Aktien New York Schluss: Mühsame Stabilisierung nach Kursrutsch

NEW YORK (awp international) - Die Wall Street hat sich nach ihrem jüngsten Kursrutsch am Mittwoch nur mühsam stabilisiert. Die anhaltende Ungewissheit über die weitere geldpolitische Entwicklung in den USA hat die Anleger weiter fest im Griff. Dazu kommt die die steigende Unruhe vor der nahenden amerikanischen Präsidentschaftswahl.
14.09.2016 22:27

Der Dow Jones Industrial konnte seine moderaten zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten: Zum Handelsende stand der US-Leitindex 0,18 Prozent tiefer bei 18 034,77 Punkten. Am Vortag war es für das Börsenbarometer deutlich bergab gegangen. Der marktbreite S&P-500-Index verlor am Mittwoch 0,06 Prozent auf 2125,77 Zähler. Lediglich der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 behauptete ein Plus von letztlich 0,49 Prozent auf 4746,06 Punkte.

UNSICHERHEIT ÜBER GELDPOLITIK UND NAHENDE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL

In der kommenden Woche entscheidet die US-Notenbank Fed, ob sie mit einer Leitzinsanhebung die im vergangenen Dezember eingeleitete Zinswende fortsetzt. Zuletzt hatten mehrere amerikanische Notenbanker mit widersprüchlichen Aussagen für Kurskapriolen an der Wall Street gesorgt. Höhere Zinsen würden zwar eine optimistische Konjunktureinschätzung der Währungshüter zum Ausdruck bringen, aber auch die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren schmälern.

Derweil verwies ein Aktienstratege auf eine Umfrage, der zufolge der umstrittene republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump im US-Bundesstaat Ohio vor seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton liege. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Ohio seit den Wahlen 1964 immer für den letztlich siegreichen Kandidaten gestimmt. "Ein Erfolg Trumps wäre eine Überraschung und weder für die Finanzmärkte noch für die Wirtschaft gut", warnte der Experte. Die Wahl findet am 8. November statt.

ZUSTIMMUNG ZU BAYER-OFFERTE LÄSST MONSANTO KALT

Aus Unternehmenssicht stand die von Monsanto akzeptierte neue Übernahmeofferte von Bayer im Fokus. Der deutsche Chemiekonzern konnte die Führung des US-Gentechnikkonzerns mit den zuletzt gebotenen rund 128 US-Dollar je Aktie endlich überzeugen. Der Kaufpreis beläuft sich damit auf gut 66 Milliarden Dollar. Dem Deal müssen noch die Monsanto-Aktionäre und vor allem die zuständigen Kartellbehörden zustimmen.

Viele Anleger trauen dem Braten aber offenbar noch nicht so richtig. Denn die Monsanto-Papiere blieben mit einem Plus von 0,62 Prozent auf 106,76 Dollar weiter deutlich unter dem Bayer-Angebot. Vor allem die wettbewerbsrechtlichen Hürden scheinen Börsianern eine Spekulation auf ein Scheitern des Geschäfts wert zu sein.

ÜBERNAHMEFANTASIE TREIBT HERBALIFE AN

Mehr Grund zur Freude hatten die Anteilseigner von Herbalife : Die Aktien des Herstellers von Diätprodukten und Nahrungsmittel-Ergänzungsmitteln zogen dank Übernahmefantasien um 3,88 Prozent an. Auslöser war ein Ersuchen des US-Milliardärs Carl Icahn bei der US-Bundesbehörde Federal Trade Commission, sich mit bis zu 50 Prozent an dem Unternehmen beteiligen zu dürfen. Der streitbare Investor ist nach umfangreichen Käufen in den vergangenen Wochen bereits der grösste Aktionär bei Herbalife.

Die Aktien von Apple stiegen zeitweise bis auf 113,03 US-Dollar, was den höchsten Stand seit Dezember bedeutete. Am Ende betrug das Plus nur noch 3,54 Prozent auf 111,77 Dollar, was aber locker für den Spitzenplatz im Dow reichte. Das Telekomunternehmen T-Mobile US hatte sich am Vortag ebenso wie nun die Konkurrenten AT&T und Sprint positiv zum Interesse am neuen iPhone 7 geäussert. Derweil sprach Verizon Communications lediglich von Bestellungen im gewohnten Rahmen.

INVESTITIONEN FÜR ELEKTROAUTOS BELASTEN FORD

Ford-Papiere büssten zur Wochenmitte 1,94 Prozent ein. Der amerikanische Autobauer will stärker in Elektroautos investieren und nimmt dafür im kommenden Jahr bewusst einen Gewinnrückgang in Kauf. Ford plant bis 2020 die Markteinführung von insgesamt 13 neuen Elektromodellen - das sei fast die Hälfte der Modellpalette, teilte der Konzern mit. Das wollen sich die Amerikaner 4,5 Milliarden Dollar kosten lassen.

Der Eurokurs stieg moderat auf 1,1251 Dollar. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,1218 (Dienstag: 1,1247) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8914 (0,8891) Euro. Am zuvor tagelang schwächelnden US-Staatsanleihenmarkt gewannen richtungweisende zehnjährige Papiere 9/32 Punkte auf 98 7/32 Punkte und rentierten mit 1,69 Prozent./gl/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)