Aktien Schweiz Eröffnung: Klares Minus - Geberit nach Zahlen stark unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt hat die Sitzung vom Donnerstag mit deutlichen Verlusten eröffnet, sich nach dem schwachen Start aber bis zum Berichtszeitpunkt wieder etwas erholt. Nach den leichten Avancen am Vortag hat sich die Stimmung damit aber bereits wieder deutlich verschlechtert, und der SMI als wichtigster Schweizer Index fiel gleich von Beginn weg unter die Marke von 9'000 Punkten. Händler verweisen auf das am Vorabend veröffentlichte Fed-Protokoll. Dieses habe deutlich gemacht, dass die aktuelle Inflationsschwäche zunehmend als Problem gesehen werde, heisst es.
17.08.2017 10:15

Andere Händler geben eher US-Präsident Donald Trump die Schuld an den wieder sinkenden Kursen. Seine Entscheidung, gleich zwei Wirtschaftsberater-Zirkel aufzulösen, habe bei den Anlegern Unbehagen erzeugt. Trump isoliere sich damit zunehmend, und an eine Umsetzung seines Wirtschaftsplans glaube ohnehin kaum noch jemand. "Die US-Konjunktur läuft zwar noch solide, Trumps Unberechenbarkeit könnte aber jederzeit zum Risiko werden", so eine Stimme aus dem Markt.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,50% tiefer bei 8'992,32 Punkten, das bisherige Tagestief liegt bei 8'946. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,54% auf 1'433,43 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,38% auf 10'246,34 Stellen. Von den 30 SMI/SLI-Titel notieren zur Berichtszeit 21 im Minus, sieben im Plus und zwei (SGS, Adecco) unverändert.

Hierzulande ist der Donnerstag nochmals ein Grosskampftag in Bezug auf die Halbjahres-Berichterstattung. Mit Geberit und Swisscom haben zwei weitere SMI-Titel ihre Zahlen präsentiert und stehen entsprechend im Fokus, dazu gab es Daten von weiteren 12 Small- und Midcap-Unternehmen.

Mit Abstand grösster Verlierer unter den Blue Chips sind dabei Geberit (-6,6%). Der Sanitärtechnik-Konzern hat mit seinen Halbjahreszahlen die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen können. Insbesondere die Entwicklung in Deutschland sei enttäuschend ausgefallen, meinte ein Analyst. Da das Papier zudem zuletzt vom schwachen Franken bzw. starken Euro profitiert hat und auf Allzeit-Hoch geklettert ist, nehmen viele Anleger die Gewinne der letzten Wochen mit.

Deutlich besser gestartet in den Handel sind Swisscom (-0,2%), auch wenn die Aktie schnell ins Minus abgerutscht ist. Der grösste Schweizer Telekom-Anbieter hat auf Gewinnstufe deutlich über den Erwartungen abgeschnitten, wobei Experten insbesondere vom EBITDA überzeugt werden. Das Kostenprogramm zeige deutliche Wirkung, heisst es. Aber auch die italienische Tochter Fastweb mache erneut Freude.

Die grössten Verluste erleiden neben Geberit vor allem die Grossbankentitel UBS (-1,1%) und CS (-0,7%), aber auch Swiss Life (-0,6%) müssen im Nachgang zu den Zahlen vom Vortag etwas deutlichere Einbussen hinnehmen. Unter den grosskapitalisierten Werten verlieren Novartis (-0,6%) deutlich mehr ein als Roche (-0,4%) und Nestlé (-0,2%).

Grösster Gewinner sind derweil Sonova (+0,7%). Der Hörgeräte-Hersteller hat einen neuen 2,4-GHz-Wireless-Chip lanciert, wie er am Morgen mitteilte. Dieser ermögliche direkte Konnektivität zu jedem Mobiltelefon sowie die Verbindung zwischen zwei Hörgeräten unter Verwendung einer einzigen Funktechnologie. Klar gesucht sind auch noch Lonza (+0,6%), während Sika, Givaudan, Clariant, Dufry sowie Lindt nur knapp in der Pluszone stehen.

Im Fokus stehen aber auch einige Titel aus dem breiten Markt. Gesucht sind insbesondere Straumann (+6,4%). Der Zahnimplantate-Hersteller hat mit seinen Zahlen die Schätzungen erreicht, hat daneben aber auch noch Einstieg in die Kieferorthopädie vermeldet. Er übernimmt dazu den US-Anbieter ClearCorrect für einen Kaufpreis von rund 150 Mio USD.

Unter Druck nach Zahlen sind derweil Kudelski (-6,3%). Der Westschweizer Verschlüsselungsspezialist musste aufgrund von höheren Abschreibungen sowie höheren Material-, Finanzierungs- und Personalkosten. Zahlen gab es auch von Cicor (+3,8%), BCV (+0,5%), Bell (+0,2%), Bank Linth (-0,2%), SGKB (-0,4%), Ascom (-0,8%), Hochdorf (-2,7%) sowie Cham Paper (ungehandelt).

Weiter im Aufwind stehen Tecan (+3,6%). Der Laborausrüster hatte bereits am Vortag nach Zahlen deutlich zugelegt und profitiert jetzt von diversen positiven Kommentaren und Einschätzungen. Ein Kaufempfehlung von Helvea stützt zudem Siegfried (+3,7%).

uh/ys

(AWP)