Aktien Europa Schluss: Neue Volte im Handelskonflikt drückt auf Kurse

Auch am zweiten Handelstag der Woche haben die Sorgen um den Welthandel die Kurse an Europas Börsen belastet. Der EuroStoxx 50 als Leitindex für die Eurozone verlor weitere 0,43 Prozent auf 3610,99 Punkte, nachdem er am Montag bereits um gut zwei Prozent abgesackt war. Damit droht das Börsenbarometer nun aus dem im August begonnenen Aufwärtstrend wieder nach unten herauszufallen.
03.12.2019 18:14

US-Präsident Donald Trump hat es nach eigenem Bekunden nicht eilig, ein Handelsabkommen mit China unter Dach und Fach zu bringen. "Ich habe keine Deadline", sagte Trump am Dienstag. Das verunsicherte die Marktakteure, von denen viele in den zurückliegenden Wochen damit gerechnet hatten, dass ein erstes Teilabkommen in Kürze in trockenen Tüchern sein könnte. Zumal Mitte Dezember weitere Strafzölle der USA auf Importe aus China anstehen.

Zudem bestätigte Trump Pläne für hohe Strafzölle auf französische Produkte. Geplant sei eine "sehr hohe Steuer auf Wein" und andere Waren, sagte der US-Präsident. Hintergrund ist die französische Digitalsteuer, die grosse amerikanische Internetunternehmen wie Amazon , Google und Facebook trifft. Der Pariser Leitindex Cac 40 büsste angesichts dieser Verschärfung des Konflikts 1,03 Prozent auf 5727,22 Punkte ein. In London sackte der FTSE 100 um 1,75 Prozent auf 7158,76 Zähler noch stärker ab.

Die verbale Kehrtwende Trumps dämpfe nun wieder die Hoffnung, dass es in den kommenden Wochen ein erstes Abkommen der USA mit China gibt, sagte ein Börsianer. Strafzölle auf französische Importe dürften sich auf die US-Wirtschaft zunächst zwar kaum auswirken; sie zeigten aber, dass die USA nicht nur mit Blick auf China eine harte Haltung an den Tag legten.

In der Sektorbetrachtung waren die vor allem in London konzentrierten Minenwerte europaweit das Schlusslicht mit einem Rücksetzer um 1,6 Prozent. Hierzu hiess es am Markt, dass der Handelsstreit nebst den damit verbundenen Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum die Stimmung der Anleger weiter besonders stark trübe. Der als defensives Investment geltende Versorgersektor lag mit plus 0,3 Prozent an der Spitze des Sektortableaus.

Angesichts drohender Strafzölle der USA gegen Frankreich gerieten die Papiere von Luxusgüterherstellern unter Druck. Denn Produkte wie Champagner und Handtaschen könnten davon betroffen sein. Für LVMH , Kering und Hermes ging es zwischen 1,5 und 2,5 Prozent abwärts. Airbus-Aktien büssten sogar 4,4 Prozent ein, auch hier drohen Vergeltungszölle der USA wegen Subventionen der EU für Airbus.

In Italien sorgte die Grossbank Unicredit mit einem forcierten Sparkurs für Gesprächsstoff. Anleger reagierten auf einen Stellenabbau des Geldhauses jedoch nicht gerade euphorisch, Aktien von Unicredit gaben leicht nach. Laut den Analysten der Bank UBS haben die Pläne der Unicredit keine grösseren Überraschungen parat./bek/men

(AWP)

 

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