Aktien New York Ausblick: Deutliche Verluste nach Brexit - Banken unter Druck

NEW YORK (awp international) - Das britische Votum für den Abschied aus der Europäischen Union dürfte auch die Anleger an der Wall Street auf dem falschen Fuss erwischt haben. Der Broker IG taxierte den Dow Jones Industrial am Freitag eine Dreiviertelstunde vor dem Handelsauftakt 2,70 Prozent tiefer bei 17 524 Punkten. Damit würde sich der US-Leitindex allerdings deutlich besser halten als der britische FTSE 100 und die noch stärker vom Brexit gebeutelten kontinentaleuropäischen Börsenindizes.
24.06.2016 14:59

Das britische Pfund sauste nach unten und erreichte gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit 1985. Auch der Euro

"Die US-Aktien folgen ganz klar dem europäischen Markt", sagte ein Händler. Nun bestehe die Gefahr einer britischen Rezession mit Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt, die heftiger ausfallen könnten als die Verwerfungen während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Entsprechend dürfte das Thema steigender US-Zinsen zumindest für das laufende Jahr vom Tisch sein. Die britische Notenbank signalisierte ebenso wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Notenbank ihre Bereitschaft zu finanziellen Unterstützungsmassnahmen für die Märkte.

Zumindest die Anleger, die auf einen Sieg von Hillary Clinton bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen hoffen, können derweil etwas aufatmen. Denn ihr zwar chancenloser, aber hartnäckiger innerparteilicher Konkurrent Bernie Sanders äusserte gegenüber dem Sender MSNBC seine Bereitschaft, die Demokratin zu wählen. Ein Erfolg des republikanischen Kandidaten Donald Trump im November gilt als ein weiterer möglicher Schock für die Märkte.

Den US-Bankenaktien drohen am Freitag sichtbare Verluste, die aber nicht so heftig ausfallen sollten wie bei der europäischen Konkurrenz: Für Goldman Sachs , JPMorgan , Bank of America und Morgan Stanley ging es vorbörslich um jeweils über 5 Prozent bergab. Dass die grossen amerikanischen Geldhäuser die erste Runde des jährlichen Stresstests bestanden haben, spielte angesichts des dominierenden Themas Brexit keine Rolle am Markt.

Die Anteilsscheine der Ölkonzerne dürften angesichts der rückläufigen Preise für den wichtigen Rohstoff unter Druck geraten: ExxonMobil und Chevron notierten vor dem Handelsauftakt mehr als 2 Prozent im Minus, ConocoPhillips verloren sogar viereinhalb Prozent.

Für die Monsanto-Titel ging es um zweieinhalb Prozent bergab, nachdem sich die EU-Staaten erneut nicht auf eine Verlängerung der Zulassung von dessen umstrittenem Unkrautvernichter Glyphosat in Europa einigen konnten.

Damit ist nun die EU-Kommission am Zug. Es wird erwartet, dass sie bei ihrer für Montag geplanten nächsten Sitzung die Zulassung selbst verlängert. Danach könnte der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer sein Übernahmeangebo für Monsanto überdenken, hatte Analystin Luisa Hector von der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas jüngst gemutmasst./gl/stb

(AWP)