Aktien Schweiz Eröffnung: Verluste - Julius Bär nach Collardi-Knall schwach

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Montag mit tieferen Kursen auf breiter Front in die Sitzung gestartet. Nach der starken Vorwoche werden die jüngsten Gewinne damit vorerst konsolidiert. Mit der Bewegung hin zu einer grossen Koalition in Deutschland, dem dortigen starken ifo-Index und dem verheissungsvollen Start ins Weihnachtsgeschäft am "Black Friday" sei die Stimmung zuletzt nicht schlechter geworden, hiess es in Börsenkreisen. Nach wie vor treibe aber die Marktteilnehmer die Frage um, ob sich ein Einstieg bei den Schweizer Aktien im Hinblick auf ein Jahresendrally noch lohnt.
27.11.2017 10:15

Und die Meinungen gehen dabei naturgemäss auseinander. Während dies von vielen weiterhin bejaht wird, verklingen auch die Stimmen nicht, welche vor einem Rückschlag warnen. Die Stimmung unter den Investoren neige zur Euphorie, was keine gute Voraussetzung für die Aktienmärkte sei, heisst es im Handel. Ausserdem habe es zuletzt aus charttechnischer Sicht verschiedene "Hindenburg-Omen" gegeben, was auf eine bevorstehende stärkere Korrektur hinweisen könnte.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 0,11% tiefer bei 9'315,52 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gibt 0,26% auf 1'493,53 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,17% auf 10'670,38 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 19 im Minus, 8 im Plus und 3 unverändert.

Für Gesprächsstoff sorgt ein Chefwechsel bei Julius Bär, was die Aktie (-3,9%) stark unter Druck setzt. Der bisherige CEO Boris Collardi gab abrupt seinen Abgang bekannt. Er wechselt zur Bank Pictet, wo er als Co-Head des Global Wealth Management tätig sein wird. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Chief Risk Officer Bernhard Hodler ernannt. Mit Baader Helvea hat bereits ein Institut die Aktie auf "Hold" von "Buy" zurückgenommen. Allgemein wird die für die Bank wichtige Personalie als Überraschung bezeichnet. Negativ zu werten sei, dass Collardi zu einem direkten Konkurrenten von Julius Bär wechsle, hiess es.

Ebenfalls im Fokus stehen Aryzta, welche nach der Publikation der Umsatzangaben für das erste Quartal (August bis Oktober) gegen den negativen Trend 1,9% zulegen und damit die Tabellenspitze einnehmen. Das Backwaren-Unternehmen hat zwar einen Umsatzrückgang verzeichnet, dieser ist allerdings etwas geringer ausgefallen als befürchtet. Dies könnte die Investoren für die Aktie milde stimmen, hiess es in einem ersten Kommentar.

Hinter Bär büssen Swatch (-1,3%), Sonova (-0,9%) oder Richemont (-0,8%) leicht überdurchschnittlich an Terrain ein. Auch CS (-0,4%) und UBS (-0,3%) entziehen sich dem negativen Trend nicht. Zu UBS tauchten in der Wochenendpresse Spekulationen auf, die Bank könnte möglicherweise an Teilen des Geschäfts der deutschen Commerzbank interessiert sein.

Zurich (-0,5%) verlieren in ähnlichem Mass wie die Grossbanken, dies nach einem Interview mit CEO Mario Greco in der Sonntagspresse. Etwas gebremst wird die Aktie wohl aber vor allem durch eine Rückstufung auf "Neutral" von "Overweight" durch JPMorgan.

ABB fallen mit einem Minus von 0,4% nicht gross auf. Der Industriekonzern hat eine Partnerschaft mit Kawasaki Heavy Industries im Bereich der kooperativen Roboter abgeschlossen.

Im allgemein zurückhaltenden Stimmungsumfeld zum Wochenstart stützen die defensiven Novartis und Nestlé (je +0,1%) sowie Roche (+0,4%) nach unten etwas ab. Zusammen mit Roche und Aryzta bilden Schindler (+0,5%) das Spitzentrio. Schindler hat in Japan im Zusammenhang mit einem Unfall einen Vergleich abgeschlossen.

Im breiten Markt stehen Bucher Industries etwas im Rampenlicht, auch hier nach einem Wechsel in der Konzernleitung, die Aktie gibt in der Folge um 0,8% nach. Finanzchefin Christina Johansson hat ihren Weggang per Ende Jahr angekündigt, um sich neu zu orientieren. Mit Manuela Suter wurde eine interne Lösung als Nachfolgerin gefunden, was in ersten Kommentaren positiv gewertet wurde.

Deutlich unter Druck geraten Meyer Burger (-3,8%). Der Solarzulieferer hat angekündigt, dass er eine Wandelanleihe vorzeitig wandeln wolle. Dafür bietet das Unternehmen einen Incentive Betrag von 250 CHF in bar je 5'000 CHF Nominalwert der Wandelanleihe.

Walter Meier fallen nach der Bekanntgabe des neuen Namens "Meier Tobler" und der Ankündigung eines Verlustes im Gesamtjahr um 1,1% zurück.

VAT (+2,3%) erhalten von einer Aufstufung auf "Buy" von "Hold" durch Berenberg Unterstützung.

cf/rw

(AWP)