Aktien Schweiz: Deutliche Kursgewinne - Erholung auf breiter Front

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt setzt am Mittwoch die Aufholjagd nach dem Brexit-Schock fort und gewinnt - wie schon am Dienstag - kräftig an Wert. Mit einer branchenweit breiten Unterstützung rückt der Leitindex SMI in Richtung der 8'000-Punktemarke vor. Vor knapp einer Woche lag das Börsenbarometer vor Bekanntwerden der Brexit-Resultate ebenfalls über der genannten Schwelle. Während der Aufschwung im SMI dabei auch von den defensiven Pharmaschwergewichten weiterhin gute Unterstützung erhält, hat die starke Erholung der Banken im Handelsverlauf an Kraft verloren. Kaum einen Einfluss auf die Märkte hatten im Rahmen der Erwartungen ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA.
29.06.2016 15:22

Auch an der Wall Street deuten die vorbörslichen Indikatoren auf eine festere Eröffnung und erneute Kursgewinne hin. Der Brexit-Blues scheine sich weiter zu verflüchtigen und an den Märkten werde es allmählich ruhiger, meinen Händler. Das lässt sich auch an der rückläufigen Volatilität erkennen: In der Schweiz fällt der VSMI aktuell um rund 8,5% auf knapp 21 Punkte zurück. Auf diesem Niveau lag er zuletzt vor rund drei Wochen. Gleichzeitig warnen Händler aber vor zu viel Optimismus. Die unvermindert starke Nachfrage nach Gold weise auf weiter grosse Unsicherheit unter den Investoren hin.

Bis um 14.55 Uhr gewinnt der Swiss Market Index (SMI) 1,98% auf 7'928,02 Zähler und fiel damit hinter das zu Handelsmitte erreichte Tageshoch von 7'960 Stellen zurück. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 1,95% auf 1'166,39 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,99% auf 8'565,48 Zähler. Von den 30 Blue Chips stehen bis auf zwei alle im Plus.

Bei den Blue Chips erfreuen sich Titel wie Galenica (+3,9%), Actelion (+3,3%) oder Givaudan (+3,4%) einer besonders guten Nachfragen. Dabei wird die von Givaudan angekündigte Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen Amyris in Händlerkreisen grundsätzlich positiv gesehen, allerdings auch als wenig kursrelevant eingestuft.

Starke Avancen weisen zudem Versicherungstitel wie jene von Zurich (+3,2%) oder Swiss Re (+2,8%) auf. Händler sehen die Assekuranzwerte dank ihrer Robustheit und hoher Dividenden als gute Alternative zu den Banktiteln. Der jüngsten sigma-Studie von Swiss Re zufolge, sind die Erstversicherer weltweit gut kapitalisiert und somit für Turbulenzen gerüstet.

Demgegenüber haben sich die Erholungstendenzen bei den Banken im Tagesverlauf abgeschwächt. Während UBS noch mit 1,7% zulegen, sind es bei Credit Suisse nur noch +0,3% und Julius Bär (-0,4%) liegen sogar im Minus. Die Ungewissheit für die gesamte Finanzindustrie sei nach dem Brexit weiterhin sehr hoch, hiess es im Handel.

Nebst Julius Bär verlieren nur noch Swatch (-0,9%) an Wert, während Branchennachbar Richemont mit 0,2% leicht zulegen. HSBC stufte die Swatch-Titel neu mit "Reduce" ein. Für Richemont senkten sowohl HSBC als auch Goldman Sachs das Rating (auf "Hold" bzw. "Neutral"). Die Unsicherheit bezüglich des Konsumverhaltens sei mit dem Brexit nicht kleiner geworden, hiess es. Im Zuge des Brexit-Schocks waren beide Aktien auf neue Mehrjahrestiefststände gefallen.

Schub geben dem Markt die Pharmaschwergewichte Roche (+2,5%) und Novartis (+2,7%) - Nestlé (+1,3%) hingegen schneiden unterdurchschnittlich ab. Am Vortag, als ein Wechsel an der operativen Konzernspitze angekündigt wurde, hatten die Titel allerdings einen starken Lauf und über 3% zugelegt.

Im breiten Markt stehen GAM (+8,3%) mit der Übernahme der britische Cantab Capital Partners im Fokus. Damit ziele der Vermögensverwalter auf den Zugang zu neuen Technologien sowie zu anderen Anlageklassen ab, so ein Analyst. In Händlerkreisen werden die Kursgewinne allerdings weniger mit der Übernahme in Zusammenhang gebracht. Vielmehr sei eine Sektorerholung zu sehen.

Helvetia-Aktien (+1,7%) fallen nach dem angekündigten Stabwechsel an der Firmenspitze nicht gross auf. Für die Analysten der ZKB kommt die Ankündigung zwar etwas überraschend, mit Philipp Gmür sei jedoch ein würdiger Nachfolger für Stefan Loacker als Gruppen-CEO gefunden worden.

mk/yr

(AWP)