Italien kritisiert Tessiner Staatsrat Gobbi

Der Generalverdacht des Lega-Staatsrats Norman Gobbi gegen italienische Arbeitskräfte in der Kantonsverwaltung hat für Misstöne mit Italien gesorgt. Gobbi hatte im Zusammenhang mit einen Korruptionsfall im Migrationsamt gleich zwei Mal gegen Italiener geschossen.
12.02.2017 19:24

Es sei nicht angemessen, den Korruptionsfall unter dem Gesichtspunkt der Nationalität zu betrachten, erklärte der italienische Botschafter Marco Del Panta in einem an den "TagesAnzeiger" adressierten Schreiben vom Samstag. Dieses lag der sda am Sonntag vor. Ihm sei nicht bekannt, dass die Italiener ein "Monopol" auf Korruption hätten, so Del Panta.

Der Tessiner Sicherheitsdirektor Gobbi hatte am vergangenen Mittwoch in Bellinzona erklärt, dass seit 2011 nur noch Schweizer Staatsbürger im Tessiner Migrationsamt eingestellt worden seien. So habe das Missbrauchsrisiko in der Behörde gesenkt werden können.

Im Interview mit dem "TagesAnzeiger" legte Gobbi am Donnerstag noch nach, indem er sagte: "Es war ein Fehler, einen Italiener anzustellen - und vor allem nicht in einem Migrationsamt. Das ist für mich nicht tragbar. Ich habe noch nie gehört, dass bei den italienischen Behörden Schweizer arbeiten dürfen."

In seinem Brief, über den die "Sonntagszeitung" berichtete, widersprach Botschafter Del Panta: In der öffentlichen Verwaltung in Italien gebe es sehr wohl Schweizer. "Und wir sind glücklich sie zu haben", schrieb der Diplomat.

Bereits am Samstag hatte Gobbi auf Facebook nochmals nachgestossen: Wer die Souveränität des Staates garantieren wolle, der müsse sicherstellen, dass in "sensiblen Bereichen" wie der Migration nur Schweizer Bürger angestellt würden, schrieb der Staatsrat. Er verteidigte zugleich sowohl seine Wortwahl als auch sein Vorgehen.

Ursprung der Polemik war ein Korruptionsfall im Tessiner Migrationsamt, der am vergangenen Mittwoch öffentlich geworden war.

Einer der sechs mutmasslichen Straftäter war bis zuletzt im Tessiner Migrationsamt angestellt - er war 2009 aus Italien angeheuert worden, also noch bevor Gobbis Regelung griff. Erst später habe der 28-Jährige auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten, so der Staatsrat.

Bei fünf weiteren Personen klickten ebenfalls in der vergangenen Woche die Handschellen, weil diese zahlreichen ausländischen Personen Aufenthaltsbewilligungen im Tessin und in anderen Kantonen "vermittelt" haben sollen. Dabei sind gemäss Behördenangaben auch mehrere tausend Franken geflossen. Die Tessiner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Menschenhandel und Bestechung.

(SDA)