Kometensonde "Philae" fällt in ewigen Winterschlaf

Abschied von "Philae": 15 Monate nach der Landung der Forschungssonde auf Komet Tschuri gehen die Chancen auf einen letzten Kontakt mit dem Minilabor nun "gegen Null", wie das Deutsche Raumfahrtzentrum DLR am Freitag mitteilte.
12.02.2016 11:57

Laut "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec senden die Forscher der Sonde "auch keine Kommandos mehr - es wäre sehr überraschend, wenn wir jetzt noch ein Signal empfangen würden".

"In der Kometennacht kann es jetzt bis unter minus 180 Grad Celsius kalt werden", erklärte der DLR-Planetenforscher Ekkehard Kührt in Köln. "Selbst am Tag bleibt der gesamte Komet nun tiefgefroren." In dieser unwirtlichen Umgebung kann der auf Temperaturen bis minus 50 Grad ausgelegte "Philae"-Lander nicht mehr arbeiten.

Damit geht "Philae" nun auf der Oberfläche des Kometen in den "ewigen Winterschlaf" über, wie das DLR weiter berichtete. Ingenieure und Wissenschaftler ziehen demnach eine grösstenteils positive Bilanz der Lander-Mission.

Einige Messungen hätten zwar leider nicht wie geplant vorgenommen werden können, betonte Kührt, "aber insgesamt war 'Philae' ein Erfolg".

Das Landesgerät der europäischen Kometenmission "Rosetta" war am 12. November 2014 als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf der Oberfläche eines Kometen gelandet.

Allerdings kam die kühlschrankgrosse Sonde auf dem Tschuri genannten Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erst nach mehreren Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des ursprünglich geplanten Landeplatzes zum Stehen.

In der Folge bekamen die Sonnensegel von "Philae" nicht genug Energie ab - nach nur gut 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit fiel der Lander wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf. Erst am 13. Juni 2015 meldete sich der Lander erstmals wieder bei seiner Muttersonde "Rosetta", die Tschuri umkreist.

Nach weiteren Kontaktaufnahmen sandte "Philae" am 9. Juli ein letztes Lebenszeichen - danach verstummte die Sonde. Zuletzt scheiterte auch der Versuch, ein Drallrad im Inneren von "Philae" einzuschalten und den Lander dadurch gleichsam wachzurütteln.

"Wir haben immer wieder verschiedene Kommandos gesendet, um den Kontakt mit ihm zu stabilisieren und mit den Instrumenten messen zu können, aber dies ist leider nicht gelungen", erklärte Ulamec.

Die Missions-Ingenieure halten es unterdessen für möglich, dass Kurzschlüsse an den Sendern von "Philae" der Grund für die unregelmässigen Kontakte und das anschliessende Schweigen der Sonde sein könnten.

Das Minilabor hatte auf Tschuri mit einem Massenspektrometer organische Moleküle nachgewiesen. Mit einer Thermalsonde und einem Seismometer gelang es zudem, physikalische Eigenschaften der Kometenoberfläche zu bestimmen.

Der Abschied von "Philae" ist allerdings noch nicht das Ende der europäischen "Rosetta"-Mission: Die "Rosetta"-Muttersonde wird noch bis September den Kometen umkreisen und wissenschaftliche Daten zur Erde funken. Zum Abschluss der historischen Mission soll dann auch "Rosetta" auf dem Schweifstern landen.

(SDA)