Israel entfernt Metalldetektoren am Tempelberg

Nach tagelangen Protesten und blutigen Unruhen hat Israel die umstrittenen Metalldetektoren am Tempelberg wieder entfernt. Vorausgegangen war ein Beschluss des Sicherheitskabinetts. Spontan versammelten sich einige hundert Palästinenser zu einer Freudenkundgebung.
25.07.2017 02:57

Das Gremium habe auf Empfehlung der aller Sicherheitsorgane entschieden, die Metalldetektoren durch "Sicherheitsinspektionen auf der Grundlage hoch entwickelter Technologien und andere Mittel" zu ersetzen, teilte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag mit. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen hatten die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern zuletzt weiter angeheizt.

Arbeiter demontierten die Metalldetektoren in der Nacht zum Dienstag an einem Zugang zum Tempelberg, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach Angaben von muslimischer Seite wurden alle Detektoren entfernt.

Als die Entscheidung des Sicherheitskabinetts bekannt wurde, versammelten sich spontan einige hundert Palästinenser zu einer Freudenkundgebung an einem Zugang zum Tempelberg. Als ein Demonstrant ein Feuerwerk abbrannte, setzte die israelische Polizei Blendgranaten ein, um die Menge zu vertreiben.

Unklar an dem Beschluss des Sicherheitskabinetts blieb zunächst, was unter "hoch entwickelten Technologien" zu verstehen ist, wie es in der Erklärung hiess. Ungewiss war auch, ob sie von den muslimischen Gläubigen akzeptiert würden. Neben Metalldetektoren waren auch Kameras an den Eingängen installiert worden.

Der Tempelberg mit der Al Aksa-Moschee, dem Felsendom und der Klagemauer ist gläubigen Muslimen und Juden gleichermassen heilig. Er ist das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina. An ihm befindet sich auch die jüdische Klagemauer, einziger Überrest des von den Römern im Jahr 70 zerstörten Zweiten Jüdischen Tempels.

Israel hatte nach einem Anschlag auf zwei israelische Polizisten in der Jerusalemer Altstadt Mitte Juli die Kontrollen zum Tempelberg verschärft und Metalldetektoren sowie zusätzliche Überwachungskameras am Eingang installieren lassen. Dies versetzte die Palästinenser und Teile der muslimischen Welt in Wut. Bei den Unruhen kamen vier Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Die Palästinenser befürchteten, Israel wolle durch die Metalldetektoren mehr Kontrolle über den Tempelberg bekommen, der Juden und Muslimen heilig ist. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas setzte ebenfalls am Freitag unter dem Eindruck der Konfrontationen alle Beziehungen zu Israel aus. Der palästinensische Botschafter Rijad Mansur hatte den UNO-Sicherheitsrat aufgefordert, den Abbau der Metalldetektoren und Überwachungskameras zu verlangen.

Angesichts der gewalttätigen Konflikte hatte der UNO-Sondergesandte Nikolai Mladenow zuvor eine rasche "Lösung" gefordert. "Es ist extrem wichtig, dass für die aktuelle Krise bis Freitag eine Lösung gefunden wird", sagte der Sondergesandte für den Nahen Osten am Montag am Sitz der UNO in New York.

Die Gefahr einer weiteren Eskalation nehme zu, wenn bis zu den bevorstehenden Freitagsgebeten der Muslime keine Lösung gefunden worden sei, sagte Mladenow. Der Streit um den Tempelberg könne "weit über die Stadtmauern der Altstadt Jerusalems hinaus katastrophale Kosten" verursachen. Diese Auswirkungen könnten "weit über Israel und Palästina" und "weit über den Nahen Osten" hinausreichen.

Mladenow äusserte sich vor Journalisten in New York, nachdem er dem UNO-Sicherheitsrat über die jüngsten Entwicklungen Bericht erstattet hatte. Seit Freitag wurden in dem Konflikt drei Israelis und fünf Palästinenser getötet. Die Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats wurde von Frankreich, Schweden und Ägypten beantragt.

Auch der jordanische König Abdullah II., der aufgrund des israelisch-jordanischen Friedensvertrages von 1994 Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem ist, hatte in einem Telefonat mit Netanjahu gefordert, die neuen Sicherheitsvorkehrungen am Zugang zum Tempelberg zu entfernen.

Die USA schalteten sich in den eskalierenden Streit zwischen Israelis und Palästinensern ebenfalls ein. Jason Greenblatt, der Nahost-Beauftragte von US-Präsident Donald Trump, wurde nach offiziellen israelischen Angaben am Montag gemeinsam mit dem US-Botschafter in Israel, David Friedman, von Netanjahu empfangen.

(SDA)