Aktien Schweiz Eröffnung: Deutliches Minus - Sehr schwache US-Vorgaben

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist am Montag mit klaren Verlusten in die neue Woche gestartet. Grund sind laut Händlern schwache Vorgaben aus den USA bzw. Aussagen eines Mitglieds der US-Notenbank Fed am Freitag, welche neue Befürchtungen über eine schnelle Zinserhöhung in den USA entfachten. Eric Rosengren, regionaler Notenbankchef von Boston, hatte sich nämlich gegen eine zu lang anhaltende lockere Geldpolitik ausgesprochen. Ansonsten drohe die US-Wirtschaft zu überhitzen, was eine umso raschere Zinsstraffung durch die Notenbank erfordern könne, meinte er.
12.09.2016 10:24

Die Aussagen rissen den US-Markt am Freitag aus wochenlanger Lethargie und führten beim Dow Jones Industrial zum grössten Tagesverlust seit dem Brexit-Votum. Die Äusserungen von Rosengren seien insofern beachtlich, da er normalerweise einer lockeren Geldpolitik zuneige, hiess es im Markt. Es gebe nun gewisse Befürchtungen, dass das Fed doch überraschend früher als erwartet die Zinsen ein weiteres Mal erhöhen könnte. Entsprechend schauen die Märkte mit Argusaugen auf Aussagen weiterer Fed-Mitglieder. Besonderes Augenmerk liege dabei auf der Rede von FOMC-Board-Mitglied Lael Brainard heute Abend - nach ihr beginnt dann das offizielle Redeverbot für Fed-Offizielle vor der September-Sitzung (21.9.).

Der Swiss Market Index (SMI) verliert um 9.30 Uhr 1,05% auf 8'177,62 Punkte. Die Volatilität gemessen am VSMI nimmt derweil deutlich zu (+14%). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 1,21% auf 1'243,62 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,17% auf 8'873,05 Punkte ein. Die 30 wichtigsten Titel notieren zur Berichtszeit alle im Minus.

Nachrichten von Unternehmensseite sind derweil zu Wochenbeginn eher spärlich. Aus dem SMI-Bereich hat einzig Swiss Re im Vorfeld einer Branchen-Veranstaltung in Monte Carlo über die erwartete Preisentwicklung informiert. Der Rückversicherer rechnet demnach mit einer Stabilisierung der seit einiger Zeit unter Druck stehenden Preise für Rückversicherungsdeckung. In Marktkreisen hiess es, dass es keine grosse Überraschungen gegeben habe am Treffen in Monte Carlo. Die Nachrichten werden allerdings tendenziell positiv aufgenommen, sind doch Swiss Re (-0,9%) im vorderen Teil des Feldes zu finden.

Unter deutlichem Druck stehen zu Beginn des Handelstages dagegen die Bankwerte im SMI. Sowohl die Papiere der Grossbanken CS (-2,1%) und UBS (-2,0%), wie auch diejenigen des Vermögensverwalters Julius Bär (-1,8%) sind jedenfalls bei den grössten Verlierern. Zum Teil dürfte es sich um Gewinnmitnahmen handeln, haben doch zumindest CS letzte Woche 4,5% zugelegt und waren damit grösster SMI-Wochengewinner.

Noch schwächer unter den 30 Blue Chips zeigen sich einzig noch die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (-2,5%), allerdings ohne konkrete News. Relativ deutliche Einbrüche verzeichnen ausserdem Sonova (-1,7%), Aryzta (-1,7%) oder einige Zykliker wie Adecco (-1,7%), ABB (-1,4%) oder LafargeHolcim (-1,4%).

Auch die defensiven SMI-Schwergewichte aus dem Pharmasektor bieten dem Markt keinen Halt. Die seit einigen Wochen anhaltende, schwache Phase hier scheint sich jedenfalls fortzusetzten. Bei Roche (-1,2%) belastet ausserdem der erwartete Verkauf der Inhaberaktien, die von Novartis (-0,9%) gehalten werden, das Sentiment. Nestlé (-0,6%) als grösster SMI-Wert halten sich etwas besser.

Bester Blue sind aktuell Swatch (-0,2%), die allerdings im bisherigen Jahresverlauf (-24%) alles andere als stabil waren. Der Konkurrent Richemont (-1,2%), der am Mittwoch Fünfmonatszahlen veröffentlichen wird, büsst in etwa durchschnittlich ein. Mit am stabilsten zeigen sich auch Syngenta (-0,4%), die weiter vom laufenden Übernahmeangebot von Chemchina gestützt werden.

Im breiten Markt sind Kudelski (+0,5%) bei den Top-Werten. Die Tochter Nagra hat nämlich vor einem US-Gericht in einem Rechtsstreit mit der chinesischen Gotech um Produktpiraterie einen Erfolg erzielt und eine Schadenersatzzahlung von 101 Mio USD zugesprochen erhalten. Relativ stark präsentieren sich ausserdem APG (+1,3%) oder Walter Meier (+1,0%), während Wisekey (-7,5%), Leonteq (-3,7%) oder Ams (-3,7%) deutlicher unter die Räder geraten.

Für etwas Gesprächsstoff sorgt ausserdem eine IPO-Ankündigung. Das Biopharmazie-Unternehmen Adienne will den Gang an die SIX wagen, wobei allerdings ausser der Absichtserklärung noch keine Details genannt wurden.

uh/ra

(AWP)