Aktien Schweiz Eröffnung: Breite Erholung nach jüngsten "Brexit"-Abgaben

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag zu einer breit gefassten Erholungsbewegung angesetzt. Zuvor hatten die Märkte weltweit nach dem Brexit-Votum an zwei Tagen in Folge zum Teil drastische Kursverluste erlitten. Die Vorlage kommt aus Asien, wo sich die Aktienmärkte zuletzt stabilisiert haben, genau wie das Pfund Sterling. Entspannungssignale kommen auch von den Rohstoffmärkten, legt doch der Goldpreis nicht weiter zu.
28.06.2016 10:10

Gleichwohl herrsche an den Finanzmärkten weiter Verunsicherung, heisst es im Handel. Der Ausstiegsprozess der Briten könnte wochen- oder gar monatelang auf den Märkten lasten. In der Schweiz stehen zudem Nestlé im Fokus nach einer überraschenden Ernennung eines Externen zum neuen CEO. Die Blicke richten sich zudem auf Konjunkturdaten. In den USA stehen unter anderem der Case-Shiller-Hauspreisindex sowie Daten zur Verbraucherstimmung auf der Agenda.

Der Swiss Market Index (SMI) legt um 9.30 Uhr 2,10% auf 7'754,03 Zähler zu. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 2,36% auf 1'147,50 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,08% auf 8'347,94 Zähler. Alle 30 Blue Chips notieren in der Gewinnzone.

Die zuletzt stark gebeutelten Bankaktien zeigen eine starke Gegenreaktion. So werden Credit Suisse 2,7%, Julius Bär 3,2% und UBS 2,8% höher bezahlt. HSBC hat für alle drei Papiere das Kursziel gesenkt und den Schritt mit dem "Brexit" begründet. Der UBS droht zudem im Steuerstreit mit Frankreich ein Gerichtsverfahren. Die französische Staatsanwaltschaft beantragte einen Prozess wegen Beihilfe zum Steuerbetrug. Die zuständige Behörde hat nun einen Monat Zeit, um darüber zu entscheiden.

Stark nach oben geht es aber vor allem bei der Assekuranz, wo sich Swiss Re um 3,0% und Zurich Insurance um 3,5% verteuern. Die beiden "kleineren" Branchenvertreter Swiss Life (+3,4%) und Bâloise (+3,3%) stehen dem in nichts nach.

Auch die zyklischen Aktien standen seit Freitag unter hohem Abgabedruck. Am Dienstag nun werden Swatch (+3,4%), LafargeHolcim (+3,1%), Aryzta (+3,1%), Richemont (+3,0%), Adecco (+2,3%) sowie Kühne+Nagel (+2,3%) wieder gekauft. ABB (+1,6%) halten hingegen nach einer Kurszielsenkung durch Barclays nicht ganz Schritt.

Nestlé ziehen um 2,6% an. Der Nahrungsmittelkonzern hat für alle überraschend mit dem Deutschen Ulf Mark Schneider einen Externen zum neuen CEO berufen. Dieser war zuletzt CEO des Gesundheitsunternehmens Fresenius. Damit signalisiert Nestlé nach Ansicht von Beobachtern, wo künftig stärkere Akzente gesetzt werden sollen. Bereits der 2015 neu zu Nestlé gestossene CFO François-Xavier Roger sei aus der Pharmabranche gekommen.

Gut halten sich auch die Pharma-Schwergewichte Roche (+1,5%) und Novartis (+1,3%). Novartis verstärkt mit einem Lizenzabkommen mit der amerikanischen Xencor sein Immun-Onkologieportfolio. Roche wiederum hat von den beiden Zulassungsbehörden FDA in den USA und der EMA in Europa grünes Licht für seinen Antrag für das Mittel Ocrevus in der Behandlung von Multipler Sklerose erhalten. Ocrevus wäre das erste Präparat, dass für beide MS-Formen zugelassen würde.

Unter dem Markt liegen auch weitere defensive Titel wie Actelion (+1,7%) und Galenica (+2,0%), während sich Swisscom relativ deutlich um 2,7% verteuern.

Im breiten Markt steigen Ypsomed um 4,8%. Der Medizinaltechnikkonzern kooperiert mit der dänischen Novo Nordisk in der Insulintherapie. Damit erschliesst sich den Burgdorfern laut Analysten ein längerfristig interessantes Wachstumspotenzial.

Der Aussenwerber APG (Aktie: +4,7%) meldete den Verkauf einer Immobilie, was den Gewinn um rund 18 Mio CHF aufblähen werde. Dank dieses Sondergewinns sei es nun denkbar, dass die Dividende noch höher ausfallen wird, kommentiert die ZKB. Bereits heute weise APG eine sehr hohe Dividendenrendite aus.

Die Ankündigung von Zehnder (Aktie: +1,1%), die Beteiligung an der chinesischen Lüftungsgesellschaft Shanghai Nather zu erhöhen, wird von Analysten ebenfalls begrüsst.

ra/rw

(AWP)