Holz als klassischer Rohstoff wird zum Zukunftsmaterial

Ein uralter Werkstoff feiert ein Comeback und wird zum Zukunftsmaterial: Im Nationalen Forschungsprogramm "Ressource Holz" haben Wissenschaftler während fünf Jahren bewiesen, wie viel Innovationspotenzial in Holz steckt.
07.11.2017 10:00

"Holz hat Zukunft, wenn es sich neu erfindet": Davon ist Martin Riediker überzeugt. Der Präsident der Leitungsgruppe des Nationalen Forschungsprogramms "Ressource Holz" (NFP 66) hat mit weiteren Programmbeteiligten an einem Medienanlass am Dienstag Bilanz gezogen.

Nach fünf Jahren Laufzeit war die Forschung des NFP 66 Ende 2016 zum Abschluss gekommen, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitteilte. Ziel des Programms mit einer Finanzierung von insgesamt 18 Millionen Franken war, die Verfügbarkeit und Nutzung von Holz in der Schweiz zu verbessern. 30 Schweizer Forschungsteams waren daran beteiligt. Sie haben den klassischen Rohstoff in mancher Hinsicht "neu erfunden".

Am naheliegendsten ist Holz wohl als Baumaterial, womit sich einer der vier Themenbereiche des Programms befasste. Zwar wurde Holz lange durch Beton, Stahl und Kunststoff verdrängt, seit einigen Jahren wird es jedoch neu entdeckt.

Der Rückkehr von Holz in die Bauindustrie greifen auch die Innovationen aus dem NFP 66 unter die Arme, mit neuen Fertigungsverfahren und Technologien, die dem traditionellen Rohstoff neue Eigenschaften verleihen.

So entwickelten beispielsweise Forschende um Daia Zwicky von der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg einen stabilen Leichtbeton, bei dem sie Sand durch Sägemehl ersetzten. Aber auch für Inneneinrichtungen, den Möbel- oder Instrumentenbau verliehen Forschende verschiedener Schweizer Hochschulen Holz neue Materialeigenschaften.

Was bei der Holzverarbeitung oder nach dem Abriss eines Baus übrigbleibt, soll trotzdem möglichst vollständig genutzt werden, so ein weiteres Ziel des NFP. So entwickelten Forschende der ETHs Lausanne und Zürich sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) beispielsweise Verfahren, um Zellulose und Lignin aus Holz in Zwischenprodukte für die chemische Industrie umzuwandeln.

Bisher stützt sich diese meist auf Erdöl und Kohle als Ausgangsstoffe für organische Verbindungen. Die neuen Verfahren sollen den Weg ebnen, diese endlichen Rohstoffe durch nachwachsende, pflanzliche zu ersetzen.

Auch als Energiequelle ist Holz interessant. So ging es in einem der Projekte darum, den Schadstoffausstoss bei der Holzverbrennung zu senken. Andere Projekte fokussierten auf die Umwandlung zu anderen Energieträgern.

Am Paul Scherrer Institut optimierten Forschende den Ertrag an Biomethan aus Holzresten, und an der Berner Fachhochschule gelang es einem Team, die Herstellung von Ethanol aus Schweizer Buchenholz zu verbessern, wie der SNF schrieb. Gemeinsam mit Industriepartnern ist nun sogar der Bau einer Pilotanlage im Kanton Jura im Gespräch.

Eine verstärkte Nutzung von Holz wirft natürlich auch die Frage auf, woher das zusätzlich genutzte Holz kommen soll. Nicht zuletzt ging es bei "Ressource Holz" daher auch darum, die Schweizer Holzwirtschaft zu untersuchen und Wege aufzuzeigen, sie effizienter und nachhaltiger zu machen.

Ein wichtiges Ergebnis ist: Holz aus Schweizer Wäldern könnte durchaus stärker genutzt werden, ohne dass die Artenvielfalt oder die Funktion als Erholungsraum für den Menschen bedeutend eingeschränkt würden.

Der NFP 66 geht zwar zu Ende, die Forschung an der Ressource Holz jedoch noch lange nicht: Mehrere Projekte konnten in Folgeprojekte mit Industriepartnern überführt werden, heisst es in der Abschlussbroschüre des Programms.

(SDA)