Kinder unter Toten nach Kentern von Flüchtlingsboot vor Libyen

Die Serie von tödlich endenden Flüchtlingsfahrten übers Mittelmeer reisst nicht ab: Ein Flüchtlingsboot mit zahlreichen Kindern an Bord kenterte vor Libyen. 31 Leichen wurden geborgen, die meisten davon kleine Kinder.
24.05.2017 16:44

Dies teilte der Gründer der Hilfsorganisation MOAS, Chris Catrambone. Drei Holzschiffe mit insgesamt rund 1500 Personen seien vor der libyschen Küste unterwegs gewesen. Eines der Boote sei gekentert. Rund 200 Menschen seien ins Wasser gefallen, darunter zahlreiche Kinder und Frauen.

Vermutlich hatten sie durch eine grosse Welle das Gleichgewicht verloren. "Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm, das ist die Wirklichkeit vor den Toren Europas", sagte Catrambone.

Auf Bildern sieht man, wie viele Menschen im Wasser treiben. Die italienischen Küstenwache ging nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa auch von 31 Toten aus.

Erst am Vortag war bekannt geworden, dass am vergangenen Freitag möglicherweise mehr als 150 Flüchtlinge gestorben sein könnten. Überlebende hätten von 156 Vermissten berichtet, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt.

In diesem Jahr sind bei der Überfahrt über das Mittelmeer bereits mehr als 1340 Menschen ums Leben gekommen. Derzeit setzen vermehrt Boote in Richtung Italien über, weil das Wetter gut ist.

Rund 51'000 Flüchtlinge erreichten seit Jahresbeginn Italien, das sind 42 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016, teilte das Innenministerium mit. Italien versorgt zurzeit rund 180'000 Menschen in seinen Flüchtlingseinrichtungen.

Derweil wurde die deutsche Hilfsorganisation Jugend Rettet Zeuge eines weiteren Zwischenfalls. Von Booten der libyschen Küstenwache sei während einer Rettungsaktion auf Flüchtlingsboote geschossen worden. Zudem seien Migranten geschlagen worden, hiess es in einer Mitteilung.

Zwei Boote seien wieder zurück nach Libyen gebracht worden. "Über 100 Menschen sind aus Panik ins Wasser gesprungen. Zum Glück hatten die meisten Rettungswesten an, die wir schon verteilt hatten", erklärte der Kapitän des Schiffs Juventa der Mitteilung zufolge. "Für uns selber war die Situation äusserst kritisch: Wir sind hier, um zu helfen, waren aber gezwungen tatenlos zuzusehen, um nicht selber eine Kugel einzufangen."

(SDA)