Aktien New York: Gewinnmitnahmen und Politik bremsen Dow und S&P 500

Die Wall Street hat am Dienstag überwiegend mit moderaten Verlusten an ihre Vortagsentwicklung angeknüpft. Damit zolle sie der jüngsten Rekordrally Tribut, sagte ein Börsianer. Die Anleger tendierten dazu, einen Teil der Gewinne einzustreichen. Für Zurückhaltung sorgte offenbar auch der diplomatische Konflikt zwischen Katar und anderen arabischen Staaten.
06.06.2017 17:27

Zudem werfe schon der "Super-Donnerstag" seine Schatten voraus, sagte ein Währungsstratege. In zwei Tagen stehen die öffentliche Anhörung des entlassenen FBI-Chefs James Comey vor dem Geheimdienst-Ausschuss des US-Senats, die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Parlamentswahlen in Grossbritannien auf der Agenda. Zumindest eines dieser Ereignisse könnte für heftige Kursbewegungen sorgen, so der Experte.

Zuletzt verlor der Dow Jones Industrial 0,11 Prozent auf 21 159,71 Punkte. Erst am Freitag hatte der New Yorker Leitindex bei 21 225 Punkten den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. Auch der marktbreite S&P-500-Index fiel am Dienstag von seiner vor dem Wochenende markierten Bestmarke weiter zurück: Er sank um 0,16 Prozent auf 2432,14 Zähler. Für den am Montag rekordhohen, technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es indes zuletzt um 0,10 Prozent auf 5884,13 Punkte bergauf - bei 5890 Punkten erreichte er eine Bestmarke.

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Die von Sunniten regierten Staaten werfen dem Golf-Emirat die Unterstützung von Terrororganisationen sowie eine zu grosse Nähe zum schiitischen Iran vor. Katar ist für mehr 30 Prozent der weltweiten Exporte von Flüssigerdgas verantwortlich, spielt aber bei der Ölproduktion kaum eine Rolle. Die Ölpreise zeigten sich entsprechend wenig beeindruckt von dem Konflikt: Sie verharrten zwar unter 50 US-Dollar je Barrel, gerieten aber nicht weiter unter Druck.

Am Donnerstag dürften Beobachter gespannt sein, ob Ex-FBI-Chef Comey die in Medien diskutierte Darstellung wiederholt, US-Präsident Donald Trump habe versucht, ihn bei den Ermittlungen über Verbindungen seines Wahlkampfteams zu Russland unter Druck zu setzen. Dazu kommen die Wahlen in Grossbritannien. Schon vor dem jüngsten Terroranschlag in London war der Vorsprung der konservativen Regierungschefin Theresa May in den Umfragen zusammengeschrumpft.

Im S&P 500 gehörten die Aktien des Pharmaherstellers Valeant mit plus 1,05 Prozent zu den Gewinnern. Laut Kreisen ist der deutsche Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec am Augenchirurgie-Geschäft von Valeant interessiert. Das Volumen der Transaktion könnte bei rund zwei Milliarden US-Dollar liegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Materie vertraute Personen. Noch gebe es aber keine Entscheidung. Zudem könnte es weitere Bieter für die Sparte geben.

Dagegen sackten die Titel des Arzneimittelherstellers Perrigo um 1,96 Prozent ab. Mit Konzernchef John Hendrickson verliess nun der zweite hochrangige Manager nach Finanzchefin Judy Brown das Unternehmen, seit der Investor Starboard Value gegen Ende 2016 eingestiegen war.

Die Aktien des Elektroautobauers Tesla und des Grafikchipherstellers Nvidia erreichten Bestmarken. Zuletzt standen Kursgewinne von 1,86 beziehungsweise 0,87 Prozent zu Buche. Das Analysehaus Pacific Crest bleibt weiter positiv gestimmt für die Tesla-Papiere und hob das Kursziel auf nun 439 Dollar an. Damit sehen die Experten immer noch ein Kurspotenzial von fast 24 Prozent gegenüber der aktuellen Bestmarke von 354,67 US-Dollar.

Nvidia waren im Vorjahr mit einem beeindruckenden Kursgewinn von knapp 224 Prozent bester Wert im S&P 500 gewesen. Ende Mai war bekannt geworden, dass der japanische Telekom- und Medienkonzern Softbank seine Beteiligung auf knapp unter 5 Prozent ausgebaut hat. Über die Zeit soll der Anteil angeblich weiter erhöht werden./gl/he

(AWP)