Schiitenmilizen, von denen viele eng mit dem schiitischen Iran verbunden sind. Auch der irakische Regierungschef Abadi ist schiitischer Muslim.

Die Europäische Union mahnte zu rascher Aussöhnung im Irak. "Es ist jetzt von entscheidender Bedeutung, dass ein Prozess zur Rückkehr und zur Wiederherstellung von Vertrauen zwischen den Gemeinschaften beginnt und dass alle Iraker anfangen können, sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen", erklärten die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini und Kommissar Christos Stylianides am Sonntagabend in Brüssel.

(SDA)