Aktien Schweiz: Brexit schockt die Anleger - Kursverluste eingegrenzt

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag mit dem Votum zum Ausstieg Grossbritanniens aus der EU stark unter Druck gekommen. Der Leitindex SMI sackte in einer ersten Reaktion auf den überraschenden Entscheid um beinahe 550 Punkten unter die Schwelle von 7'500 Stellen ab, erholte sich in der Folge jedoch von diesem Schock und pendelt seither um die Marke von 7'800 Punkten. Die Anleger seien auf "dem falschen Fuss" erwischt worden, heisst es in Händlerkreisen. Am Donnerstag war man an der Börsen noch davon ausgegangen, dass sich die Briten für den Verbleib in der EU aussprechen würden.
24.06.2016 13:00

Auch wenn sich die Unruhe etwas gelegt hat, bleibt die Unsicherheit am Markt gross. Es bleibe abzuwarten welchen Einfluss der Entscheid auf die konjunkturelle Entwicklung in Grossbritannien, für Europa und weltweit haben werde, hiess es. Zudem stehe die Frage im Raum, welches Land als nächstes aus der EU austreten könnte. Um den Unsicherheiten entgegenzutreten, haben die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Bank of England bereits signalisiert, falls nötig den Märkten weitere Liquidität bereitzustellen. Im Handel sieht man zudem nun die europäische Politik gefordert, so rasch wie möglich nach Lösungen zu suchen. Der britische Premier David Cameron hat derweil seien Rücktritt für Oktober angekündigt, um den Weg für eine neue politische Führung frei zu machen.

Bis um 12.10 Uhr verliert der Swiss Market Index (SMI) 3,34% auf 7'755,08 Punkte (Tagestief 7'476). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 4,48% auf 1'166,65 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 3,12% auf 8'413,06 Zähler ein. Die 30 Blue Chips liegen allesamt im Minus.

Mit der an den Finanzmärkten rapide gestiegenen Unsicherheit ist die Volatilität gemessen am VSMI zunächst auf 34,5 Punkte hochgeschnellt, steht aber aktuell noch mit 7,6% auf 27,3 Stellen im Plus. Ziemlich gut hält sich der Euro zum Franken mit einem Kurs von 1,0786 CHF. Die Schweizerische Nationalbank hat bestätigt, dass sie mit Interventionen auf dem Devisenmarkt stabilisierend eingegriffen hat.

Am Aktienmarkt stehen vor allem die Kurse der Banken und Zykliker gehörig unter Druck. Sie hatten sich in den vergangenen Tagen mit der Hoffnung auf einen "Bremain" stark erholt gezeigt. Das Finanzzentrum London und die gesamte Finanzindustrie gelten mit als grösste Verlierer des Brexit und so büssen UBS 9,3%, Credit Suisse 12% und Julius Bär 8,5% ein. Auch Versicherungswerte wie Zurich (-5,2%) oder Swiss Re (-4,5%) werden von den sich abzeichnenden hohen Marktvolatilitäten in Mittleidenschaft gezogen.

Konjunktursensitive Aktien brechen mit der unsicher gewordenen konjunkturellen Weltlage ebenfalls ein: Adecco verlieren 9,9%, LafargeHolcim 7,2% oder Dufry 7,1%. Im frühen Geschäft hatten diese Titel allerdings im zweistelligen Bereich nachgegeben.

Auch Richemont (-5,4%) und Swatch (-4,1%) verlieren weniger stark als noch zum Handelsauftakt. Die beiden Luxusgütertitel wurden von Bank Baader Helvea auf "Hold" von "Buy" abgestuft. Der Austritt Grossbritanniens aus der EU dürfte zu einem langsameren wirtschaftlichen Wachstum führen, was den zyklischen Luxusgütersektor beeinflussen dürfte, so der Analyst.

Derweil bieten die defensiven Nestlé (-1,0%) nur leichte Unterstützung, und Roche sowie Novartis verlieren "nur" noch 2,4% bzw. 2,3%.

Am breiten Markt zeigen sich Titel wie Kuros (-11%) oder GAM (-7,6%) von der schwachen Seite. Dagegen bleiben die Gewinner sehr dünn gesät. Fester tendieren etwa Leclanché (+3,4%) oder Bell (+2,5%).

Airopack verbilligen sich um 4,1% nachdem die Aktionäre an der gestrigen Generalversammlung die vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Kapitalerhöhung bewilligt haben. News gab es von Valora (-3,0%): Der Detailhändler hat das Logistik- und Distributionsgeschäft von Naville an den deutschen Mediendienstleister 7Days verkauft. Der erwartete Geldzufluss (netto) werde sich in der Grössenordnung von 23 Mio CHF befinden, hiess es.

Wisekey (-5,6%) hat derweil die Ausgabe einer Wandelanleihe im Umfang von 3 Mio CHF kommuniziert. Die Aktien zur Bedienung der Anleihe stammen aus dem bedingten Aktienkapital, so das Cybersecurity-Unternehmen.

mk/ra

(AWP)