Aktien Schweiz Eröffnung: Abgaben auf breiter Front - Sorgen um Trump und Terror

Der Schweizer Aktienmarkt büsst am Freitag, am Tag des kleinen Eurexverfalls, weiter an Boden ein. Nachdem der Leitindex SMI am Donnerstag unter die Schwelle von 9'000 Stellen zurückgefallen war, hat er nun zu Handelsbeginn auch die Marke von 8'900 Punkten klar unterschritten. Die Vorgaben aus Asien und USA sind schwach: Am Vorabend hatten Befürchtungen um die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump sowie neu entfachte Terrorängste nach dem Anschlag in Barcelona an der Wall Street auf die Anlegerstimmung gedrückt.
18.08.2017 10:15

Das Vertrauen der Anleger in Donald Trump scheine allmählich zu schwinden, befürchtet ein Händler. Dessen Politik werde immer mehr zu einer Parodie. Die Investoren stellten sich die Frage, ob der US-Präsident überhaupt noch irgendetwas von dem erreiche, was er einst angekündigt hatte. Ein weiterer Belastungsfaktor ist der Terroranschlag in Barcelona. Die schreckliche Tat in der katalanischen Hauptstadt nähre die Furcht vor weiteren Anschlägen, so ein Händler. Den am Nachmittag auf dem Programm stehenden Konjunkturdaten (Uni Michigan Konsumentenvertrauen) trauen Händler nicht

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,85% tiefer bei 8'869,63 Punkten und rutscht damit trotz sehr gutem Wochenauftakt auf das Niveau vom vergangenen Freitag ab. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert aktuell 0,92% auf 1'414,07 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,86% auf 10'113,07 Stellen. Von den 30 SMI/SLI-Titel liegen zur Berichtszeit alle im Minus.

Im Blue Chips-Segment verzeichnen Zykliker und Finanztitel mit Blick auf die Terror- sowie auf Zinssorgen die grössten Abgaben: So geben Sonova um 1,9%, UBS und Credit Suisse sowie die Uhrenaktien von Swatch und Richemont um jeweils 1,1% nach. Bâloise rutschen trotz Kurszielerhöhung durch die Bank Vontobel um 1,3% ab. Die Basler werden Ende August über das erste Halbjahr berichten.

Bei Geberit (-1,2%) setzt sich die Abwärtsbewegung des Vortages fort. Die Titel des Sanitärkonzerns waren am Vortag nach enttäuschenden Halbjahreszahlen um beinahe sechs Prozent eingebrochen. Im Nachgang haben UBS, Baader Helvea und Société Générale ihre Kursziele gesenkt, die CS und die Bank Vontobel erhöhten dagegen das Ziel. Der gestrige Kursrückgang biete eine gute Einstiegsgelegenheit, heisst es etwa bei Vontobel.

Die Pharma-Schwergewichte Novartis (-0,9%) und Roche (-0,8%) haben sich im Mittelfeld eingereiht. Am Donnerstag kurz vor Börsenschluss hatte die Meldung zu einer Untersuchung der Preise von Multiple Sklerose-Behandlungen in den USA für Unruhe gesorgt. Sowohl Novartis als auch Roche müssen nebst weiterer internationalen Pharmaunternehmen gegenüber US-Politikern Stellung dazu beziehen. Nestlé sinken lediglich um 0,6% und Givaudan gar nur um 0,4%.

Im breiten Markt haben mehrere Firmen Geschäftszahlen vorgelegt, wobei die Aktien des Verbundwerkstoff-Spezialisten Schweiter (-3,4%) am stärksten auf die News reagieren. Schweiter hatte zwar mit dem fortgeführten Geschäft die Verkäufe gesteigert, Analysten zeigten sich aber von der Entwicklung der Profitabilität enttäuscht. Über sinkende Ergebnisse berichtete der Nahrungsmittelhersteller Hügli. Die Aktie verliert 1,9%.

Der Spezialkunststoffhersteller Gurit hat im Halbjahr weniger Umsatz erzielt, überzeugte aber mit dem Gewinn. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Handyverkäufer Mobilezone, der nun auf die Lancierung neuer iPhone-Modelle wartet. Sowohl die Titel von Gurit (-0,5%) als auch jene von Mobilezone (-0,3%) schneiden besser als der Gesamtmarkt ab. Das gelingt PSP (-1,0%) trotz solider Quartalszahlen nicht.

Zu Wochenschluss stehen weiter auch Straumann im Fokus der Anleger. Nachdem die Titel des Dentalimplantateherstellers am Vortag nach Halbjahreszahlen und der Bekanntgabe einer Übernahme um über 11% zugelegt hatten, verlieren sie aktuell 3,2%. Am Berichtstag zog Straumann den am Donnerstag nachbörslich angekündigten Verkauf eigener Aktien zurück, da der vom Markt geforderte Preisabschlag von über 2% den Wert des übernommenen Geschäfts nicht widerspiegle, so die Begründung.

Kudelski (-4,1%) verbuchen weitere Kurseinbussen nach dem gestrigen Rücksetzer. Der Verschlüsselungsspezialist hatte im ersten Halbjahr einen Verlust erlitten und die Bank Vontobel reduzierte am Berichtstag das Kursziel.

mk/tp

(AWP)