Aktien Schweiz Eröffnung: SMI legt mit Nestlé und UBS weiter zu

Der Schweizer Aktienmarkt steigt am Freitag mit der Unterstützung von Nestlé und UBS nach dem Rally vom Vortag weiter in die Höhe. Im frühen Geschäft verteidigte der Leitindex SMI die zurückgewonnene Marke von 9'200 Punkten, ehe es weiter nach oben ging. Nach wie vor sorge die EZB für gute Stimmung, die nach einem sanften Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik suche, heisst es im Handel. Die EZB hatte am Donnerstag eine massvolle Reduktion der Anleihenkäufe angekündigt und das Programm um mehrere Monate verlängert.
27.10.2017 10:15

EZB-Chef Mario Draghi sei das Kunststück gelungen, den Fuss in der Geldpolitik etwas vom Gaspedal zu nehmen und trotzdem den Euro in die Tiefe zu schicken, so ein Händler. Das sei am Markt gut aufgenommen worden. Derweil tragen starke Zahlen von US-Technologiekonzernen sowie eine gewisse Entspannung im Katalonien-Konflikt zur guten Stimmung bei. Aus konjunktureller Sicht rückt am Nachmittag die Vorabschätzung zum US-BIP im dritten Quartal in den Fokus, während hierzulande Zahlen der UBS und von LafargeHolcim unterschiedlich gut aufgenommen werden.

Der SMI gewinnt um 09.30 Uhr 0,42% auf 9'238,85 Punkte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) legt um 0,27% auf 1'507,48 Stellen zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,39% auf 10'584,24 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Plus, fünf im Minus und Partners Group unverändert.

UBS stehen mit einem Plus von 2,0% an der Spitze der Blue Chips. Der Grossbank habe im dritten Quartal in einem schwachen Umfeld ein sehr gutes Ergebnis erzielt, so ein Analyst. Die Gruppe scheine die Kosten im Griff zu haben, während einmal mehr das Geschäft in Asien eine gute Performance zeige. Die in Brasilien erzielte Einigung im Rechtsfall um die 2009 verkaufte Banco UBS Pactual wird nur als Randnotiz wahrgenommen.

Im Finanzsektor rücken Credit Suisse um 0,4% vor, während die Versicherer Zurich und Swiss Re mit 0,3 und 0,1% etwas höher tendieren. Für den Rückversicherer hat die CS das Rating auf "Neutral" angehoben. Der Analyst glaubt, dass die Swiss Re trotz hoher Schadenskosten aus Wirbelstürmen am geplanten Aktienrückkauf festhält. Das Zurich-Kursziel wurde von Citigroup angehoben.

LafargeHolcim büssen nach Vorlage von Zahlen deutliche 3,1% ein. Der Zementkonzern blickt auf ein durchwachsenes drittes Quartal zurück und hat die Guidance für das laufende und auch das kommende Jahr reduziert. Als Grund wird die sich abschwächende Geschäftsdynamik genannt. Weiter gab LafargeHolcim bekannt, dass man mit Pretoria Portland Cement aus dem südlichen Afrika Gespräche über eine mögliche Transaktion führt.

Noch stärker rutschen Clariant (-4,5%) ab. Das Spezialchemieunternehmen muss die mit dem US-Mitbewerber Huntsman geplante Fusion abblasen. Die Aktionärsgruppe White Tale, die gegen den Deal opponiert hat, baute ihren Anteil auf 20% aus und konnte weitere Anleger auf seine Seite ziehen. Damit wäre es schwierig geworden, an einer GV die für die Fusion notwendige Zweidrittel-Mehrheit zusammenzubekommen. Mit der Absage geht bei Clariant die Fusionsfantasie verloren.

Nestlé (+1,4%) bieten dem Gesamtmarkt wie bereits am Vortag eine kräftige Stütze. Am Markt gehen Gerüchte um einen teuren Verkauf des Süsswarengeschäfts um. Dagegen bewegen sich Novartis (+0,1%) und Roche (-0,1%) kaum von der Stelle. Am Freitag wurde bekannt, dass die Europäische Medikamentenbehörde EMA das Biosimilar Pegfilgrastim der Novartis-Tochter Sandoz für eine Prüfung akzeptieren will, was am Markt wenig Beachtung findet. Roche stellt in Paris neue Daten zum MS-Medikament Ocrevus (Ocrelizumab) vor.

Sika (-0,5%) büssen einen Teil der am Donnerstag erzielten Gewinne ein. Es wurde bekannt, dass Saint-Gobain nach jahrelangem Streit um die Übernahme der Bauchemiefirma an seinem Vorhaben festhält und die Kaufvereinbarung mit der Mehrheitsaktionärin bis Ende Juni 2018 verlängert hat.

Im breiten Markt steigerte der Spinnereimaschinenhersteller Rieter (Aktie: -1,6%) den Umsatz nach neun Monaten über Erwarten deutlich. Die Aktie leidet aber unter Gewinnmitnahmen. Leonteq büssen 2,5% ein. Mitgründer Jan Schoch steigt nun vollständig aus dem Finanzunternehmen aus und verkaufte seine Aktien, nachdem er Anfang Oktober bereits seine Führungspositionen abgegeben hatte.

mk/tp

(AWP)