Aktien New York: Pause nach Rally - Dow vor bester Wochenbilanz seit 2011

NEW YORK (awp international) - Zum Ende einer spektakulären Woche mit Donald Trumps Überraschungssieg bei der US-Präsidentschaftswahl ist der Wall Street der Schwung ausgegangen. Am Freitag notierte der Dow Jones Industrial zuletzt 0,05 Prozent höher bei 18 817,79 Punkten. Tags zuvor hatte der US-Leitindex seine Rally noch mit Rekordständen gekrönt. Mit einem Plus von aktuell mehr als fünf Prozent winkt ihm daher dennoch die beste Wochenbilanz seit fast fünf Jahren.
11.11.2016 20:10

Der marktbreite S&P-500-Index zollte seinem Höhenflug am Freitag ebenfalls Tribut und verlor 0,23 Prozent auf 2162,57 Zähler. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 , der am Donnerstag wegen deutlicher Kursabschläge einiger Schwergewichte unter die Räder gekommen war, ging es um 0,09 Prozent auf 4742,54 Punkte nach unten. Das aktuelle Konsumklima der Universität von Michigan, das eine gute Verbraucherstimmung belegte, gab den Aktienkursen keine entscheidenden Impulse.

Nachdem zu Wochenbeginn noch die Aussicht auf einen Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton für gute Laune gesorgt hatte, war es ab Mittwoch paradoxerweise der Sieg ihres Konkurrenten Trump, der letztlich die Kurse antrieb. Denn am Markt wird derzeit allgemein erwartet, dass der Republikaner mit einer unternehmensfreundlichen Steuerpolitik sowie mit Konjunkturpaketen die Wirtschaft ankurbelt. Letztere dürften Technologie-Unternehmen allerdings deutlich weniger nützen als den klassischen Industriebranchen.

Derweil ging die Firmenberichtssaison in eine neue Runde. Der Unterhaltungsriese Disney hatte zwar im vergangenen Quartal wegen anhaltender Probleme in der TV-Sparte schlechtere Geschäfte als erwartet gemacht. Allerdings stellte der Konzern für die Zukunft ein massvolles Gewinnwachstum in Aussicht. Die Aktien gewannen an der Dow-Spitze 2,99 Prozent.

Papiere von von Nvidia sprangen sogar um über ein Viertel auf knapp 86 US-Dollar hoch und setzten damit ihren seit Jahren währenden Höhenflug fort. Der Entwickler von Grafikprozessoren erfreute die Analysten mit Aussagen zu seinen Umsatzzielen. Romit Shah vom japanischen Analysehaus Nomura lobte zudem das ?ausserordentlich starke? dritte Quartal, das durch die Bank positiv überrascht habe. Er hob das Kursziel für die Aktie von 62,50 auf 80,00 Dollar an und bekräftigte seine Kaufempfehlung.

Beim Einzelhandelsunternehmen J.C. Penney sorgte ein überraschender flächenbereinigter Umsatzrückgang sowie ein gesenkter Erlösausblick nur anfangs für Verluste - zuletzt drehten die Aktien mit fast drei Prozent ins Plus.

Banken- und Pharmatitel, die an den vergangenen Tagen zu den Favoriten der Anleger gezählt hatten, fanden vor dem Wochenende keine gemeinsame Richtung. Während Goldman Sachs um 1,65 Prozent stiegen und damit ihre Rally fortsetzten, traten die Papiere von Konkurrent JPMorgan auf der Stelle. Für die Aktien der Pharmakonzerne Pfizer und Merck & Co ging es um 2,49 beziehungsweise 1,33 Prozent nach unten, womit sie hintere Plätze im US-Leitindex belegten.

Weiter auf Sinkflug blieben die Anteilsscheine von Tech-Riesen wie der Google-Mutter Alphabet, des Onlinehändlers Amazon und des Online-Netzwerks Facebook - auch wenn die Verluste deutlich geringer blieben als zuletzt.

"Die alten Lieblinge der Wall Street wie Amazon oder Facebook stehen unter Druck", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. "Die Drohung der neuen US-Regierung, Steuern bei diesen Unternehmen eintreiben zu wollen, sorgt für Abgaben. Die neuen Darlings sind Banken- und Bauwerte." Firmen wie Amazon, Google oder Apple werden seit längerem dafür kritisiert, dass sie mittels Standorten in Niedrigsteuer-Ländern ihre Steuerlast drücken.

Die an der Wall Street notierten Anteilscheine von Alibaba sanken um knapp ein Prozent. Der chinesische Amazon-Konkurrent stellte zwar am heutigen chinesischen "Singles' Day", an dem Onlinehändler Nachlässe bis zu 50 Prozent anbieten, einen Verkaufsrekord auf. Dennoch konnten sich die Aktien nicht der aktuell schlechten Stimmung für Technologiewerte entziehen./gl/he

(AWP)