Aktien Schweiz: Defensive Aktien halten SMI im Plus

Der Schweizer Aktienmarkt tastet sich zur Wochenmitte dank seiner defensiven Werte vorsichtig voran. Man sei im Moment aber noch auf Richtungssuche, erklärten Händler. Zudem steckten die Märkte gerade mitten in einem "Sommerloch" mit entsprechend tiefen Umsätzen. Gegen höhere Kurse sprächen im Moment etwa die anhaltend hohen Corona-Ansteckungszahlen. Auch die zusätzlichen Hilfen der US-Regierung gegen die Folgen der Corona-Pandemie hätten sich immer noch nicht materialisiert.
19.08.2020 11:30

Im Gegensatz dazu hat in den USA der S&P-500-Index nach dem coronabedingten Einbruch im Frühjahr ein neues Rekordhoch erreicht. So schnell wurde in der Geschichte der Börse noch nie ein Bärenmarkt wieder beendet. Der heutige Tag verspricht arm an Daten zu werden. Für den Euroraum werden die endgültigen Daten zur Inflationsentwicklung im Juli veröffentlicht. Und nach Handelsschluss in Europa veröffentlicht die US-Notenbank Fed ihr Protokoll zum Zinsentscheid vom Juli.

Der SMI rückt gegen 11 Uhr um 0,22 Prozent auf 10'190,84 Punkte vor. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, steigt um 0,05 Prozent auf 1'554,71 und der breitgefasste SPI um 0,30 Prozent auf 12'698,10 Zähler. Bei den 30 SLI-Werten kommen auf 19 Gewinner 11 Verlierer.

Es sind vor allem die defensiven Papiere, die den Schweizer Leitindex im Plus halten. So ziehen Nestlé um 0,8, Novartis um 0,6 und Roche um 0,5 Prozent an. Roche hat mit dem US-Biotech-Unternehmen Regeneron eine Kooperation zur Entwicklung des Covid-19-Antikörpercocktails REGN-COV2 gestartet. Was das kommerziell für die Basler bedeutet, lässt sich aber noch kaum abschätzen.

Gesucht sind auch andere defensive Papiere wie Givaudan (+0,8%) und Swisscom (+1,1%). Mit Alcon geht es hingegen um 5,4 Prozent nach unten. Beim Augenheilkunde-Spezialisten ist der Umsatz coronabedingt um mehr als ein Drittel gefallen und der Verlust war noch höher als Analysten erwartet hatten. Bereits am Vortag sind die Titel der früheren Novartis-Sparte mit einem deutlichen Minus von 3,7 Prozent aus dem Handel gegangen.

Der Hörgerätehersteller Sonova (+0,3%) hat seine neue Technologieplattform "Paradise" lanciert. Diese hatten Analysten erst im Herbst erwartet und begrüssen den Schritt. Er zeige, wie stark Sonova auf Innovation fokussiert sei.

Zyklische Papiere wie Swatch (-1,4%) oder AMS (-1,3%) werden verkauft. Und in Clariant (-1,6%) kommt es zu Gewinnmitnahmen. Am Vortag hatten neue Übernahmegerüchte ein Kursfeuerwerk gezündet. Kommt es nicht zu einer Übernahme, ist der Chemiekonzern zu hoch bewertet, urteilte am Berichtstag ein Analyst.

Für Geberit (+0,2%) haben im Nachgang zu den gestrigen Jahreszahlen nicht weniger als fünf Analysten ihr Kursziel erhöht. Dass die Papiere nicht richtig auf Touren kommen, liegt an ihrer nach Ansicht der Experten hohen Bewertung. Gemäss AWP-Analyser kommen auf sechs Kaufempfehlungen nur zwei "Buy"-Ratings und neun Banken bewerten die Titel neutral.

Finanzwerte tendieren unauffällig. Bei den Grossbanken gewinnen Credit Suisse 0,4 Prozent, während UBS um 0,1 Prozent anziehen. Etwas leichter notieren die Versicherer Zurich (-0,3%) und Swiss Re (-0,5%).

Etwas mehr Nachrichtenaufkommen findet man in den hinteren Reihen. So will der Reisedetailhändler Dufry (-3,5%) seine US-Tochter Hudson wieder integrieren. Diese war erst im Februar 2018 an die US-Börse gebracht worden. Analysten begrüssen den Schritt, kann der angeschlagene Konzern so doch Kosten sparen.

Nach Zahlen verkauft werden Zur Rose (-6,2%). Die Versandapotheke hat für das erste Halbjahr 2020 kaum überraschend einen Verlust ausgewiesen. Dieser war aber deutlich höher als erwartet. Implenia (-4,9%) hat im ersten Semester ebenfalls stärker unter der Pandemie gelitten als gedacht.

Achiko springen um satte 248 Prozent nach oben. Das indonesische Fintech will einen einfachen und günstigen Corona-Schnelltest noch in diesem Jahr auf den Markt bringen.

ra/kw

(AWP)

 
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