Aktien Schweiz Eröffnung: Roche fallen nach Asco stark zurück - SMI unter Druck

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag nach dem verlängerten Pfingstwochenende mit deutlichen Kursverlusten gestartet. Dies liegt an der markant unter Druck stehenden Roche Bons, die gegen ein Fünftel der SMI-Marktkapitalisierung auf die Waage bringen. Der Pharmakonzern hat an dem Onkologiekongress Asco vom Pfingstwochenende mit den Daten aus der vielbeachteten Aphinity-Studie nicht überzeugt. Die Vorgaben von der Wall Street, wo am Montag gehandelt wurde, sind ebenfalls wenig berauschend.
06.06.2017 10:15

Zu Reden geben die Spannungen auf der arabischen Halbinsel sowie vor allem der Terroranschlag in London von Samstagabend. Das Attentat hatte am Montag die Anleger in London, Paris und Mailand verunsichert und zu Kursverlusten geführt. Im Blick ist auch bereits die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Analysten rechnen mit Signalen für eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik. Ebenfalls am Donnerstag stehen die Parlamentswahlen in Grossbritannien auf dem Programm, am Wochenende jene in Frankreich. Daneben könnte die politische Unsicherheit in den USA angesichts der angesetzten Anhörung des entlassenen FBI-Chefs James Comey wieder zunehmen.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 09.30 Uhr 0,77% auf 8'974,62 Punkte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,59% auf 1'415,46 Zähler nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,66% auf 10'222,31. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Minus, fünf im Plus und Dufry als einziger unverändert.

Aus dem Rahmen fallen Roche mit einem Kursverlust von 4,3%. Der Pharmakonzern sorgt für lange Nasen unter den Investoren, denn die hohen Erwartungen an die Aphinity-Daten wurden verfehlt. Viele Experten hatten sich eine bessere Wirksamkeit des Brustkrebsmedikaments Perjeta in Kombination mit dem ebenfalls von Roche vermarkteten Präparat Herceptin erhofft. Es treffen bereits die ersten Kurszielsenkungen und Rückstufungen (durch Bryan Garnier) ein. Die HSBC-Analysten beispielsweise senken ihre Schätzungen zu den Spitzenumsätzen für Perjeta auf 4,0 Mrd USD von 6,1 Mrd. Gravierender als der tiefere Umsatz sei aber, dass die Roche-Mittel nun bei der Behandlung von frühem Brustkrebs angreifbarer durch Biosimilars seien, heisst es.

Die Titel der Mitbewerberin Novartis (+0,2%) hingegen entziehen sich dem schwachen Marktrend. Die an der Asco vorgestellten Daten zu Tafinlar plus Mekinist in der Behandlung von Patienten mit metastasierendem Melanom zeigten eine längerfristige Wirksamkeit. Zudem kündigte der Konzern eine Zusammenarbeit mit IBM Watson Health bei Brustkrebs an. Im bisherigen Jahresverlauf blieben Novartis jedoch bislang klar hinter Roche zurück.

Neben diesen beiden Spezialsituationen halten sich die Kursbewegungen bei den übrigen Blue Chips eher in Grenzen. Im Segment der Zykliker verzeichnen ABB (-0,8%) die prozentual grössten Verluste, gefolgt von LafargeHolcim und Adecco (je -0,4%). Die Aktie des Industriekonzerns ABB verzeichnete in der Vorwoche unter den SMI-Werten noch die stärksten Avancen und war in den Bereich des Mitte Mai markierten Mehrjahreshochs gestiegen.

Etwas ausgeprägter sind die Verluste auch bei der zumeist recht volatilen Aktie des Nahrungsmittelherstellers Aryzta (-1,5%) und bei den Grossbankenwerten CS (-0,8%). UBS und Julius Bär - die beiden anderen SMI-Bankenwerte - fallen mit Abgaben von jeweils 0,5% nicht gross auf. In der Vorwoche hatten die drei Titel im SMI am schlechtesten abgeschnitten.

Eine grosse Stütze sind hingegen die schwerkapitalisierten Nestlé, die mit Aufschlägen von 0,4% aktuell bester Blue Chip sind. Spezifische News waren bislang nicht auszumachen. Händlern zufolge lagen die Titel des weltgrössten Nahrungsmittelherstellers bereits die letzten Wochen recht gut im Markt. Gesucht sind auch Sonova (+0,1%), die im frühen Handel ein neues Mehrjahreshoch erreichten und im bisherigen Jahresverlauf stark abschneiden.

Am breiten Markt fallen Burckhardt Compression um 7,5% zurück. Der Winterthurer Industriekonzern hat im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Bestellungs- und Gewinneinbruch erlitten und zeigt sich im Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung zurückhaltend. Grössere Verluste verzeichnen noch Lumx (-4,2%).

Bei den Gewinnern haben Myriad nachrichtenlos mit +13,6% die Nase vorn. Auch Meyer Burger (+3,4%) und Tornos (+3,0%) werden klar höher gehandelt.

cp/uh

(AWP)