Aktien Schweiz Eröffnung: Erholung auf breiter Front - Big Pharma schiebt an

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag mit Gewinnen auf breiter Front gestartet und schüttelt damit die zu Wochenbeginn erlittenen Verluste ab. Schub geben dabei vor allem die Pharmaschwergewichte. Auch die Bankenwerte UBS und Julius Bär werden im grösseren Stil nachgefragt. Die Vorgaben von den US-Leitbörsen waren allerdings wenig berauschend. Die Verkaufswelle bei den Technologiewerten, die zu Wochenbeginn die Aktienmärkte weltweit erfasst hatte, setzte sich an der Wall Street bei gebremsten Tempo fort. Hierzulande zeichnet sich in diesem Segment nun allerdings eine zaghafte Erholung ab.
13.06.2017 10:18

Der Einbruch bei den stark gelaufenen Techwerten hatte die Anleger nervös werden lassen, da dies durchaus der Startschuss für eine grössere Korrektur hätte sein können. Offensichtlich setzten sich aber die Optimisten durch. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwochabend. Es gilt unter Ökonomen als ausgemachte Sache, dass das Zielband für den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 1,0% bis 1,25% angehoben wird. Die Anleger warten deshalb gespannt auf die Prognosen der Notenbank. Überrascht sie die Anleger mit einem optimistischen Ausblick, steige das Risiko einer Kurskorrektur an den Börsen, hiess es im Handel.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 09.30 Uhr 0,46% auf 8'848,02 Punkte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt um 0,50% auf 1'401,59 Zähler zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,43% auf 10'072,91. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 24 im Plus, fünf unverändert und Swiss Re als einzige im Minus.

Die grössten Gewinne verzeichnen zur Berichtszeit Julius Bär mit +1,1%, und auch die UBS-Valoren (+0,9%) legen überdurchschnittlich zu. Die Papiere der CS (+0,2%) bleiben jedoch etwas zurück. Das Segment steht einmal mehr unter grösserer Beobachtung, nachdem das US-Finanzministerium Pläne für eine Reform der Regeln des Finanzsystems vorgestellt hatte. Unter anderem sollen Beschränkungen für Banken bei deren Handelsaktivitäten gelockert werden.

Weitere Finanzwerte wie Swiss Life (+0,8%) und auch die am Vortag noch sehr schwachen Lonza (+1,1%) sind gesucht. Im Segment der Zykliker schneiden Richemont (+0,9%) am stärksten ab, gefolgt von Adecco (+0,8%), die am Vortag nicht vom "Macron-Bonus" nach den Parlamentswahlen am Wochenende profitieren konnten.

Schub geben aber vor allem die beiden Pharmaschwergewichte Novartis (+0,8%) und Roche (+0,5%). Bei Novartis sorgt ein Gerichtsurteil in den USA zugunsten der Basler für gute Stimmung unter den Investoren. Der Oberste Gerichtshof hob ein Urteil einer niedrigeren Instanz auf, die Novartis vorübergehend am Verkauf des Biosimilars Zarxio gehindert hatte. Zarxio ist das erste in den USA zugelassene Biosimilar.

Der Grund für den Aufwind bei Roche dürfte anderer Natur sein, denn Biosimilars gehören hier nicht zum Produktportfolio. Im Handel ist denn auch von einer Gegenbewegung auf die teils übertriebenen Abgaben in der Vorwoche nach enttäuschend aufgenommenen Daten zum Brustkrebsmittel Perjeta die Rede. Bereits am Montag hatte die "Bons" gegen den Trend zugelegt.

Unterdurchschnittlich schneiden Kühne+Nagel ab, die unverändert notieren. Die Aktie des Logistikkonzerns wird von einer Gewinnwarnung der Mitbewerberin Panalpina (-2,5%) aus dem breiten Markt belastet. Panalpina rechnet aufgrund einer anhaltenden Margenerosion für das erste Halbjahr 2017 mit tieferen Ergebnissen im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Einziger Verlierer sind Swiss Re, die um 0,1% nachgegen. Spezifischen News waren zum Rückversicherer nicht auszumachen. Am Vortag ging der Titel in einem schwachen Gesamtmarkt mit Aufschlägen von 0,9% als Tagessieger aus dem Handel.

Am breiten Markt stehen neben den bereits erwähnten Panalpina auch Basilea (+4,2%) im Fokus. Das Biopharma-Unternehmen erhält von der US-Behörde BARDA zusätzliche 54,8 Mio USD zur Finanzierung des Phase-III-Programms zum Produktkandidaten Ceftobiprol.

Die Techwerte AMS (+0,9%) und Logitech (+1,6%) erholen sich etwas vom Einbruch zu Wochenbeginn. Im Zuge der Ausverkaufswelle bei den Techwerten war der Titel des Apple-Zulieferers AMS um 13% zurückgefallen, wobei zusätzlich Spekulationen um die technische Wettbewerbsfähigkeit des kommenden iPhone 8 belastet hatten. Am Berichtstag wird der Erholungsversuch vom Dividendenabgang gebremst.

cp/ys

(AWP)