Aktien Schweiz Eröffnung: SMI fällt unter 9'000 zurück - Clariant im Fokus

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Dienstag mit tieferen Kursen in die Sitzung gestartet. Damit wird der starke Start ins zweite Semester mit einem Plus des SMI vom Vortag bereits wieder etwas relativiert. Im Fokus bleibt für den Leitindex der seit Mai andauernde Kampf um die Marke bei 9'000 Punkten. Die Vorgaben der Wallstreet sind nach einem verkürzten Handel wenig aussagekräftig und am Berichtstag bleiben Impulse aus den USA wegen des dortigen Nationalfeiertags gänzlich aus. Für Unterhaltung sorgen Clariant, wo ein neuer Investor aufgetreten ist, welcher die Fusion mit Huntsman verhindern will.
04.07.2017 09:55

Mit einer gewissen Spannung warten die Investoren auf eine Rede des EZB-Chefökonomen Peter Praet in Rom, von der man sich weitere Anzeichen auf einen allfälligen "Einstieg in den Ausstieg" erhofft. Insgesamt bleibe die Stimmung auf dem Börsenparkett aber verhalten und positive Impulse fehlten, meinte eine Stimme im Handel. Die Enttäuschungen über Trumps fehlende Taten, sich wieder langsam zudrehende Geldhähne der Notenbanken und zudem ein starker Euro dürften Europas Börsen in einen schwierigen Sommer treiben.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,27% tiefer bei 8'985,58 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 0,13% auf 1'422,5 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,28% auf 10'205,33 Punkte. Unter den 30 wichtigsten Titeln überwiegen die Verlierer die Gewinner im Verhältnis 2:1.

Demgegenüber verweist die Credit Suisse in einem Kommentar darauf, dass der SMI nicht-dividendenberichtigt im ersten Halbjahr um rund 13% zugelegt habe und damit mehr als der globale Benchmark. Sie behält deshalb ihre positive Einschätzung gegenüber Schweizer Aktien bei, auch wenn die Bewertungen nicht mehr so attraktiv seien wie zu Jahresbeginn. Die hiesigen Aktien seien aber im Fall von Marktverwerfungen wegen Wachstums-Sorgen bezüglich der Weltwirtschaft besser gegen unten abgesichert als andere Märkte.

Clariant sind am Berichtstag mit einem Plus von 3,5% gegen den fallenden Gesamttrend klarerer Outperformer. Der Grossaktionär White Tale will den geplanten Zusammenschluss von Clariant mit dem in etwas gleich grossen US-Mitbewerber Huntsman verhindern. Mit einem Stimmenanteil von 7,2% ist die aus dem Hedgefonds Corvex und Standard Industries zusammengesetzte Aktionärsgruppe nicht mehr länger ein Leichtgewicht.

Ein Analyst zeigte sich wenig überrascht über den Einstieg des für seine aktive Einflussnahme bekannten Finanzinvestors. Seines Erachtens haben die Firmenverantwortlichen von Clariant in den letzten Jahren exzellente Arbeit geleistet und das Unternehmen zu einem hochmargigen Spezialitätenhersteller heranwachsen lassen. Der geplante Zusammenschluss mit Huntsman würde diese Transformation nun wieder verwässern, so seine Ansicht. Ein weiterer Kommentator meinte, dass nach dem Einstieg von White Tale eine Gegenofferte eines grossen Chemieherstellers wahrscheinlicher sei als bisher.

Etwas fester zeigen sich daneben auch Lonza (+1,0%) oder die beiden Grossbanken UBS (+0,3%) und CS (+0,6%). Letztere erhalten durch eine Aufstufung durch die Société Générale auf "Hold" von "Sell" etwas Rückenwind. Mit der neuen, Ende April bekannt gegebenen, Strategie adressiere die Grossbank die Sorgen der Märkte, lautet ein Teil der Begründung.

Die Mehrheit der Aktien gibt aber wie eingangs erwähnt nach, allen voran Schindler, Dufry und Nestlé (je -0,9%), welche sich damit weiter vom Allzeithoch vom vergangenen Montag entfernen.

Bâloise (-0,7%) leiden unter einer Rückstufung durch HSBC auf "Reduce" anlässlich einer Studie zu den Versicherungen. Die Aktie habe sich zuletzt besser als der Sektordurchschnitt entwickelt und es gebe auf dem aktuellen Bewertungsniveau eher Abwärtsrisiken, hiess es dazu.

Die beiden Pharmaschwergewichte Novartis (-0,2%) und Roche (+0,1%) stehen uneinheitlich.

Im breiten Markt ziehen Dormakaba nach der Ankündigung einer kleineren Akquisition in Australien um 0,2% an. Cham Paper verteuern sich sogar um +1,6%, nachdem das Unternehmen erste Angaben zum ersten Semester publiziert hat. AMS fallen nach dem Abschluss der Übernahme von Princeton Optronics dagegen um 2,2% zurück.

cf/rw

(AWP)