Aktien Schweiz Eröffnung: Gegenbewegung - Neuer Fed-Chef im Fokus

Der Schweizer Aktienmarkt hat nach einem Rücksetzer zu Wochenbeginn am Dienstag zu einer zaghaften Erholung angesetzt. Die Anleger warten aber weiter auf einen definitiven Richtungsentscheid, heisst es im Handel. Die Vorlagen seien wenig inspirierend, hätten sich doch die US-Indizes am Vorabend nach Europaschluss kaum mehr bewegt. An einem an Unternehmensnachrichten armen Tag richtet sich der Blick der Anleger bereits auf Konjunkturdaten aus den USA.
28.11.2017 10:11

So stehen am Nachmittag Angaben zu den Lagerbeständen im Grosshandel, der FHFA-Index für den Immobilienmarkt und das Konsumentenvertrauten auf dem Programm. Vor allem aber erhoffe man sich von der Senatsanhörung des designierten Fed-Chefs Jerome Powell genauere Einsichten, wofür der Kandidat für Janet Yellens Nachfolge an der Spitze der wichtigsten Notenbank der Welt genau steht. In einer vorab veröffentlichten Erklärung sagte Powell, er sei nicht da, um die Dinge bei der Fed durcheinanderzuwirbeln.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,26% höher bei 9'279,54 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) legt 0,21% auf 1'489,18 Punkte zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,31% auf 10'657,93. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 20 im Plus, 8 im Minus und zwei unverändert.

Clariant ziehen um 0,2% an. Beim Chemiekonzern kocht der Konflikt mit dem Grossaktionär White Tale weiter hoch. Man habe nie die Aufspaltung des Unternehmens angestrebt, entgegnet White Tale einer Clariant-Stellungnahme vom letzten Freitag. Man freue sich nun darauf, seine Anliegen den Aktionären von Clariant direkt vorzulegen.

Analysten erachten eine Einigung als immer weniger wahrscheinlich. Vielmehr zeichne sich eine Verhärtung der Positionen ab, die vermutlich erst anlässlich der nächsten Generalversammlung geklärt werden dürften.

Sika (+0,7%) verstärkt sich im Bereich Automobil und übernimmt die deutsche Faist ChemTec Group. Der Hersteller von Lösungen zur Lärmreduktion in Fahrzeugen kommt auf einen Jahresumsatz von 190 Mio CHF. Damit haben die Innerschweizer nach verschiedenen Ergänzungsakquisitionen im Baubereich wieder einmal den Industrieteil gestärkt. Analysten werten den Schritt als positiv.

Julius Bär erholen sich derweil um 1,7%. Am Montag hatte der überraschende und abrupte Abgang des CEO Boris Collardi für einen Kurstaucher von 6,4% gesorgt. Andere Finanzwerte wie Partners Group (+1,0%) oder Credit Suisse (+0,1%) notieren ebenfalls höher. Letztere werden am Donnerstag den lange erwarteten Investorentag abhalten. UBS sinken hingegen um 0,2%.

Die Versicherer tendieren unter dem Markt. So büssen etwa Bâloise 0,1% ein, Zurich Insurance 0,4% und Swiss Re 0,1%. Dabei führt Morgan Stanley den Rückversicherer als einer der drei "Top Picks" für 2018.

Gesucht sind dafür verschiedene zyklische Papiere wie Geberit (+0,5%), ABB (+0,4%), Lonza (+0,4%) oder Dufry (+0,2%). Für Kühne + Nagel (-0,1%) hat HSBC laut Händlern das Kursziel leicht erhöht, für Panalpina (-2,3%) hingegen das Rating gesenkt.

Die defensiven Schwergewichte, die mehr als 50% der SMI-Kapitalisierung auf sich vereinen, spielen am Dienstag mit: Nestlé gewinnen 0,4%, Novartis und Roche jeweils 0,5%.

Im breiten Markt steigen die Aktien des Sensorherstellers AMS um 1,6%. Die Papiere hatten am Vortag unter dem Branchensog gelitten und um 4,6% nachgegeben. Der Auslöser: Ein Kurssturz in den Papieren des koreanischen Technologieriesen Samsung Electronic nach einer Ratingsenkung durch Morgan Stanley.

DKSH (-0,2%) fallen hingegen kaum auf. Der Konzern ist erklärtermassen am Mitbewerber Zuellig Pharma interessiert, und laut Agenturberichten bereitet sich Singapurs Staatsfonds Temasek darauf vor, seinen 20%-Anteil an der Gesellschaft zu veräussern.

Mit Halbjahreszahlen aufgewartet hat der Pharmazulieferer Dottikon (+1,9%). Das Unternehmen hat zwar etwas mehr Umsatz generiert, musste aber wegen hoher Vorleistungen eine etwas tiefere Marge hinnehmen.

Die Versandapotheke Zur Rose (-0,1%) richtet seinen Standort im deutschen Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) neu aus. Um Zuge des Umbaus wird dort knapp jede dritte Stelle abgebaut.

ra/rw

(AWP)