Dow Jones setzt Negativserie vor Trump-Debüt fort

Von der lange Zeit spürbaren Euphorie am US-Aktienmarkt war am Tag vor der Amtseinführung von Donald Trump nichts mehr zu sehen. Wie schon an den vergangenen Tagen zeigten sich Anleger vor dem Machtwechsel unsicher, ob der neue Präsident die hoch gesteckten Erwartungen tatsächlich erfüllen kann. Gute Konjunkturdaten aus den USA verpufften am Donnerstag vor diesem Hintergrund.
19.01.2017 22:46
Ein Trader an der Börse in New York blickt sorgenvoll auf die Bildschirme: Was wird Präsident Trump bewirken?
Ein Trader an der Börse in New York blickt sorgenvoll auf die Bildschirme: Was wird Präsident Trump bewirken?
Bild: Bloomberg

Der Dow Jones Industrial fiel um 0,37 Prozent auf 19 732,40 Punkte und beendete so auch den fünften Handelstag in Folge mit negativem Vorzeichen. Die bisher unerreichte Schwelle von 20 000 Punkten ist damit noch weiter in die Ferne gerückt. Kurzzeitig war der US-Leitindex sogar unter die Marke von 19 700 Punkten abgerutscht und hatte so den niedrigsten Stand seit sechs Wochen erreicht. Börsianer begründeten den plötzlichen Kursrutsch mit einer "grossen Verkaufsorder".

Nasdaq taucht ab

Der S&P 500 fiel in ähnlichem Masse wie der Dow um 0,36 Prozent auf 2263,69 Punkte. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 erreichte früh einen Rekordstand bei 5078 Punkten, gab am Ende aber ebenfalls nach. Er verlor 0,09 Prozent auf 5051,17 Zähler.

Vor dem Machtwechsel im Weissen Haus blieb es im Bankensektor bei den zuletzt spürbaren Gewinnmitnahmen. Ähnlich wie am Gesamtmarkt stellten Investoren auch hier die jüngsten Spekulationen auf verbesserte Bedingungen unter Trump in Frage. Der Branchenindex verlor am Ende 0,60 Prozent. Aktien von Goldman Sachs gaben die negative Tendenz mit Abgaben von mehr als 1 Prozent vor.

Verkaufsempfehlungen belasten

Während die zuletzt in Fahrt gekommene Berichtssaison eine Pause machte, sorgten Analystenkommentare für einige auffällige Kursbewegungen. Eine Verkaufsempfehlung von UBS-Experten drückte die Titel des Ölkonzerns ExxonMobil am Dow-Ende mit fast zwei Prozent ins Minus. Analyst William Featherston hält einen Bewertungsaufschlag im Vergleich zur Konkurrenz in vielerlei Hinsicht für nicht mehr gerechtfertigt.

Am breiteren Markt setzten die Aktien der Handelskette Target ihren Kursrutsch vom Vortag mit rund 2 Prozent Minus fort. Goldman Sachs hatte die Titel nach einem für das Schlussquartal gekappten Gewinnausblick zum Verkauf empfohlen. Die Herausforderungen des Unternehmens schienen struktureller Art zu sein, schrieb Experte Matthew Fassler.

Netflix überzeug

Unter den Nebenwerten stand ausserdem der Online-Videodienst Netflix mit aktuellen Nachrichten im Blickfeld. Die bereits am Vorabend vorgelegten Geschäftszahlen überzeugten vor allem mit dem Abonnentenzuwachs und trieben den Kurs der Papiere um fast 4 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen begründete den Erfolg vor allem mit Serien aus eigener Produktion.

Bei den am Vortag noch von schwachen Zahlen belasteten Aktien der CSX Corporation ging es derweil turbulent zu: Sie schossen um mehr als 23 Prozent in die Höhe. Händler verwiesen auf einen Bericht, demzufolge Branchenaktivisten an einem Einstieg bei dem Schienenlogistiker arbeiteten - mit dem Ziel einer Neuausrichtung des Managements.

Der Dollar zeigte sich angesichts einer weiterhin lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wechselhaft. Zuletzt wurden in New York 1,0660 Dollar für die europäische Gemeinschaftswährung bezahlt - und damit etwas mehr als zur gleichen Zeit am Vortag. US-Anleihen dagegen gaben etwas nach. Richtungweisende zehnjährige Papiere fielen um 9/32 Punkte auf 95 31/32 Punkte. Ihre Rendite betrug 2,465 Prozent.

(AWP)