Aktien Schweiz: Abgaben ausgeweitet - Nordkorea-Konflikt hallt nach

Der Abwärtstrend am Schweizer Aktienmarkt hat sich am Dienstag beschleunigt. Damit kennen die Dividendenpapiere bereits seit fünf Tagen nur eine Richtung: abwärts. Verschreckt vom Wiederaufflackern der Nordkorea-Krise gehen die Anleger in Deckung und wenden sich vermeintlich sicheren Anlageformen wie Staatsanleihen oder dem Schweizer Franken zu. Der Volatilitäts-Index VSMI als "Angstbarometer" zog derweil deutlich an.
29.08.2017 12:35

Der Konflikt um Nordkorea hat in der Nacht eine neue Eskalationsstufe erreicht: Das Regime in Pjöngjang liess erneut eine ballistische Rakete abfeuern, die dieses Mal über Japan flog. Und zwar erstmals ohne Ankündigung. Nun warten Investoren mit Sorge darauf, wie Japan, Südkorea oder die USA auf die Provokation reagieren. Ein weiterer Belastungsfaktor: Der Sturm "Harvey" schüttet weiter seine Wassermassen über Houston aus und der Schadenszähler steigt stetig.

Der Swiss Market Index (SMI) weitet seine Abgaben bis zum Mittag auf 1,15% aus und notiert bei 8'762,06 Punkten. Der Leitindex fällt damit auf den tiefsten Stand seit April. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 1,39% auf 1'398,33 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,18% auf 9'993,55 Zähler. Alle 30 wichtigste Titel notieren im Minus.

Die Eskalation in Fernost liess auch den Franken erstarken, was die Stimmung an der hiesigen Börse ebenfalls belastet. Der EUR/CHF-Kurs rutschte deutlich unter die 1,14er-Marke, der USD/CHF-Kurs (aktuell 0,9441) notierte vorübergehend so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Klar im Minus liegen die Bankaktien von UBS (-2,1%), Credit Suisse (-1,9%), Partners Group (-1,8%) und Julius Bär (-1,7%). Finanztitel reagieren häufig sensibel auf geopolitische Spannungen. Dies lässt sich auch an den Versicherern ablesen: Am Vortag der Ergebnispublikation büssen Bâloise 2,3% ein; Swiss Life verlieren gar 2,4%.

Die geopolitischen Spannungen betreffen typischerweise auch zyklische Papiere wie LafargeHolcim (-2,0%), ABB (-1,7%) oder jene des Reisedetailhändlers Dufry (-2,6%).

Zurich und Swiss Re (je -2,2%) leiden derweil auch am Dienstag unter dem Sturm "Harvey" in den USA. Die grosse Frage sei, wie hoch genau die versicherten Schäden tatsächlich ausfallen werden. Es sei nicht davon auszugehen, dass "Harvey" ein ähnliches Ausmass wie "Kathrina" 2005 erreichen werde, versucht sich die ZKB in einer Schätzung. Damals belief sich der Schadenaufwand für die Swiss Re auf rund 2,5 Mrd USD.

"Harvey" könne aber möglicherweise gravierender sein als "Sandy" im Jahr 2015 (900 Mio Schäden für Swiss Re). Einen Schaden in diesem Ausmass könne die Swiss Re mit der sehr guten Kapitalausstattung zwar gut verkraften, der Jahresgewinn würde aber stark beeinträchtigt.

Auch SGS (-1,1%) stehen unter Druck. Denn der Genfer Wareninspektionskonzern ist auch im Öl- und Gasbereich tätig, und "Harvey" hat mit Texas ein für diese Branche wichtiges Gebiet getroffen.

Clariant geben um 1,1% nach. Huntsman, der designierte Fusionspartner des Chemiekonzerns, hat ebenfalls die Auswirkungen von "Harvey" zu spüren bekommen. Die Texaner mussten Produktionsstätten in den betroffenen Gebieten in Texas herunterfahren, andere Standorte in der Golfregion können indes weiter betrieben werden.

Bei den defensiven Schwergewichten schneiden Nestlé (-0,5%) etwas besser ab als Novartis (-1,3%) und Roche (-0,9%).

Am breiten Markt haben diverse Unternehmen Halbjahreszahlen vorgelegt. So etwa die Immobiliengesellschaften Allreal (-0,6%) und SFPI (unverändert). Die Aktien des Verlagshauses Tamedia (+0,1%) schlagen sich nach Zahlen besser als der Gesamtmarkt. Dank Sonderfaktoren legten die Gewinnzahlen markant zu, und auch unter Ausklammerung der positiven Einmaleffekt blieb der Gewinn nur knapp unter dem Vorjahr.

Hart gehen die Anleger mit dem Flaschenhersteller Vetropack (-2,6%) ins Gericht; dessen Zahlen lagen leicht unter den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten. Auch der Flughafen Zürich (-2,1%) und Feintool (-0,8%) werden nach Zahlen verkauft, gleiches gilt mittlerweile auch für die Finanzgruppe Valartis (-1,1%) und den österreichischen Motorradhersteller KTM (-0,7%).

Bei U-blox (-2,8%) hallen laut Händlern Stimmen vom Vortag nach, wonach Firmenvertreter anlässlich eines Analystentreffens nur mässig begeistern konnten.

ra/rw

(AWP)