Aktien Schweiz Eröffnung: Kaum verändert - Impulse fehlen

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit etwas höheren Kursen eröffnet, liegt nun aber nur noch auf Vortagesniveau. Nachdem EZB-Chef Mario Draghi mit seinen Äusserungen die Kurse am Donnerstagnachmittag durchgeschüttelt hatte, gönnten sich die Anleger am Tag des kleinen Optionsverfalls vorerst einmal eine Verschnaufpause, meint ein Händler. Etwas belastend wirkten die weiterhin rückläufigen Ölnotierungen, doch fehle es insgesamt an marktbewegenden Impulsen.
21.10.2016 10:15

Mario Draghi hatte am Vortag mit der Aussage für Unruhe gesorgt, wonach der EZB-Rat weder über eine Verlängerung des bis mindestens März 2017 laufenden Anleihenkaufprogramms noch über eine Reduktion des Umfangs bzw. über ein "Tapering" diskutiert habe. Am Ende hätten die Anleger wohl eine zeitliche Ausdehnung der milliardenschweren Anleihekäufe als wahrscheinlicher gehalten als ein baldiges Ausklingenlassen des Programms, begründete ein Händler die gestrige Aufwärtsbewegung an der Börse kurz vor Handelsschluss.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert bis um 09.30 Uhr nur um 0,01% tiefer auf 8'068,46 Punkte und liegt damit nahe am Schlussstand der Vorwoche (8'090 Punkte). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt unwesentlich um 0,03% auf 1'244,97 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) liegt mit 8'809,66 Stellen in etwa auf dem Stand des Vortages. Von den 30 wichtigsten Titel notieren 19 im Plus, zehn im Minus und Nestlé unverändert.

Zu Reden geben erneut Actelion (-3,2%), welche die gestrigen Gewinnmitnahmen (-6,5%) noch deutlich ausweiten. Der Aktienkurs habe auf die eigentlich ausgezeichneten Quartalsresultate überraschend negativ reagiert, meint ein Analyst. Allerdings habe die Kurs-Performance der Actelion-Aktie den SMI auch im 2016 bislang deutlich übertroffen. Im Anschluss an die Zahlenvorlage haben etwa HSBC oder Jefferies das Kursziel reduziert.

Kursgewinne sind dagegen etwa bei den Aktien der Grossbanken Credit Suisse (+0,5%) und UBS (+0,3%) zu sehen. Damit zeichnet sich eine äusserst erfolgreiche Börsenwoche für die Banken ab. Laut Agenturmeldungen hatte sich der Staatssekretär für internationale Finanzfragen, Jörg Gasser, zuletzt in Treffen mit amerikanischen Behörden und der US-Notenbank für die beiden Grossbanken stark gemacht und die Auswirkungen möglicher Strafzahlungen wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aufgezeigt.

Ebenfalls fester liegen bei den Blue Chips Aktien wie Aryzta (+1,1%) oder Sika (+0,6%) im Trend. Derweil erholen sich die Roche-Genussscheine mit +0,1% kaum von den Kursverlusten des Vortages. Nach der Zahlenvorlage haben mit HSBC, Kepler, Natixis und der Deutschen Bank einige Institute ihre Kursziele für den Pharmatitel gesenkt. Die Umsatzzahlen seien insgesamt zwar in Ordnung gewesen, allerdings habe das Medikament Avastin eine klare Schwäche in den USA gezeigt, heisst es etwa bei HSBC.

Auch Nestlé (unv.) bewegen sich nach den gestrigen Einbussen kaum vom Fleck. Im Anschluss an die Umsatzzahlen passten HSBC, Kepler Cheuvreux und Barclays ihre Price Targets leicht an, wobei die beiden letzteren die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns weiterhin als kaufenswert erachten. Mit der Wachstumsenttäuschung im dritten Quartal sei wohl der Tiefpunkt erreicht worden, schreibt etwa Kepler-Analyst Jon Cox. Er erwartet im vierten Quartal eine Wachstumsbeschleunigung. Das dritte Schwergewicht Novartis gibt aktuell um 0,3% nach.

Im breiten Markt überzeugt der IT-Logistiker Also (+0,9%) die Anleger mit der für die ersten neun Monate gemeldeten Gewinnsteigerung. Und auch der Innerschweizer Farbmetrik-Spezialist Datacolor (noch kein Kurs) legte für das Geschäftsjahr 2015/16 klar bessere Kennzahlen mit deutlichen Margensteigerungen aus. Demgegenüber musste der Lausanner Finanz-Broker CFT (-0,6%) im dritten Quartal einen Umsatzrückgang hinnehmen.

Das Zuger Schraubenhandels- und Logistikunternehmen Bossard (Aktie: +2,2%) hat indessen mit der Übernahme von Arnold Industries die Präsenz im Nordosten der USA kräftig ausgebaut. Bereits Anfang 2015 sei mit dem Zukauf der Aero-Space Southwest ein wichtiger Schritt im Amerikageschäft erfolgt und Bossard setze nun die Strategie zur Festigung der US-Marktposition konsequent fort, schreibt die ZKB. Und bei Newron (+3,6%) wird die positive Reaktion der FDA zum Xadago-Zulassungsantrag gut aufgenommen.

Bell fallen um 2,8% zurück, nachdem bekannt wurde, dass der Fleischverarbeiter Ende 2017 die Frischfleischproduktion in Cheseaux bei Lausanne schliesst.

mk/cp

(AWP)