Aktien New York Schluss: Dow mit grösstem Verlust seit September

Das Politchaos im Weissen Haus hat die Rekordjagd an der Wall Street abrupt beendet. Die wichtigsten Indizes mussten am Mittwoch teils heftige Rückschläge hinnehmen. So verzeichnete der Dow Jones Industrial den grössten prozentualen Tagesverlust seit September vergangenen Jahres. Die Investoren reagierten verschreckt auf immer neue Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump. Auch der Dollar kam zu anderen Währungen unter Druck. Im Gegenzug waren US-Staatsanleihen als sichere Anlagen gesucht.
17.05.2017 22:38

Der Dow weitete im Handelsverlauf seine Verluste peu a peu aus und fiel am Ende um 1,78 Prozent auf 20 606,93 Punkte. Damit steht der US-Leitindex wieder auf dem Niveau des Vormonats. Der marktbreite S&P-500-Index büsste 1,82 Prozent auf 2357,03 Punkte ein, nachdem er am Dienstag noch eine Bestmarke erreicht hatte. Für den konjunktursensiblen Technologiewerte-Index Nasdaq 100 ging es zur Wochenmitte gar um 2,51 Prozent auf 5580,55 Punkte nach unten.

SORGEN UM TRUMPS WIRTSCHAFTSAGENDA

"Washington, wir haben ein Problem," schrieb Analyst Mike van Dulken vom Broker Accendo Markets. Nachdem am Dienstag die angebliche Weitergabe geheimdienstlicher Informationen für Verunsicherung gesorgt hatte, gab es am Mittwoch Aufregung wegen einer möglichen Beeinflussung von FBI-Ermittlungen. Medienberichten zufolge soll Trump den damaligen FBI-Chef James Comey gebeten haben, die Ermittlungen gegen Ex-US-Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dessen Russland-Kontakten einzustellen. Das Weisse Haus widersprach dem allerdings unmittelbar.

Trump kommt mit den neuen Vorwürfen immer stärker in Bedrängnis, und so sorgen sich Anleger vermehrt darum, ob er seine Wirtschaftsagenda noch in die Tat umsetzen kann. Die Rally der vergangenen Monate könnte damit auf den Prüfstand kommen, hiess es am Markt. Seit der Wahl von Trump im November haben die wichtigsten US-Indizes eine Rekordjagd hinter sich. Vor wenigen Wochen erst hatte der Dow eine historische Bestmarke bei 21 169 Punkten erreicht.

BANKAKTIEN SACKEN ANS DOW-ENDE

Am Dow-Ende versammelten sich nun die Aktien von Finanzinstituten. So büssten JPMorgan fast 4 Prozent und Goldman Sachs mehr als 5 Prozent ein. Sie hatten zuvor im Zuge der Trump-Rally besonders deutlich zugelegt.

Beim angeschlagenen Chipkonzern AMD scheint die auf einer Analystenveranstaltung vorgestellte Strategie bei den Anlegern nicht gut anzukommen. Die Papiere büssten mehr als 12 Prozent ein, nachdem sie am Vortag noch fast 12 Prozent gewonnen hatten. Händlern zufolge reagierte der Markt nun enttäuscht darauf, dass offenbar nichts über eine am Vortag spekulierte Kooperation mit Intel gesagt wurde. Am Nasdaq-100-Ende knickten die Aktien des Halbleiterspezialisten Micron Technology um rund 7 Prozent ein.

EURO ÜBER 1,11 US-DOLLAR

Die Anteilsscheine von Colgate-Palmolive hatten zwischenzeitlich bei 76,86 US-Dollar ein Rekordhoch erreicht, bevor sie wieder etwas zurückkamen und letztlich 5,74 Prozent auf 75,69 Dollar gewannen. Börsianer verwiesen auf einen Bericht des Internetportals "StreetInsider", wonach der Lebensmittelriese Kraft Heinz den Konsumgüterkonzern übernehmen wolle. Die Papiere von Kraft Heinz legten etwas zu.

Angesichts der politischen Turbulenzen in den USA kletterte der Euro über 1,11 US-Dollar und kostete zuletzt 1,1158 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1117 (Dienstag: 1,1059) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8995 (0,9042) Euro. Die als sichere Anlage geltenden, richtungweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen vor diesem Hintergrund um 31/32 Punkte auf 101 13/32 Punkte, was die Rendite auf 2,217 Prozent drückte.

la/men

(AWP)