Aktien Schweiz Eröffnung: Erholung geht weiter - Banken diesmal dabei

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist am Mittwoch mit Gewinnen auf breiter Front gestartet und setzt damit die am Vortag eingeleitete Erholungsbewegung fort. Nach dem Brexit-Schock scheint sich die Lage somit vorerst weiter zu beruhigen. Das britische Pfund zeigte sich zuletzt stabil und auch der Schweizer Franken hat sich zum Euro weiter abgeschwächt. Entspannungssignale kommen auch von den Überseebörsen.
29.06.2016 10:15

Die Unsicherheit bleibt nach dem EU-Aus der Briten allerdings hoch. Händler warnen daher vor zu viel Optimismus. Die Kursverluste nach dem Brexit-Votum hätten auch Einstiegschancen geschaffen. Die Stimmung könne allerdings jederzeit wieder kippen. Am Mittwoch richten sich die Blicke der Investoren auf die Tagung der 27 EU-Regierungschefs, die sich vor allem mit der Zukunft Europas befassen werden. Auf der Konjunkturseite stehen am Vormittag Angaben zum Wirtschafts-, Industrie- und Konsumentenvertrauen in der EU auf dem Programm, die durch die Realität des Brexit allerdings zur Makulatur geworden sind. Am Nachmittag werden in den USA Angaben zu den Konsumausgaben und dem Immobilienmarkt erwartet.

Der Swiss Market Index (SMI) legt um 9.30 Uhr 1,07% auf 7'857,30 Zähler zu. Am Vortag war er bereits um 2,36% gestiegen. Die vom Brexit ausgelösten Verluste am Freitag und Montag kamen insgesamt bei 5,5% zu liegen. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 1,12% auf 1'156,91 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,06% auf 8'487,25 Zähler. Von den 30 Blue Chips stehen 26 im Plus und vier im Minus.

Die grössten Gewinne verzeichnen die beiden Grossbankenwerte CS und UBS (je +2,9%), die an der kräftigen Erholung am Vortag nicht teilgenommen hatten. Mit dem Brexit-Votum waren die Titel heftig unter die Räder gekommen. Auch europaweit zeigt der Banksektor einen starken Lauf. Die Ungewissheit sei für die gesamte Finanzindustrie aber weiterhin sehr gross, hiess es im Handel.

Auch LafargeHolcim (+1,7%) gewinnen deutlich dazu. Bereits am Vortag hatten die Titel überdurchschnittlich zugelegt. Aufgrund eines relativ bedeutenden Geschäftsanteils in Grossbritannien standen die Aktien des Zementherstellers zuletzt allerdings überdurchschnittlich unter Druck. Das Erholungspotential ist dementsprechend gross. Bei den Versicherern haben wie bereits am Vortag Zurich die Nase vorn (+2,1%).

Geberit (+0,4%) kommen nicht in Fahrt. Der Sanitärtechnikkonzern trennt sich von der Koralle Gruppe mit einem Umsatz von 40 Mio EUR, die er im Rahmen der Sanitec-Akquisition im Jahr 2015 übernommen hatte. Der Verkauf werde einen kleinen, aber positiven Effekt auf die Margen und die Profitabilität haben, so die Vontobel-Experten. Käufer ist der Bauzulieferer AFG (Aktien +0,8%).

Einen starken Lauf haben auch die defensiven Pharmatitel Actelion (+2,2%) sowie Galenica (+1,9%).

Nestlé (+0,8%) entwickeln sich leicht unterdurchschnittlich. Am Vortag allerdings, als ein Wechsel an der operativen Konzernspitze angekündigt wurde, hatten die Titel einen starken Lauf und über 3% zugelegt.

Bei den wenigen Verlierern verzeichnen Dufry mit -2,8% die mit Abstand grössten Verluste. Hier belastet eine Analystenstudie. JPMorgan senkte das Rating in Folge des Brexit auf "Underweight". Aufgrund des hohen Umsatzanteils in Grossbritannien reduzierten die Analysten ihre Gewinnschätzungen.

Auch die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Richemont (-1,0%) und Swatch (-0,8%) stehen unter Druck. Für Richemont senkten sowohl HSBC als auch Goldman Sachs das Rating (auf "Hold" bzw. "Neutral"). Swatch wird von den HSBC neu mit "Reduce" eingestuft. Die Unsicherheit bezüglich des Konsumverhaltens ist mit dem Brexit nicht kleiner geworden. Im Zuge des Brexit-Schocks waren beide Aktien auf neue Mehrjahrestiefststände gefallen. Zu den Verlierern gehören auch Aryzta (-0,1%).

Im breiten Markt sind GAM (+4,5%) im Blick. Der Vermögensverwalter übernimmt die britische Cantab Capital Partners mit verwalteten Vermögen von 4,0 Mrd USD. Mit der Übernahme ziele GAM auf den Zugang zu neuen Technologien sowie zu anderen Anlageklassen ab, so Vontobel. In Händlerkreisen werden die Kursgewinne allerdings weniger mit der Übernahme in Zusammenhang gebracht. Vielmehr sei eine Sektorerholung zu sehen, denn auch EFG (+2,1%) oder Leonteq (+3,0%) sind gesucht.

Helvetia-Aktien (+1,2%) fallen nach dem angekündigten Stabwechsel an der Firmenspitze nicht auf. Für die Analysten der ZKB kommt die Ankündigung zwar etwas überraschend. Mit Philipp Gmür sei jedoch ein würdiger Nachfolger für Stefan Loacker als Gruppen-CEO gefunden worden.

cp/tp

(AWP)