Israels Präsident Rivlin ehrt Vorgänger Peres als Visionär

Politiker auf der ganzen Welt haben nach dem Tod von Schimon Peres den ehemaligen Präsidenten Israels gewürdigt. Reuven Rivlin bezeichnete seinen verstorbenen Amtsvorgänger Schimon Peres als prägenden Visionär für den Staat Israel.
28.09.2016 09:32

"Es gibt kein Kapitel in der Geschichte des Staates Israel, in dem Schimon keine Rolle gespielt oder kein Stück geschrieben hat", sagte Rivlin während eines Staatsbesuches in der Ukraine am Mittwoch. "Als Einzelner hat er eine ganze Nation auf den Flügeln der Vorstellungskraft und seiner Vision getragen."

"Schimon hat uns dazu gebracht, weit in die Zukunft zu schauen, und wir haben ihn geliebt", sagte Rivlin weiter. Er habe den Menschen Hoffnung verliehen. "Der Geist der Hoffnung und des Friedens war sein Weg und Wunsch." Rivlin will nach Angaben seines Büros seinen Ukraine-Besuch verkürzen und noch am Mittwoch wieder in Israel sein.

US-Präsident Barack Obama würdigte Peres als einen "Kämpfer für Israel" und den Frieden im Nahen Osten. "Als Amerikaner stehen wir in seiner Schuld", sagte Obama in einer Stellungnahme. "Keiner hat über die Jahre hinweg mehr dafür getan als Schimon Peres, die Allianz zwischen unseren beiden Ländern aufzubauen - eine unzerbrechliche Allianz, die heute enger und stärker ist, als sie jemals war."

Mit Schimon Peres habe Israel einen "eifrigen Fürsprecher für Frieden und Versöhnung verloren", schrieben der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und seine Frau und Präsidentschaftskandidatin Hillary. Peres sei ein "grossherziges Genie" gewesen, das seine Talente für eine "Zukunft der Versöhnung" genutzt habe. Bis zum Ende sei der ehemalige israelische Präsident ein "leuchtender und sprachgewaltiger Träumer" gewesen.

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Peres als "einen der glühendsten Verteidiger" des Friedens. Peres habe in der Schaffung eines Palästinenserstaats die einzige Garantie für eine sichere Zukunft Israels gesehen, hiess es in einer Mitteilung des Élyséepalastes. Premierminister Manuel Valls nannte Peres auf Twitter "ein Gewissen der Menschheit".

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nannte Peres einen "grossen Staatsmann": Israel habe "einen seiner Gründungsväter und Deutschland einen hoch geschätzten Freund und Partner verloren", erklärte Steinmeier. Peres habe sich "im festen Willen, Vergangenheit und Zukunft zu verbinden, für die einzigartige Freundschaft zwischen Israel und Deutschland eingesetzt".

Peres' Sohn nannte seinen Vater einen der Gründerväter des jüdischen Staates. "Sein wichtigstes Anliegen war es immer, dem jüdischen Volk zu dienen", sagte Chemi Peres im Scheba-Spital bei Tel Aviv. Dies habe er bis zu seinem letzten Tag getan.

Der 93-jährige Friedensnobelpreisträger war in der Nacht zum Mittwoch zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall gestorben. Peres war von 2007 bis 2014 Staatspräsident gewesen.

Leibarzt Rafi Walden sagte, sein Schwiegervater sei ohne Schmerzen gestorben. Bis zum Tag des Schlaganfalls vor zwei Wochen sei er noch "voller Kraft" gewesen. "Sein Leben endete abrupt, während er für seine grosse Leidenschaft kämpfte, die Sorge um die Stärkung des Staates Israel und den Frieden", sagte Walden.

Als letzten Beitrag für andere Menschen habe Peres seine Hornhäute gespendet. Peres hatte sich zu Lebzeiten für Organspenden eingesetzt.

Zum Begräbnis werden führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Aus Deutschland komme Bundespräsident Joachim Gauck, teilte das israelische Aussenministerium mit. US-Präsident Barack Obama und sein Aussenminister John Kerry wollten kommen.

Ausserdem sollten unter anderen Papst Franziskus, Hillary und Bill Clinton, der französische Präsident Hollande, der kanadische Präsident Justin Trudeau, der britische Kronprinz Charles und die niederländische Königinmutter Beatrix kommen. Mit dem Begräbnis wird am Freitag gerechnet.

(SDA)