Aktien Schweiz Eröffnung: Abgaben - Nordkorea-Sorgen bestimmen den Kurs

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Mittwoch schwächer in den Handel gestartet. Die Krise um Nordkorea bleibt bestimmendes Thema an den internationalen Finanzmärkten. Der zunehmend schärfere Ton in den USA und Nordkorea hat am Dienstag auch die Kurse an der Wall Street unter Druck gesetzt, nachdem die Tore am Montag feiertagsbedingt geschlossen waren. Zudem sei unter den Anlegern im Vorfeld der am Donnerstag anstehenden Leitzinsentscheidung der EZB Zurückhaltung angesagt, heisst es im Handel.
06.09.2017 10:15

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel bleibe angespannt, doch seien panikartige Verkäufe bislang ausgeblieben, meinte ein Händler. Der Ton hat sich über Nacht jedoch verschärft, neu droht Nordkorea für den Fall neuer Sanktionen mit Gegenmassnahmen. Gleichzeitig steigt die Spannung im Vorfeld der EZB-Sitzung. Dabei stelle sich die Frage, ob EZB-Chef Mario Draghi bereits einen Plan für den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm vorlegen werde. Am heutigen Nachmittag könnten vorerst Daten aus den USA zur Handelsbilanz sowie zur Stimmung der Einkaufsmanager für Bewegung sorgen.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert bis 09.30 Uhr 0,56% auf 8'820,16 Punkte (Tagestief: 8'808). Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,61% auf 1'404,99 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,57% auf 10'066,24. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 28 im Minus und nur zwei fester.

Das unsichere Marktumfeld belastet wie bereits am Vortag den Finanzsektor überdurchschnittlich stark. Die Aktien UBS verlieren 0,7%, jene von Julius Bär 1,1% und Credit Suisse gar 1,7%. CS-Präsident Urs Rohner hat sich in einem Interview zum regulatorischen Umfeld für Finanzhäuser in Europa geäussert, was im Handel als Randnotiz wahrgenommen wird. Er wünscht sich einen Abbau der Hürden für grosse, grenzüberschreitende Bankenfusionen. Die UBS gab derweil bekannt, dass sie einen Teil der lateinamerikanischen Private-Banking-Kunden der britischen Grossbank HSBC übernimmt.

Zu den Verlierern zählen erneut auch Versicherungsaktien wie Bâloise, Zurich (beide -1,0%) oder Swiss Re (-1,2% auf 83,45 CHF). In den USA droht nach "Harvey" die nächste Sturmkatastrophe, was für Zurich und Swiss Re zum Belastungsfaktor wird. Der Hurrikan "Irma" hat sich über dem Atlantik zu einem Wirbelsturm der höchsten Kategorie aufgebaut und steuert nun auf die Küste Floridas zu. Trotz der erneut drohenden Schäden rechnen Marktteilnehmer, dass die Rückversicherungspreise weiter unter Druck bleiben dürften. Die Swiss Re ist vor diesem Hintergrund bei 82,40 CHF auf ein neues Jahrestief abgerutscht.

Zykliker wie Clariant (-1,1%), LafargeHolcim (-0,9%) oder Adecco (-0,7%) zählen ebenfalls zu den grössten Verlierern. Richemont (-0,2% auf 85,80 CHF) halten sich besser. Barclays hat das Kursziel für die Papiere des Luxusgüterkonzerns auf 87 CHF erhöht, die Einstufung aber auf "Equal Weight" belassen. Der Analyst geht davon aus, dass die Gruppe kommende Woche für die ersten fünf Monate ein starkes organisches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich vermelden wird.

Die Schwergewichte Novartis (-0,6%), Roche (-0,5%) und Nestlé (-0,4%) tummeln sich im Mittelfeld. Die Roche-Genussscheine profitieren somit kaum von positiven Studiendaten zur Lungenkrebsbehandlung Alecensa. Die beiden Gewinner heissen Vifor (+0,1%) und SGS (+0,2%). Letztere hat eine weitere kleine Übernahme in den USA vermeldet.

Im breiten Markt werden Straumann um 2,6% auf 601 CHF zurückgenommen. Das Dentalimplantat-Unternehmen verkaufte in einer Privatplatzierung vorbörslich rund 0,4 Mio eigene Aktien zum Kurs von 600 CHF. Im zweiten Anlauf sei es Straumann nun gelungen, die Investoren trotz des starken Kursanstiegs vom Investment-Case und vom weiteren Potenzial zu überzeugen, heisst es bei der ZKB. Mitte August hatte Straumann einen Verkauf eigener Aktien wegen zu tiefen Preisgeboten abgeblasen.

Weiter gab Von Roll (Aktie -2,0%) bekannt, dass der langjährige Finanzchef Stephan Kellmann das Unternehmen verlassen wird. Temenos avancieren nach einer Kurzszielerhöhung um 1,0%, Myriad gewinnen gar 1,5%. Myriad hat die geplante und von den Aktionären beschlossene Kapitalerhöhung in vollem Umfang abgeschlossen und sieht sich für die weitere Entwicklung vorerst ausreichend kapitalisiert.

mk/rw

(AWP)