Aktien Schweiz: Brexit-Ängste wirken nach - CS erneut stark unter Druck

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Montag zur Mittagszeit klar im negativen Terrain. Nach einem schwachen Start hatte sich der SMI zwar schnell erholt, fiel dann aber schon bald wieder deutlicher zurück. "Der Brexit-Schock wirkt auch in der neuen Woche nach", heisst es dazu im Handel. Vor allem die Bankentitel und zyklische Werte stehen wegen der Unsicherheit nach dem Votum der Briten unter Druck, während einige eher defensive Werte bereits wieder gesucht sind.
27.06.2016 13:01

Nach dem ersten (Kurs-)Schock vom Freitag ist die Einschätzung der Lage über das Wochenende allerdings einer etwas nüchterneren Betrachtungsweise gewichen. Die ZKB etwa gibt sich sogar recht optimistisch. Man rechne zwar mit zusätzlicher Unsicherheit für die europäische Konjunktur, schreibt sie in einem Kommentar, gehe jedoch dank der relativ robusten Entwicklung in den USA nicht von einer globalen Rezession aus. Ausserdem würden die Zinsen wegen des Brexit tief bleiben, was Aktien im Vergleich mit Obligationen attraktiv mache. Bei den Gewinnschätzungen für Schweizer Aktien insgesamt sieht die ZKB aktuell jedenfalls keinen grossen Handlungsbedarf.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert kurz nach Mittag um 0,74% auf 7'689,89 Zähler, nachdem er es kurz nach der Eröffnung sogar knapp ins Plus geschafft hatte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel - und damit vor allem die defensiven Schwergewichte - nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert hohe 1,70% auf 1'141,58 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,88% auf 8'322,03 Zähler ein. Von den 30 Blue Chips notieren zur Berichtszeit 24 im Minus und nur sechs im Plus.

Nicht nur die ZKB, auch die Analysten der britisch-asiatischen Grossbank HSBC zeigen sich recht zuversichtlich für den hiesigen Markt. Sie haben entsprechend ihr Rating für Schweizer Dividendenpapiere insgesamt auf 'Übergewichten' von zuvor 'Untergewichten' erhöht. Begründet wurde der Schritt insbesondere mit der defensiven Ausrichtung des hiesigen Marktes, zudem seien die Unternehmen nicht ausschliesslich auf die EU fokussiert. Angesichts der Brexit-Unsicherheiten dürften diese Attribute in naher Zukunft sehr stark nachgefragt sein, so die Einschätzung.

Nichtsdestotrotz stehen vor allem Banken und Zykliker mit UK-Bezug massiv unter Druck. Bei den Bankentitel verlieren dabei die Papiere der kapitalschwächeren Credit Suisse mit -7,7% und einem neuen Jahrestief bei 10,26 CHF deutlich stärker als diejenigen der UBS (-5,0%). Bereits am Freitag waren die beiden Aktien mit -13,9% bzw. -11,2% stark eingebrochen. Die Ungewissheit, was mit dem Finanzplatz London nach dem Brexit-Votum geschieht, laste auf den Kursen, heisst es im Handel. Bei der CS gebe es ausserdem Befürchtungen, dass mit der Zeit auch bisher loyale Aktionäre die Geduld verlieren könnten. Nicht viel besser geht es im aktuellen Umfeld den Papieren der Privatbank Julius Bär (-4,9%).

Abgestossen von den Investoren werden auch Titel von Industrie-Unternehmen mit einem relativ grossen Geschäftsanteil in Grossbritannien. Dazu gehören etwa der Personaldienstleister Adecco (-6,1%), der Reisedetailhändler Dufry (-5,5%) oder der Zementriese LafargeHolcim (-5,1%). Auch der schweizerisch-irische Backwarenkonzern Aryzta (-5,0%) befindet sich in diese Kategorie. Zwischen 2 und 3% verlieren ausserdem noch Richemont, Swiss Life, Kühne+Nagel, Swatch und Clariant.

Bester Blue Chip sind derweil die Aktien des Hörgeräte-Herstellers Sonova (+2,6%). Dieser hat am Montag überraschend eine neue Hörgeräte-Produktplattform für die Marke Phonak lanciert. Gesucht sind auch die Papiere von SGS (-1,1%). Hier hat Goldman Sachs Rating und Kursziel nach oben angepasst. In Zeiten zunehmender makroökonomischer Unsicherheiten kämen die defensiven Qualitäten der Warenprüfkonzerne besser zum Tragen, hiess es.

Gut halten sich auch die SMI-Schwergewichte Roche (+1,0%) und Nestlé (+0,4%), während Novartis (-0,3%) ins Minus gerutscht sind. Im Plus liegen ausserdem noch Swisscom (+0,7%) und Actelion (+0,4%).

Im breiten Markt legen u.a. Accu (+8,6%), Airesis (+6,9%) oder BC Jura (+4,6%) deutlich zu, während ENR Russia (-30%), Gottex (-8,1%) oder Zehnder (-7,8%) klar an Wert verlieren. Letztere wurden von der ZKB wegen des relativ hohen Marktanteils in Grossbritannien zurückgestuft.

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(AWP)