Katalanischer Polizeichef von Gericht in Madrid vorgeladen

Im Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens will die spanische Justiz den Chef der regionalen Polizei vernehmen. Eine Richterin hatte Josep Lluís Trapero nach Madrid vorgeladen, um ihn zu Vorfällen vom 20. und 21. September zu befragen.
06.10.2017 10:13

Mit Trapero mussten auch die Polizeivertreterin Teresa Laplana und die zwei Anführer der stärksten Unabhängigkeitsbewegungen Kataloniens, Jordi Sanchez und Jordi Cuixart, in der spanischen Hauptstadt vor Gericht erscheinen.

Ihnen werden die Unterstützung eines Aufstandes vorgeworfen, teilten die zuständigen Justizbehörden mit. Spanischen Medien zufolge erschien Trapero am Freitagmorgen in voller Uniform im Gerichtsgebäude in der spanischen Hauptstadt.

Bei Protesten hätten Demonstranten Sicherheitskräfte an der Ausübung ihrer Aufgaben behindert, so die Staatsanwaltschaft. Dies habe die Regionalpolizei "Mossos d'Esquadra", der Trapero vorsteht, ohne einzugreifen in Kauf genommen.

Die aus Madrid entsandte Polizeieinheit Guardia Civil hatte zehn Tage vor der Volksabstimmung über die Abspaltung Kataloniens bei Razzien Millionen Stimmzettel beschlagnahmt. Auch nahmen sie 14 Politiker und Beamte fest.

Hunderte Demonstranten hatten die Polizei nach einer Hausdurchsuchung am Verlassen des Gebäudes behindert. Spanischen Medienberichten drohen Trapero wegen seines Ungehorsams 8 bis 15 Jahre Haft.

Die Vorladung der vier Katalanen vor dem Gericht, das sich unter anderem mit Fragen der nationalen Sicherheit befasst, droht die Krise zwischen der nach Unabhängigkeit strebenden Regionalregierung in Barcelona und der spanischen Zentralregierung in Madrid weiter zu verschärfen.

Erst am Donnerstag hatte Spaniens Verfassungsgericht dem katalanischen Regionalparlament untersagt, am Montag zusammenzukommen um die Unabhängigkeit der Region zu verkünden. Das Regionalparlament will aber trotz des Verbots am Montag über eine Loslösung von Spanien debattieren. Das sagte der für Aussenpolitik zuständige Vertreter der katalanischen Regionalregierung, Raul Romeva, am Freitag dem britischen Sender BBC.

Bei der Volksabstimmung am 1. Oktober hatte eine deutliche Mehrheit der Teilnehmenden für eine Trennung von Spanien gestimmt. Allerdings waren auch nur 42 Prozent der 5,3 Millionen Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Abstimmung für rechtswidrig erklärt.

(SDA)