Aktien Schweiz Eröffnung: Das "Trump-Hoch" hält an - Banken deutlich fester

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt zieht auch am "ersten Tag nach Trump" an. Bereits gestern straften die Börsen allen Horrorszenarien auf Donald Trumps Überraschungssieg bei den US-Präsidentschaftswahlen Lügen und legten in einer späten Rally deutlich zu. Viele Marktakteure standen vor der Wahl in den USA an der Seitenlinie und müssen nun agieren, heisst es im Handel. Sonst verpasse man den Zug nach oben. Vor allem Bankaktien fallen mit hohen Gewinnen auf und am Devisenmarkt erholt sich auch der US-Dollar auf breiter Front von seinen Vortagesverlusten.
10.11.2016 10:12

Der Sieg Trumps sei von den meisten Akteuren als ungünstiger und risikoreicher gesehen worden, so Experten. Die Erkenntnis, dass er auch eine Chance sein könne, sei nun erstaunlich schnell gekommen. Die Börsen setzten nun auf Trumps Staatsausgaben, nachdem sich dieser in seiner Rede auf die Notwendigkeit von Investitionsausgaben fokussiert habe, um die Wirtschaft wieder zum Wachstum zu bringen. Mit Wohlwollen nahm man im Handel auch den versöhnlichen Tonfall Trumps bei seiner Siegesrede zur Kenntnis.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.30 Uhr 1,07% höher bei 7'982,65 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 1,69% auf 1'250,81 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,03% auf 8'727,05 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 24 im Plus und sechs tiefer.

Veritable Kurssprünge produzieren die beiden Grossbankenaktien Credit Suisse (+8,2%) und UBS (+6,8%), die gestern vor allem zu Handelsbeginn stark unter Druck gestanden hatten, bevor sie sich der allgemeinen Aufwärtstendenz angeschlossen hatten. Die Aktien haben im Jahresvergleich einen massiven Nachholbedarf, heisst es im Handel. Zudem wird mit den Wahlen in den USA argumentiert. Denn trotz aller populistischen Kritik an den Verbindungen Clintons zur Wall Street wolle Trump den Bankhäusern mehr Freiheiten geben. US-Medien erinnerten im Nachgang der Wahl daran, dass Trump das 2010 verabschiedete Dodd-Frank-Gesetz kippen will. Mit diesem wurden unter anderem der Eigenhandel von Banken mit Wertpapieren beschnitten und eine Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte geschaffen.

Nach Drittquartalszahlen ziehen die Papiere von Zurich Insurance um 1,9% an. Der Erstversicherer hat die Erwartungen der Experten mit seinen Gewinnzahlen nun bereits zum dritten Mal in diesem Jahr die Analystenerwartungen übertroffen. Zudem positionieren sich die Anleger für den mit Spannung erwarteten Investorentag von kommender Woche. Hier wird der seit Mai amtierende Chef Mario Greco seine künftige Unternehmensstrategie und die Dividendenpolitik benennen.

Die Papiere der anderen Versicherer stehen aber nicht viel nach: Swiss Re gewinnen 1,9% und Swiss Life gar 2,1%.

Im Rahmen des Gesamtmarkt bewegen sich die Pharma- und Gesundheitswerte, die bereits am Mittwoch haussiert hatten. Denn unter einer demokratischen Präsidentin Hillary Clinton wäre eine deutlich strengere Preisregulierung auf die Branche zugekommen. Roche und Novartis stehen am Donnerstag je 1,2% höher und Actelion gewinnen 0,8%.

Deutliche Gewinne verzeichnen auch zyklische Papiere wie Adecco (+2,3%), LafargeHolcim (+3,1%) und ABB (+1,5%). Einige defensive Werte lassen hingegen Federn: Nestlé büssen 1,2% ein und Swisscom 0,3%. Mit Givaudan geht es gar um 2,1% nach unten, nachdem die Citigroup die Einstufung für die Papiere auf "Sell" von "Neutral" gesenkt hat.

Im Fokus der Anleger stehen auch Syngenta (-0,4%), für den Agrochemiekonzern liegt eine Offerte von ChemChina vor. Nach der Wahl des "chinafeindlichen" Trump sehen einige Experten die Erfolgsaussichten des geplanten Deals nun etwas sinken.

Im breiten Markt steigen die Papiere des Telekomunternehmens Sunrise um 0,9%. Ebenfalls mit Quartalszahlen aufgewartet hat der Elektronik-Komponentenhersteller Lem (-3,7%).

Cosmo springen um 10,5% an. Das Pharmaunternehmen vermeldete den erfolgreichen Ausgang einer zulassungsrelevanten Studie mit seinem Präparat LuMeBlue, das für die Erkennung von Adenomen während der Darmspiegelung verwendet wird.

ra/tp

(AWP)