Aktien Europa Schluss: EuroStoxx auf Tief seit Februar - Brexit-Sorgen

PARIS/LONDON (awp international) - Die Furcht vor einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) hat den EuroStoxx 50 auch am Dienstag in die Tiefe gezogen. Als Belastung hinzu kam die Unsicherheit vor den Notenbankentscheidungen in den USA und in Japan, die in dieser Woche noch anstehen. "Das Messer fällt weiter und keiner will neun Tage vor dem Referendum hineingreifen", schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.
14.06.2016 18:46

Der EuroStoxx 50 gab den fünften Handelstag in Folge nach und büsste am Ende 1,97 Prozent auf 2797,18 Punkte ein. Alle Werte schlossen im Minus. Damit hat der Leitindex der Eurozone inzwischen das Niveau von Februar erreicht. Seit Jahresbeginn hat er mehr als 14 Prozent verloren.

Für den CAC-40-Index in Paris ging es am Dienstag um 2,29 Prozent auf 4130,33 Punkte nach unten. Der Londoner FTSE-100-Index riss die Marke von 6000 Punkten und verlor 2,01 Prozent auf 5923,53 Zähler.

Wegen des hohen Risiko eines Austritts Grossbritanniens aus der EU wenden sich Anleger zurzeit vermeintlich sichereren Häfen zu. Staatsanleihen werden stark nachgefragt, so etwa die zehnjährige Bundesanleihe, deren Rendite erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik in den negativen Bereich rutschte. Der Japanische Yen, ebenfalls momentan stark bei Investoren begehrt, legte im Vergleich zum US-Dollar weiter zu und erreichte das hohe Niveau aus dem Oktober 2014. Der Goldpreis, der am Vortag den höchsten Stand seit Anfang Mai erreicht hatte, hielt sich stabil.

Ein Austritt Grossbritanniens hätte laut Experten für die gesamte EU Folgen. "Anlegern drohen nach einem Brexit Jahre der Unsicherheit", sagte der Deutschland-Chefstratege Martin Lück vom Vermögensverwalter Blackrock. "Investoren fragen sich dann, wie es mit Europa weitergeht."

Branchenweit gab es erneut nur Verlierer. Besonders schwach zeigte sich der Sektor der Bergbauwerte mit minus 3,48 Prozent. Auch Bankaktien (-2,34 Prozent) gerieten vor dem Hintergrund des Brexit-Risikos und der Leitzinssitzungen überdurchschnittlich unter Druck.

Unter den Einzelwerten rückten die Papiere von Danone nach einer präzisierten Jahresprognose in den Blick. Mit minus 0,78 Prozent hielten sie sich vergleichsweise gut. Bei dem französischen Lebensmittelkonzern wächst wieder die Zuversicht. In diesem Jahr soll die operative Marge dank Einsparungen und neuer Dynamik in China um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte zulegen. Bislang hatte Danone lediglich eine "solide Verbesserung" angekündigt.

Am Ende des Auswahlindex Stoxx Europe 50 fielen die Papiere von Novo Nordisk um rund fünfeinhalb Prozent. Das Diabetespräparat Victoza des Pharmaunternehmens habe in einer klinischen Studie nicht die hohen Erwartungen der Analysten erfüllt, hiess es von Börsianern.

Die Anteilsscheine von Easyjet verloren marktkonforme 1,97 Prozent. Der Streik von niederländischen Piloten des Billigfliegers hatte zwar bislang wenig Folgen für Passagiere. Die Pilotengewerkschaft VNV warf der Fluggesellschaft aber vor, ausländischen Crews als Streikbrecher einzusetzen und erwägt nun längere Arbeitsniederlegungen./la/he

(AWP)