Aktien Schweiz Eröffnung: Kurseinbruch - Brexit belastet Banken und Zykliker

(Ergänzt und aktualisiert)
24.06.2016 10:01

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit Blick auf den bevorstehenden Austritt Grossbritanniens aus der EU britischen Bevölkerung mit deutlichen Kursverlusten eröffnet. Der Leitindex SMI rutschte mit den schwachen Vorgaben aus Asien und im Sog des Kurseinbruchs an den europäischen Börsen sogleich um beinahe 550 Punkte ab, setzte sich in der Folge jedoch vom Tagestief etwas ab. Mit den grossen konjunkturellen Unsicherheiten geben auch die Ölpreise stark nach, während Gold sich einer steigenden Nachfrage erfreut.

Die Anleger wurden von der britischen Bevölkerung auf dem falschen Fuss erwischt. "Alle sind falsch positioniert", sagte ein Händler. "Keiner hat damit gerechnet, dass die Briten wirklich austreten. Jetzt gibt es immensen Absicherungsbedarf." Der Entscheid sei ein schwerer Schlag für die EU und werde vor allem die britische Wirtschaft stark belasten, meinen Ökonomen zum Brexit. Nun müsse Europa die Verhandlungen mit Grossbritannien vorantreiben und alles unternehmen, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, lautet die Forderung. Bereits hat Premier David Cameron seien Rücktritt für Oktober angekündigt, um den Weg für eine neue politische Führung frei zu machen.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst gegen 9.30 Uhr 4,68% auf 7'647,67 Punkten ein, liegt damit aber über dem im frühen Geschäft erreichten Tagestief von 7'476 Stellen. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert zum Berichtszeitpunkt 5,75% auf 1'151,06 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 4,70% auf 8'275,03 Zähler. Die 30 Blue Chips liegen allesamt im Minus.

Mit der an den Finanzmärkten rapide gestiegenen Unsicherheit nimmt auch die Volatilität zu. Der Schweizer Volatilitätsindex VSMI klettert um 6,1% auf 26,94 Punkte in die Höhe. Derweil gewinnt der Schweizer Franken zum Euro weniger deutlich an Stärke als erwartet. Der Euro-Frankenkurs liegt bereits wieder bei 1,0787 CHF nachdem er im asiatischen Handel unter die Schwelle von 1,07 abgerutscht war. Die Schweizerische Nationalbank hat inzwischen bestätigt, dass sie mit Interventionen auf dem Devisenmarkt stabilisierend eingegriffen hat.

Am Aktienmarkt stehen vor allem die Kurse der Banken und Zykliker gehörig unter Druck. Sie hatten sich in den vergangenen Tagen mit der Hoffnung auf einen "Bremain" stark erholt gezeigt. Nun kommt die Retourkutsche und so büssen UBS 11% und Credit Suisse um 13% im SMI/SLI am stärksten ein. Auch die Papiere von Julius Bär gehören mit -10% zu den grössten Verlierern.

Konjunktursensitive Aktien brechen mit der unsicher gewordenen konjunkturellen Weltlage ebenfalls ein: Dufry verlieren 11%, Adecco 10% oder LafargeHolcim 8,1%. Grosse Kurseinbussen sind auch bei Richemont (-8,0%) oder Swatch (-5,8%) zu sehen. Die beiden Luxusgütertitel leiden zusätzlich unter der Ratingabstufung der Bank BaaderHelvea auf "Hold" von "Buy". Der Austritt Grossbritanniens aus der EU dürfte zu einem langsameren wirtschaftlichen Wachstum führen, was den zyklischen Luxusgütersektor beeinflussen dürfte, so der Analyst.

Derweil bieten die defensiven Nestlé (-2,3%) nur leichte Unterstützung, wogegen Roche (-4,5%) und Novartis (-4,0%) stärker nachgeben. Die kleinsten Einbussen verzeichnen die Aktien von Syngenta (-2,1%), für die ein Übernahmeangebot vorliegt.

Am breiten Markt zeigen sich Titel aus dem Biopharmasektor wie Kuros (-15%), Addex (-14%) oder Newron (-10%) von der schwachen Seite. Aber auch Titel wie Accu (-11%) oder Airopack (-8,3%) geben deutlich nach. Für letztere haben die Aktionäre an der gestrigen Generalversammlung die vom Verwaltungsrat genehmigte Kapitalerhöhung bewilligt.

Unternehmensnachrichten spielen insgesamt am Berichtstag aber eine untergeordnete Rolle. Etwas Aufmerksamkeit ziehen noch Valora (-3,6%) auf sich. Der Detailhändler hat das Logistik- und Distributionsgeschäft von Naville an den deutschen Mediendienstleister 7Days verkauft. Der erwartete Geldzufluss (netto) werde sich in der Grössenordnung von 23 Mio CHF befinden, hiess es.

Wisekey (-5,9%) hat derweil die Ausgabe einer Wandelanleihe im Umfang von 3 Mio CHF kommuniziert. Die Aktien zur Bedienung der Anleihe stammen aus dem bedingten Aktienkapital, so das Cybersecurity-Unternehmen.

Gewinner sind sehr dünn gesät. Fester tendieren etwa Leclanché (+5,4%) oder Von Roll (+3,6%).

mk/ra

(AWP)