Insekten-Gourmets müssen sich wegen Importproblemen gedulden

Bald drei Monate sind seit der Legalisierung des Insektenverkaufs verstrichen. Doch bei Coop und Co. gibt es noch immer keine Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer zu kaufen. Der Grund: Es hapert beim Import der Krabbeltierchen aus den Niederlanden und Belgien.
26.07.2017 18:13

Seit dem 1. Mai erlaubt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in der Schweiz den Verzehr und Verkauf von drei Insektenarten. Der Medienhype um den neuen Foodtrend war gross. Verschiedene Detailhändler brachten sich in Stellung - allen voran Coop, welcher ab Mai Insektenburger und -hackbällchen anbieten wollte.

Doch wie sich jetzt herausstellt, sind die proteinreichen Tierchen noch nicht verzehrbereit. "Es gibt derzeit keine Insekten, die weiterverarbeitet werden können", sagte Coop-Sprecher Ramón Gander am Mittwoch der Nachrichtenagentur sda. Er bestätigte damit entsprechende Informationen der Onlineausgabe der "Handelszeitung".

Coop nennt als Grund Lieferverzögerungen: "Momentan steht noch nicht fest, ab wann Insekten, die als Lebensmittel zugelassen sind, in der Schweiz verfügbar sein werden - sei dies aus Zuchtbetrieben in der EU oder in der Schweiz." Der Verkaufsstart der Insektenprodukte in ausgewählten Filialen verzögere sich daher bis auf weiteres. Ein konkretes Datum werde erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Die Ursache für die Verzögerung: Das Start-up-Unternehmen Essento, welches für den Schweizer Detailhandelsriesen Insektenprodukte fertig verarbeitet, hat Probleme mit der Einfuhr der Insekten aus den Niederlanden und Belgien. Es fehlt an notwendigen Bestätigungen der dortigen Behörden.

"Wir sind in ständigem Kontakt mit den verschiedenen Akteuren", sagte Essento-Mitgründer Christian Bärtsch der sda. Für sein Unternehmen ist die Situation nicht befriedigend, aber auch nicht existenzgefährdend: "Wir sind als kleines Unternehmen flexibel."

Um Insekten in die Schweiz einführen zu können, müssen laut dem BLV zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Insekten müssen aus einem Betrieb stammen, der von der Lebensmittelbehörde im Exportland kontrolliert wurde. Und die importierten Insekten müssen die lebensmittelrechtlichen Anforderungen der Schweizer Gesetzgebung erfüllen.

"Ohne eine entsprechende Bestätigung der Kontrolle der Behörden im Exportland sind die Importbedingungen nicht erfüllt", sagte BLV-Sprecher Stefan Kunfermann. Eine entsprechende Bestätigung dürfte, je nach Exportland, jedoch nur eine Frage der Zeit sein.

Bis dahin müssen sich Gourmets oder Experimentierfreudige auf die Krabbler verzichten - auch weil inländischen Produzenten noch die kantonale Bewilligung für die Zucht fehlt oder ihre Insekten nicht verkaufsbereit sind.

Die Firma Entomos im luzernischen Grossdietwil ist derzeit der einzige bewilligte Zuchtbetrieb. Sie produziert Insekten als Lebensmittel und bereitet sich seit sieben Jahren auf die Marktlancierung vor.

Bei Entomos ist man aber noch nicht bereit, Insekten für die Lebensmittelproduktion zu verkaufen. Bis Insekten für den Verzehr und Verkauf bereit sind, müssen sie mehrere Generationen durchlaufen. Erst die vierte Zuchtgeneration wird als zur Produktion zu Lebensmittelzwecken geeignet angesehen, erklärte Kunfermann vom BLV.

Im April strotzte Entomos-Geschäftsführer Urs Fanger vor Zuversicht. "Das Potenzial von Insektengerichten ist gross", sagte er der sda. Er belegte dies mit Ergebnissen aus der Marktforschung.

Demnach zeigten sich zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung bereit, Insekten zu essen. Wenn diese 800'000 Menschen im Jahr hundert Gramm solcher Produkte ässen, ergebe dies ein Potenzial von achtzig Tonnen.

Die Konkurrenz aus dem Ausland sei vorhanden, sagte Fanger. "Es wird aber nur wenigen gelingen, legal in die Schweiz zu importieren." Für den Moment sollte er Recht behalten.

(SDA)