Junge Italiener in der Schweiz werden auf Mafia sensibilisiert

Im Rahmen einer Sensibilisierungskampagne werden junge Italiener in der Schweiz über die Gefahren der Mafia informiert. Die Kampagne mit dem Titel "Progetto legalità" (Projekt Legalität) ist am (heutigen) Samstag gestartet worden und dauert bis im kommenden Juni.
11.11.2017 09:51

Das Ziel der Kampagne ist es, der jungen Generation, die in der Schweiz lebt, das persönliche, soziale und korrekte Verhalten für die Schaffung einer besseren Gesellschaft beizubringen.

"Es geht darum, ihnen zu verstehen zu geben, dass die Mafia illegal ist", schreiben die Komitees der Italiener in Basel, in Bern-Neuenburg und in Zürich, die hinter dem Projekt stehen. Auch die italienische Botschaft in der Schweiz und der Generalrat der Italiener im Ausland unterstützen die Kampagne.

Ein Schwerpunkt der Kampagne liegt in der Sensibilisierung auf das Risiko der Infiltration des organisierten Verbrechens. Die organisierte Kriminalität habe in der Schweiz in den vergangenen Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt.

"Wir spüren die Notwendigkeit, mit der jungen Generation über die Mafia zu sprechen, um aus bekannten Stereotypen auszubrechen, aber auch, um sie nicht zu unterschätzen", sagte Maria Chiara Vannetti, Präsidentin des Komitees der Italiener der Kantone Bern und Neuenburg, der Nachrichtenagentur sda.

Die Mafia und ihr Verhalten gebe in der Gesellschaft oft Anlass zu scherzhaften Bemerkungen. Dies führe zu einer Banalisierung des Phänomens, sagte Vannetti. Die Mafia habe sich entwickelt: Es sei nicht mehr die Organisation wie vor vierzig Jahren. Sie habe in der Wirtschaftskriminalität Fuss gefasst und sei vom Drogen- zum Immobiliengeschäft übergegangen.

Die am Samstag gestartete Sensibilisierungskampagne sieht eine Reihe von öffentlichen Konferenzen vor. In diesem Rahmen ist auch ein Treffen mit der Präsidentin der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission in Italien, Rosy Bindi, geplant.

Aber auch im Rahmen von Sprachkursen und kulturellen Veranstaltungen sowie in den italienischen Schulen auf Schweizer Boden soll über das Thema Mafia gesprochen werden. Davon sind rund 10'000 Schülerinnen und Schüler betroffen.

Unter den Mafia-Organisationen, die in der Schweiz aktiv sind, ist die 'Ndrangheta am stärksten vertreten, wie dem jüngsten Bericht zur inneren Sicherheit des Bundesamtes für Polizei (fedpol) über die organisierte Kriminalität zu entnehmen ist. So sollen in der Schweiz Mafiosi wohnen, die zum Teil direkte Verbindungen mit hochrangigen Repräsentanten der kalabrischen Mafia unterhalten.

Für Aufsehen gesorgt hatte im März 2016 auf Anordnung des Bundesamtes für Justiz (BJ) die Verhaftung von 13 italienischen Staatsangehörigen, die der sogenannten Frauenfelder Zelle der 'Ndrangheta zugeordnet wurden. Die italienischen Behörden werfen ihnen vor, Mitglieder einer kriminellen Organisation zu sein.

(SDA)