Aktien Schweiz Eröffnung: Marschhalt vor Grossbritannien-Referendum

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt legt am Dienstag nach dem starken Wochenauftakt einen Marschhalt ein und tendiert im frühen Geschäft kaum verändert. Der starke Kursanstieg am Vortag war auf die laut jüngsten Meinungsumfragen deutlich gesunkene Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts Grossbritanniens zurückzuführen, wenngleich es nach wie vor nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen in der Abstimmung vom kommenden Donnerstag aussieht.
21.06.2016 10:13

Marktstrategen rechnen aber jederzeit wieder mit stärkeren Schwankungen. Sollte sich die Stimmung der britischen Wähler wieder drehen, könnten die Märkte ebenfalls wieder in die andere Richtung gehen, heisst es am Markt. Die Weltbörsen geben derweil einen positiven Trend vor, auch wenn die Wall Street ihre Tageshochs nicht halten konnte. Am Schweizer Aktienmarkt stehen zudem volkswirtschaftliche Daten im Fokus. Publiziert wurden die Zahlen zum Aussenhandel im Mai, darin eingeschlossen nicht sehr positive Daten zu den Schweizer Uhrenexporten.

Der Swiss Market Index (SMI) steigt bis um 09.30 Uhr um 0,07% auf 7'905,86 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gewinnt um 0,03% auf 1'199,83 Punkte, während der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,01% auf 8'559,40 Zähler sinkt. Von den 30 Blue Chips notieren deren 14 tiefer, 10 fester und ganze sechs unverändert.

Die Nachrichtenseite bleibt hierzulande ruhig. Etwas Bewegung kommt in die Aktien der beiden Luxusgüterkonzerne Richemont (-0,6%) und Swatch (-1,0%); diese hatten am Vortag in der Hoffnung auf verbesserte Daten zu den Uhrenexporten deutlich zugelegt. Die nun publizierten Daten sagen aber Gegenteiliges: Zwar hat sich der Rückgang gegenüber den Vormonaten leicht abgeschwächt, mit minus 9,7% sind die Schweizer Uhrenexporte im Mai 2016 aber zum dritten Mal in Folge deutlich zurückgegangen.

Ebenfalls gesucht waren am Vortag die Finanzwerte und hier vor allem Bankaktien Credit Suisse (+0,7%), UBS (+0,3%) und Julius Bär (+0,1%). CS-CEO Tidjane Thiam hat laut Bloomberg Spekulationen am Markt über eine zusätzliche Kapitalerhöhung eine Absage erteilt. Erwartungen von Hedge Funds, die sich entsprechend positioniert hätten, seien "nicht korrekt", zitierte die Nachrichtenagentur aus einem Memo an Mitarbeitende. Der Aktienkurs der CS sei durch "unüblich hohe Short-Positionen" gedrückt worden, heisst es offenbar in dem Dokument.

Gewinnmitnahmen sind teils in den zum Wochenstart festen Aktien der Versicherer zu sehen. So büssen etwa Swiss Life 0,1% und Swiss Re 0,3% ein, während Zurich Insurance und Bâloise unverändert tendieren. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den am Montag festen Zyklikern Schindler (-0,3%), Adecco (-0,2%) und Lonza (-0,5%).

Sonova (+1,2%) werden von einem Analystenvotum bewegt, hat doch Morgan Stanley die Einstufung für den Hörgerätehersteller auf 'Equal Weight' von 'Underweight' erhöht.

Die defensiven Schwergewichte halten sich mehr oder weniger im Durchschnitt. Während Nestlé (+0,2%) und Novartis (+0,1%) leicht anziehen, geben Roche (-0,1%) etwas Terrain Preis.

Im breiten Markt verteuern sich Huber+Suhner um deutliche 4,4%. Der Kabelhersteller meldete einen sehr guten Geschäftsgang für das erste Semester 2016 und kündigte eine Umsatzsteigerung von mehr als 5% an. Dazu kämen ein "markant" höherer Konzerngewinn sowie eine EBIT-Marge, die leicht über dem mittelfristigen Zielband liege.

Kursgewinne gibt es auch in Leclanché (+3,5%) und Santhera (+3,2%). Bei Leclanché haben zwei der wichtigsten Investoren des Batterieherstellers ihre Darlehen in Aktien umgewandelt und Santhera meldete, dass der Zulassungsantrag für das Mittel Raxone bei der Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) von der Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) angenommen wurde.

Die Papiere des Verpackungskonzerns Bobst ziehen um weitere 2,3% an. Die Aktien hatten bereits am Montag von der Nachricht profitiert, wonach die wichtige Branchenmesse "drupa" für das Unternehmen ein voller Erfolg gewesen sei. Die Verkaufsabschlüsse hätten "alle Erwartungen übertroffen", so die Westschweizer.

Um satte 20% nach unten auf noch 37 Rappen geht es hingegen mit Gottex. Der Vermögensverwalter will im Zuge der Rekapitalisierung bis zu 100 Millionen neue Aktien ausgeben. Der Hedge-Fund-Spezialist hatte auch im Geschäftsjahr 2015 tief rote Zahlen geschrieben.

ra/uh

(AWP)