Aktien Schweiz: Erneut im Rückwärtsgang - Richemont und Aryzta stark unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Freitagmittag auf relativ breiter Front im Minus. Der Leitindex SMI ist damit nach einer anfänglichen Stabilisierungsphase auf den Abwärtspfad vom Vortag eingeschwenkt. Auf Wochensicht büsste der Markt damit bislang knapp 2% ein, womit er auf den grössten Wochenverlust seit Mitte August zusteuert. Im Handel zeigt man sich allerdings relativ gelassen.
10.11.2017 13:02

Hier ist nach dem starken Lauf der Dividendenwerte und vielerorts erreichten Rekordständen von einer "gesunden Korrektur" die Rede. Die Aussichten seien nach wie vor positiv. Es zeichne sich zwar je länger je deutlicher ein Ende der ultraexpansiven Geldpolitik ab. Doch mit einem raschen Zinsanstieg, welcher die Aktienperformance belasten könnte, rechnet in absehbar Zeit niemand. Zudem würde auch die globale Konjunkturdynamik und die positive Gewinnentwicklung der Unternehmen den Markt nach unten abstützen. Hierzulande ist es auf Titelebene relativ ruhig, wobei die Blue Chips Richemont und Aryzta mit grösseren Abgaben herausstechen.

Der SMI büsst gegen 12 Uhr 0,34% auf 9'146,18 Punkte ein und hat sich damit von bisherigen Tagestief etwas abgesetzt. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verliert 0,31% auf 1'486,49 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,33% auf 10'488,87 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 19 im Minus, neun im Plus und zwei unverändert.

Richemont (-3,4%) sind nach der Zahlenvorlage am Morgen mittlerweile klar zurückgefallen. Der Luxusgüterkonzern hat im per Ende September abgeschlossenen Erstsemester 2017/18 den Umsatz und die Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert. Nach der positiven Gewinnwarnung von Mitte Oktober wurde dies allerdings so erwartet. Nach der guten Kursentwicklung im laufenden Jahr würden Anleger nun ihre Gewinne einstreichen, hiess es im Handel. Anfang November war die Aktie noch auf ein Jahreshöchst geklettert.

Einen klaren Kursrücksetzer verzeichnen auch Aryzta mit -3,5%. Die oft sehr volatile Aktie des schweizerisch-irischen Backwarenherstellers wird von dem Umstand belastet, dass Jürgen Steinemann nicht als Verwaltungsrat zur Verfügung steht. Der schwer angeschlagene Konzern hatte ihn erst Ende August für dieses Amt nominiert, was damals positiv aufgenommen wurde. Steinemann habe sich hierzulande als langjähriger und erfolgreicher Chef des Schokolade-Herstellers Barry Callebaut einen hervorragenden Ruf erworben, hiess es im Handel.

Auch ABB (-1,4%) müssen Federn lassen. Der Titel hatte bereits am Vortag einen schweren Stand, als schwache Zahlen des Konkurrenten Siemens für schlechte Stimmung im Industriesektor sorgten. Das vor wenigen Tagen markierte Mehrjahreshoch von ABB bleibt aber in Sichtweite. Mit Geberit (-1,0%), Adecco (-,09%), LafargeHolcim (-0,6%) und SGS (-0,5%) stehen weitere Zykliker unter Abgabedruck.

Eine relativ grosse Belastung sind zudem die schwergewichtigen Roche und Nestlé, die nachrichtenlos um 0,4% bzw. 0,3% nachgeben. Das dritte Indexschwergewicht Novartis (+0,1%) dagegen verhindert ein stärkeres Abgleiten des Marktes nach unten.

Grösste Gewinner sind wie bereits am Morgen UBS mit +1,1%. Die Aktien der Grossbank profitieren von einer Kaufempfehlung aus dem Hause Merrill Lynch. Stärkere Märkte in den USA sowie dem Asia-Pazifik-Raum zusammen mit einem schwächeren Franken dürften dafür sorgen, dass die verwalteten Vermögen auch im vierten Quartal weiter ansteigen, betonen die Experten. Es könne über höhere Dividenden nachgedacht werden, heisst es ausserdem in der Studie. Mit Julius Bär (+0,5%) und Swiss Life (+0,4%) sind weitere Finanzwerte ganz vorne mit dabei.

Auch die defensiven Swisscom (+0,3%) werden nachgefragt. Die Telekomaktie hat sich in den letzten Monaten relativ gut geschlagen und erstmals seit Frühling 2016 die 500-CHF-Marke übertroffen. Gesucht sind einmal mehr auch die Überflieger Clariant (+0,3%).

Am breiten Markt verzeichnen die Nahrungsmittelwerte Hochdorf (-2,7%) und Emmi (-1,9%) grössere Einbussen sowie die kleineren Pharmawerte Addex (-2,2%) und Molecular Partners (-2,0%).

Im Gewinnerfeld rücken Santhera um weitere 4,7% vor, nachdem der Pharmawert bereits am Vortag nachrichtenlos um fast 7% hochgeschossen war. Gesucht sind zudem die Immobilienwerte Varia (+3,5%) und Orascom (+2,7%).

cp/cf

(AWP)