Aktien New York: Klare Richtung fehlt im Schatten des Handelskonflikts

Die Anleger am New Yorker Aktienmarkt haben am Dienstag weiter eine klare Positionierung gescheut. Aktuell wirke belastend, dass China die Welthandelsorganisation WTO nach einer Genehmigung zur Verhängung von Vergeltungssanktionen gegen die USA gefragt habe, kommentierte Analyst James Hughes von AxiTrader.
11.09.2018 17:21

Nach einigen Schwankungen überwog zuletzt vorsichtiger Optimismus: Der Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 0,22 Prozent auf 25 914,48 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,14 Prozent auf 2881,13 Punkte nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100 schaffte ein Plus von 0,26 Prozent auf 7466,74 Zähler.

Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelsstreit unter anderem mit China bleibt das wichtigste Thema am Markt. Trump hatte dem Land erst kürzlich mit weiteren Strafzöllen gedroht. Dass nach Angaben des Weissen Hauses die USA mit der Regierung Nordkoreas ein zweites Gipfeltreffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un vorbereiten, werteten Händler derweil als Schritt in die richtige Richtung für mehr Stabilität in der Region.

Als kursbewegende Unternehmensnachrichten an der Wall Street stachen am Dienstag enttäuschende Geschäftszahlen des Lautsprecherherstellers Sonos und die Übernahme des Chipherstellers IDS hervor.

Die Aktien von Sonos brachen in New York um gut 18 Prozent auf 17,40 US-Dollar ein, nachdem das Unternehmen für das erste Quartal seit dem Börsengang Anfang August einen Umsatzrückgang und einen deutlich ausgeweiteten Verlust berichtet hatte. Damit blieben sie zwar über dem Ausgabepreis von 15 Dollar - auch weil sie bereits am Montag in Erwartung besserer Zahlen um rund 13 Prozent angezogen hatten. Vom bisherigen Höchstkurs von 23,60 Dollar hat sich das Papier inzwischen aber ein gutes Stück weit entfernt.

Grund zur Freude hatten hingegen die IDS-Anteilseigner: Die Papiere sprangen dank der rund 6,7 Milliarden Dollar schweren Kaufofferte des japanischen Branchenkollegen Renesas um rund 11 Prozent auf 46,78 Dollar hoch. Renesas bietet 49 Dollar je IDT-Aktie - ein Aufschlag von rund 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

Ansonsten bewegten Analystenkommentare. Bei Tesla währte die Erleichterung über die gestrige Stabilisierung nach einem zweiwöchigen Kursrutsch nicht lange: Am Dienstag ging es für die Titel des Elektroautobauers um über 3 Prozent auf 276,30 Dollar bergab, womit sie zu den schwächsten Werten im Nasdaq 100 zählten.

Hier drückte eine gestrichene Kaufempfehlung des japanischen Finanzunternehmens Nomura auf die Stimmung. Auch mit Blick auf das zuletzt erratische Verhalten von Unternehmenschef Elon Musk sei die Aktie nicht mehr als Anlage zu empfehlen, begründete Analyst Romit Shah seine Neubewertung. Er strich zudem das Kursziel um 100 auf nun 300 Dollar zusammen. Ebenfalls kritisch über Musk äusserte sich Frank Schwope von der NordLB, der sein Verkaufsvotum bekräftigte.

Dagegen ging die Kurserholung bei Nike weiter: Die Aktien des Sportartikelherstellers gewannen nach einer Kaufempfehlung des Analysehauses Canaccord als einer der besseren Dow-Werte 0,76 Prozent auf 82,73 Dollar. Die Verluste seit der vor einer Woche angekündigten Werbekampagne mit dem früheren Football-Quarterback Colin Kaepernick haben sie damit inzwischen mehr als wettgemacht und notieren nur noch knapp unter ihrem jüngsten Rekordstand von 83,63 Dollar.

Im August 2016 hatte mit Kaepernick die Welle an Protesten von Profis begonnen, die sich durch ihren Kniefall oder erhobene Fäuste gegen Polizeibrutalität und Rassen-Ungleichheiten aussprechen. US-Präsident Trump hatte Nike wegen dieser Zusammenarbeit ähnlich scharf kritisiert wie zuvor den Sportler./gl/men

(AWP)