Aktien Schweiz Eröffnung: Anfangsgewinne schnell wieder weg - Defensive bremsen

Der Schweizer Aktienmarkt hat die Sitzung vom Donnerstag zwar mit etwas höheren Kursen eröffnet, die Anfangsgewinne aber schnell wieder abgegeben. Vor allem die defensiven Schwergewichte verhindern höhere Kurse. Die übrigen europäischen Märkte notieren derweil klar höher. Händler begründen dies vor allem mit den Vorgaben aus den USA und Asien. Für gute Stimmung sorgt etwa der US-Bankenstress-Test, haben doch erstmals alle grossen US-Finanzinstitute die jährliche Prüfung durch die amerikanische Notenbank Fed bestanden.
29.06.2017 10:15

Auch positive Konjunkturzahlen sind zu vermelden. So hat in Deutschland der robuste Aufschwung die Konsumlaune weiter beflügelt, wie etwa der am Morgen veröffentlichte GfK-Index für die Konsumentenstimmung zeigt. Am Nachmittag stehen zudem noch US-Makrozahlen an, wobei vor allem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe interessieren. Weiterhin sollten laut Händlern aber auch die Devisen- und Bondmärkte im Auge behalten werden. So hat das Währungspaar EUR/USD erstmals seit einem Jahr wieder die Marke von 1,14 überschritten, zum Franken notiert der US-Dollar ebenfalls weiter schwach. Auch der Conf-Futures verliert weiter an Wert, was bedeutet, dass die Renditen weiter steigen.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 09.30 Uhr 0,02% tiefer bei 9'074,99 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt derweil 0,15% auf 1'424,42 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) büsst 0,02% ein auf 10'292,50 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren rund die Hälfte im Plus und die andere Hälfte im Minus.

Weiter im Aufwind sind nach den bereits guten Avancen vom Vortag die Grossbanken CS (+1,7%) und UBS (+1,1%), die ganz offensichtlich von der guten Sektor-Stimmung profitieren. Die Banken haben nun grünes Licht, in grossem Stil Geld in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Anteilseigner auszuschütten. Das komme bei den Anlegern entsprechend gut an, heisst es im Markt.

Weitere Banken- oder Finanztitel wie Partners Group (+1,8% auf 598,50 CHF) als bester Blue Chips überhaut oder Julius Bär (+0,5%) legen in diesem Umfeld ebenfalls zu. Für erstere gibt es eine Hochstufung durch Baader Helvea auf 'Buy' von 'Hold' mit Erhöhung des Kursziels auf 685 CHF. Der Markt unterschätze den Nachhol- und Basis-Effekt sowie das Renditepotential der Investitionen, hiess es dazu.

Freundlich zeigen sich wie zum Teil bereits am Vortag auch die Chemietitel Sika (+1,2%) und Clariant (+1,1%), sowie weitere Zykliker wie Dufry (+0,6%), Adecco und ABB (je +0,3%).

Grösster Verlierer bei den 30 wichtigsten Werten sind derweil LafargeHolcim (-0,8%). Die Deutsche Bank hat ihr Rating für den Titel auf 'Hold' von 'Buy' und ebenso das Kursziel reduziert. Die anhaltenden Unsicherheiten beim Zementhersteller könnten den Aktienkurs deutlich bremsen, hiess es. Bislang habe das Management jedenfalls jegliche Strategie- und Zieleankündigung, die über 2018 hinaus gingen, verschoben.

Mehr oder weniger klar im Minus stehen derweil die grossen und defensiven SMI-Schwergewichte Roche (-0,6%), Novartis (-0,2%) und Nestlé (-0,1%). Mässig wichtige News gibt es dabei zu Novartis. Der Basler Pharmakonzern hat für sein Mittel Zykadia die EU-Zulassung erhalten. Das Mittel darf demnach künftig als Erstlinientherapie bei sogenanntem fortgeschrittenem ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) eingesetzt werden. Bei Nestlé scheint derweil die Euphorie vom Vortag nach der Ankündigung des milliardenschweren Aktienrückkaufs etwas verflogen zu sein.

Im breiten Markt sind aufgrund der Erholung bei den Technologie-Werten u.a. Logitech (+0,4%) gesucht. Der Computerzubehör-Hersteller will seinen Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 eine rund 10% höhere Dividende von 0,62 CHF pro Aktie ausschütten.

Und weiter im Fokus stehen auch Idorsia (+4,9%). Das kleine Pharmaunternehmen hat seit der Kotierung an der SIX am 16. Juni bzw. der ersten bezahlten Kurs damals bereits rund 70% an Wert zugelegt. Hier hat sich das Geheimnis hinter den jüngsten Management-Transaktionen gelüftet. Das Ehepaar Jean-Paul und Marine Clozel hat eine Beteiligung von 22,84% an der Abspaltung der von Johnson & Johnson übernommenen Actelion gemeldet.

uh/tp

(AWP)