Aktien New York: Im Minus - Amazon löst Beben im Lebensmittelhandel aus

Unter dem Eindruck der Amazon-Offerte für die Biosupermarkt-Kette Whole Foods haben die New Yorker Aktienindizes am Freitag zunächst Verluste eingefahren. Der weltgrösste Online-Händler versetzt mit dem geplanten Kauf die gesamte Einzelhandelsbranche in Aufruhr. Für die Aktien der grossen US-Supermarktbetreiber ging es teils im zweistelligen Prozentbereich nach unten. Es geht die Furcht vor einer zu grossen Marktmacht von Amazon um.
16.06.2017 17:10

Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor im frühen Handel 0,20 Prozent auf 21 316,54 Punkte. Vor zwei Tagen hatte das Barometer bei 21 391 Punkten seine Bestmarke erreicht. Auf Wochensicht winkt aktuell ein moderates Kursplus. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,48 Prozent auf 5673,41 Punkte und war damit ein gutes Stück von seinem vor einer Woche markierten Rekordhoch bei 5897 Zählern entfernt. Der marktbreite S&P-500-Index gab um 0,29 Prozent auf 2425,45 Punkte nach.

Die Stimmung der US-Verbraucher hatte sich derweil im Juni überraschend deutlich eingetrübt. Das Konsumklima der Universität von Michigan war von 97,1 Punkten im Vormonat auf 94,5 Zähler gefallen. Das ist der tiefste Stand seit vergangenen November. Volkswirte hatten nur einen leichten Rückgang auf 97,0 Punkte erwartet. Der Dämpfer im Juni ist der erste nach drei Anstiegen des Indikators in Folge.

Die Papiere von Whole Foods Market wurden zunächst vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme zündeten sie mit einem Plus von rund 27 Prozent auf 42 Dollar ein Kursfeuerwerk. Amazon will die Lebensmittelkette für 42 Dollar je Aktie schlucken, was einer Gesamtbewertung von 13,7 Milliarden US-Dollar entspricht. Für die Amazon-Anteile ging es am Freitag zuletzt um gut 3 Prozent aufwärts.

Die Wettbewerber von Amazon könnten durch die Offerte nun weiter unter Zugzwang geraten. Die Aktien des weltgrössten Supermarkt-Betreibers Wal-Mart sackten zuletzt um rund 6 Prozent ab, während die Anteile anderer grosser US-Wettbewerber wie Kroger , Target und Costco sogar teils Abschläge von mehr als 10 Prozent verkraften mussten.

Amazon hatte in den vergangenen Jahren den stationären Handel bereits stark unter Druck gesetzt. Nun scheine der Konzern bereit zu sein, auch die Lebensmittelbranche so zu dominieren wie bislang den Nichtlebensmittelsektor, sagte Marktexperrte Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital.

Die Aktien des Sportartikelherstellers Nike büssten mehr als dreieinhalb Prozent ein. Die US-Bank JPMorgan hatte ihre Kaufempfehlung gestrichen. Bereits am Vortag waren die Nike-Papiere sehr schwach gewesen./ajx/he

(AWP)