Aktien Europa Schluss: Kursrally - EuroStoxx macht Brexit-Verluste wett

PARIS/LONDON (awp international) - Der Aufwärtstrend an Europas Börsen hält an. Positiv aufgenommene Konjunktursignale aus China, Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der britischen Geldpolitik und die anhaltende Rekordjagd an der Wall Street bescherten den Anlegern am Dienstag satte Kursgewinne.
09.08.2016 18:39

Der EuroStoxx 50 schloss 1,55 Prozent höher bei 3029,18 Punkten. Damit schaffte der Leitindex der Eurozone den fünften Gewinntag in Folge - seinen Kursrutsch nach dem Brexit-Votum im Juni hat er inzwischen praktisch wieder wettgemacht.

Auch der französische CAC-40-Index hat den Schrecken über die britische Entscheidung gegen einen Verbleib in der Europäischen Union verdaut: Er rückte am Dienstag um 1,19 Prozent auf 4468,07 Zähler vor. Für den Londoner FTSE-100-Index ging es zwar nur um 0,62 Prozent auf 6851,30 Punkte hoch - das reichte aber für den höchsten Schlussstand seit Juni 2015.

Chinas Verbraucherpreise waren im Juli zwar erneut nur langsam gestiegen und hinter den Regierungsvorgaben zurück geblieben, während die Erzeugerpreise den 53. Monat in Folge gefallen waren. Dennoch wurden die Daten am Markt als Anzeichen einer Stabilisierung interpretiert. Auch dass die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft im ersten Halbjahr so langsam wuchs wie seit der globalen Finanzkrise vor sieben Jahren nicht mehr, konnte die Stimmung nicht entscheidend trüben.

Derweil brachte mit Ian McCafferty ein Ratsmitglied der britischen Notenbank eine weitere Lockerung der Geldpolitik ins Spiel. Sollte die heimische Wirtschaft tatsächlich wegen des Brexit-Votums schrumpfen, werde eine weitere geldpolitische Lockerung notwendig, schrieb McCafferty in einem Gastbeitrag in der Zeitung "The Times". Zuvor hatte bereits Notenbankchef Mark Carney eine neue Lockerung der Geldpolitik angedeutet, wenn dies notwendig werden sollte.

Im europäischen Branchenvergleich gab es mit den Versorgeraktien nur einen Verlierer: Der Subindex im marktbreiten Index Stoxx Europe 600 sank um minimale 0,01 Prozent. Dagegen führte der Index der Autobauer und -zulieferer mit plus 2,09 Prozent die Gewinnerliste an. Der Index der ähnlich konjunktursensiblen Chemieunternehmen rückte um 2,01 Prozent vor.

An der Spitze des FTSE 100 zogen die Aktien von Standard Life nach der Vorlage von Geschäftszahlen um 6,75 Prozent an. Die Versicherungsgruppe hatte im ersten Halbjahr das verwaltete Gesamtvermögen um 7 Prozent gesteigert und hob die Zwischendividende an.

Die Anteilsscheine des Zahlungsabwicklers Worldpay gewannen 2,52 Prozent. Der Nettoumsatz im ersten Halbjahr übertraf die Erwartungen und die mittelfristigen Unternehmensziele wurden bekräftigt.

Dagegen büssten die Papiere von Legal & General Group am Indexende 5,55 Prozent ein. Grossbritanniens grösster Verwalter von Pensionsvermögen habe zwar solide Halbjahreszahlen präsentiert, sagte ein Börsianer. Allerdings hätten die deutlich rückläufigen Mittelzuflüsse enttäuscht.

In Amsterdam gewannen Randstad-Aktien 0,76 Prozent. Der Personaldienstleister will das US-Jobportal Monster Worldwide für 429 Millionen US-Dollar übernehmen. Je Monster-Aktie liegt der Kaufpreis damit bei 3,40 Dollar, was einem 23-prozentigen Aufschlag auf den Schlusskurs vom Montag entspricht./gl/he

(AWP)