Aktien Schweiz: Defensive ziehen SMI klar ins Minus

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Donnerstag zur Mittagszeit relativ deutlich im Minus. Der SMI als wichtigster Schweizer Aktienindex hat die Sitzung zwar etwas höher eröffnet, ist aber relativ schnell in den negativen Bereich zurückgefallen. Vor allem die defensiven Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche lasten auf dem hiesigen Markt, während die Finanztitel wie bereits am Vortag von einer verbesserten Sektorstimmung profitieren.
29.06.2017 12:35

Grund für die steigenden Kurse zum Handelsbeginn waren laut Händlern gute Vorgaben aus den USA und Asien. Vor allem der US-Bankenstresstest habe dort für Kauflaune gesorgt, hiess es. Anfänglich sei der Markt aber auch noch von guten Konjunkturzahlen getragen worden. So hat sich etwa die Konsumentenstimmung in Deutschland zuletzt weiter verbessert. Gewisse Impulse erhofft man sich für den Nachmittag. Dann stehen noch US-Makrozahlen an, wobei vor allem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe interessieren.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen Mittag 0,57% tiefer bei 9'025,24 Punkten. Der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) büsst mit -0,50% auf 10'242,49 Zähler etwa gleich viel ein. Etwas besser hält sich der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), da hier die Schwergewichte weniger gewichtet sind: er büsst lediglich 0,31% auf 1'417,89 Zähler ein. Von den 30 wichtigsten Titeln hier notieren 21 im Minus, 8 im Plus und einer (Dufry) unverändert.

Weiter im Aufwind sind nach den bereits guten Avancen vom Vortag die Grossbanken CS (+1,9%) und UBS (+0,8%), die ganz offensichtlich von der guten Sektor-Stimmung profitieren. Die Banken haben nun grünes Licht, in grossem Stil Geld in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Anteilseigner auszuschütten. Das komme bei den Anlegern entsprechend gut an, heisst es im Markt.

Weitere Banken- oder Finanztitel wie Partners Group (+1,6% auf 597,50 CHF), Julius Bär (+0,3%) oder Bâloise (+0,1&) legen in diesem Umfeld ebenfalls zu. Für erstere gibt es ausserdem eine Hochstufung durch Baader Helvea auf 'Buy' von 'Hold' mit Erhöhung des Kursziels auf 685 CHF. Der Markt unterschätze den Nachhol- und Basis-Effekt sowie das Renditepotential der Investitionen, hiess es dazu.

Leicht im Plus zeigen sich auch die Chemietitel Sika (+0,3%) und Clariant (+0,2%), auch wenn die Kurse hier im Verlauf des Morgens deutlich zurückgekommen sind. Bei Sika dürfte eine Kurszielerhöhung durch die UBS etwas nachhelfen.

Die grössten Verlierer bei den 30 wichtigsten Werten sind derweil LafargeHolcim und Lindt&Sprüngli (je -1,4%). Für den Zementkonzern hat die Deutsche Bank ihr Rating auf 'Hold' von 'Buy' reduziert. Anhaltende Unsicherheiten in Bezug auf Strategie und Ziele könnten den Aktienkurs deutlich bremsen, meinen die Analysten. Die Papiere des Schokoladen-Herstellers neigen derweil schon seit bald einer Woche abwärts. Dafür verantwortlich gemacht wird u.a. das etwas schwächelnde Amerika-Geschäft sowie die Tatsache, dass jegliche Spekulationen über einen Kauf durch Nestlé sich in Luft aufgelöst hätten.

Deutlich ins Minus gefallen sind derweil die grossen und defensiven SMI-Schwergewichte Nestlé (-0,9%), Novartis (-0,9%) und Roche (-0,8%). Sie sind mit diesen Abgaben für praktisch den ganzen Verlust im SMI verantwortlich. Konkrete Gründe gibt es laut Händlern eigentlich nicht. Die Pharmatitel seien möglicherweise wegen der Pleite der US-Gesundheitsreform zusätzlich unter Druck, meinte ein Händler. Und bei Nestlé scheine die Euphorie nach der Ankündigung des milliardenschweren Aktienrückkaufs etwas verflogen zu sein.

Im breiten Markt stehen erneut und ganz klar Idorsia (+7,7%) im Fokus. Das kleine Pharmaunternehmen hat seit der Kotierung an der SIX am 16. Juni bzw. zum ersten bezahlten Kurs bereits fast 80% an Wert zugelegt, die Marktkapitalisierung beträgt bereits 2,1 Mrd CHF. Am Berichtstag hat sich auch das Geheimnis hinter den jüngsten Management-Transaktionen gelüftet. Das Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel, welches das Unternehmen führt, hat eine Beteiligung von 22,84% gemeldet.

Etwas unter Druck stehen derweil Kuros (-3,3%). Das Biotech-Unternehmen konnte zwar neues Geld aufnehmen, aber zum untersten Punkt der für neue Aktien festgelegten Preisspanne. Verkauft werden auch Ams (-1,5%) und Logitech (-1,1%), hier ist von Verkäufen im grösseren Stil durch amerikanische Fonds die Rede.

uh/tp

(AWP)