Italien könnte sein "A"-Rating verlieren und will klagen

Italien erwägt Einspruch gegen die Ankündigung der Ratingagentur DBRS, die Kreditwürdigkeit des Landes mit Blick auf eine etwaige Herabstufung zu überprüfen. Sollte Italien eine schlechtere Note bekommen, dürfte dies für die Banken höhere Finanzierungskosten bedeuten.
07.08.2016 04:03

Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sagte am späten Samstagabend, man sei irritiert von der unerwarteten Entscheidung der Agentur. Aus Sicht der Regierung habe DBRS Regeln verletzt, da sie die Überprüfung ausserhalb des dafür bestehenden Mitteilungs-Kalenders bekanntgegeben habe. Man werde sich daher anschauen, ob es Möglichkeiten zum Widerspruch gebe.

Die kanadische Agentur DBRS hatte am Freitagabend erklärt, sie habe sich zur Überprüfung des Ratings entschieden. Grund dafür sei vor allem die politische Unsicherheit im Zuge des für den Herbst geplanten Referendums zur Reform der italienischen Verfassung, an das Regierungschef Matteo Renzi seine politische Zukunft geknüpft habe.

Die Abstimmung und auch der bestehende Druck auf die italienischen Banken berge das Risiko einer Herabstufung. DBRS verwies zudem auf eine schwache Entwicklung der Wirtschaft des Landes und eine hohe Staatsverschuldung. Üblicherweise entscheidet eine Ratingagentur nach einer Ankündigung binnen drei Monaten darüber, ob sie herabstuft oder nicht.

Zwar ist die kanadische Agentur die kleinste der vier "grossen" neben Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Aber sie ist eine der vier Bonitätswächterinnen, die die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Frage heranzieht, zu welchen Konditionen sie Anleihen eines Staates im Rahmen ihres Aufkauf-Programms erwirbt.

Die DBRS ist die einzige der vier Agenturen, die Italien noch mit einem "A"-Rating führt. Das reicht der EZB, um italienische Anleihen noch zu Top-Konditionen aufzukaufen. Eine Herabstufung selbst um nur eine Stufe würde dem Land aber ein "BBB"-Rating bei der DBRS einbrocken und es hätte dann bei keiner Agentur mehr ein "A".

In der Folge würde sich der Risiko-Aufschlag beim Anleihen-Aufkauf erhöhen. Die italienischen Banken würde dies treffen, weil sie Anleihen des Landes als Sicherheit für Kredite hinterlegen, die sie bei der EZB aufnehmen.

(SDA)