Rückversicherung - Swiss Re dämpft Erwartungen an massgeschneiderte Versicherungen

Der Rückversicherungskonzern Swiss Re warnt vor zu hohen Erwartungen an das Geschäft mit kundenspezifischen Versicherungslösungen.
18.03.2017 09:13
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Bild: Bloomberg

"Grosse und massgeschneiderte Versicherungen bedeuten nicht automatisch Spitzenprofit", sagte der Chef der Rückversicherungssparte, Moses Ojeisekhoba, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. An oberster Stelle stehe eine disziplinierte Zeichnungspolitik, das Geschäft müsse die vom Konzern ausgegebenen Mindestanforderungen an die Rendite erfüllen. "Wenn wir das nicht bekommen, sehen wir uns nicht unter Druck, eine Menge neues Geschäft abzuschliessen", erklärte Ojeisekhoba.

In der Schaden-Rückversicherung sind die Preise seit Jahren auf Talfahrt, weil aufgrund des Niedrigzinsumfelds viel Kapital zur Verfügung steht und branchenfremde Anbieter wie Hedge- und Pensionsfonds in das Kerngeschäft der Rückversicherer drängen. Branchenprimus Münchener Rück, die Nummer zwei Swiss Re und andere grosse Rückversicherer gehen damit unterschiedlich um: Die Schweizer forcieren seit einiger Zeit das Geschäft mit individuellen Versicherungslösungen, von denen sie sich mehr Ertrag versprechen.

Die Konkurrenz nehme zwar auch in diesem Bereich zu, räumte Ojeisekhoba ein. Doch die Aussicht auf Wachstum sei intakt, während das traditionelle Rückversicherungsgeschäft hart umkämpft sei. "Wir glauben, es gibt mehr als genug Chancen", erklärte der Manager. "Das ist kein Bereich, der schrumpft, obwohl die Volumen etwas unberechenbar sein können. Es ist ein Bereich, der noch immer etwas wächst." Die Nachfrage werde etwa durch schärfere Kapitalanforderungen wie Solvency II angefacht.

Swiss Re schwierig zu kopieren

Swiss Re will dabei mit langen Kundenbeziehungen und Know-how im eigenen Konzern punkten. "Es ist schwierig für jemand anderen, das zu kopieren, weil es etwas ist, das über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde", sagte Ojeisekhoba. Individuelle Transaktionen seien von Natur aus komplex und anspruchvoll, die Kundenbedürfnisse sehr unterschiedlich.

Oft müssten Verträge von Grund auf neu ausgehandelt werden, es gelte neben finanziellen und ökonomischen Rahmenbedingungen auch rechtliche und regulatorische Aspekte zu berücksichtigen. Das könne schon einmal ein oder zwei Jahre Arbeit bedeuten, sagte Ojeisekhoba. "Die Kenntnis des Kunden und die Zeit, die wir mit ihm verbringen, um spezifische Lösungen für seine Anforderungen einzurichten, gibt uns oft die Möglichkeit, eine Rendite zu erzielen, die über unseren Mindestanforderungen liegt."

Der britisch-nigerianische Doppelbürger verantwortet seit Juli die Kernsparte Rückversicherung, in der Swiss Re vergangenes Jahr 86 Prozent der insgesamt 33,2 Milliarden Dollar Prämieneinnahmen erzielte. Der Gewinnbeitrag belief sich auf 82 Prozent.

Geschäftsumfang bleibt Geheimnis

Zum Umfang des Geschäfts mit massgeschneiderten Versicherungslösungen hielt sich Ojeisekhoba bedeckt - aus Konkurrenzgründen, wie er erklärte. Vergangenes Jahr war nach Swiss-Re-Angaben das Prämienplus in der Schaden- und Unfallversicherung (P&C) von knapp 13 Prozent auf 17 Milliarden Dollar hauptsächlich dem Geschäft mit grossen Kunden und massgeschneiderten Versicherungen geschuldet. Das Unternehmen investiert stark in Forschung und Entwicklung und beschäftigt rund 400 Wissenschaftler, um Kunden bei der Risikoanalyse unter die Arme greifen zu können.

Auch Weltmarktführer Münchener Rück setzt inzwischen auf individuelle Rückversicherung für komplexe Anforderungen. Der Konzern bezifferte die Prämieneinnehmen mit innovativen Produkten im September auf rund 500 Millionen Euro. Münchener Rück macht sich dieses Jahr auf einen Gewinnrückgang gefasst. Und auch der drittgrösste Rückversicherer Hannover Re drängt in den Bereich.

Analysten sind zum Teil skeptisch: "Wenn es wirklich etwas ist, das andere nicht haben, kann man einen besseren Preis bekommen, weil nicht genug Know-how zur Verfügung steht", sagte Mediobanca-Analyst Vinit Malhotra. "Wenn es das nicht ist, würde ich von aussen sagen: Warum betrachten wir es nicht als normales Geschäft." Bei der Bank Berenberg warnt man, dass grosse und massgeschneiderte Transaktionen zu einer Erhöhung und Konzentration von Risiken führen können und damit zu stärker schwankenden Gewinnen.

(Reuters)