Aktien Schweiz Eröffnung: Miese Stimmung wegen Trump - SMI dank Pharmas im Plus

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwochmorgen im Einklang mit den anderen Börsen in Europa klar tiefer eröffnet. Im Vergleich zur Reaktion der Aktien in Tokio und zu den vorbörslichen Notierungen haben sich die Turbulenzen an den europäischen Märkten wegen der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten aber bereits etwas gelegt. Und der SMI ist dank der starken Pharmaaktien gar ins Plus vorgerückt. Dennoch bleibt die Stimmung vorerst gedrückt und die Aktienkurse volatil.
09.11.2016 10:16

Der Wahlausgang sei zwar bis zuletzt offen geblieben, aber dennoch habe sich eine Mehrheit der Marktteilnehmer auf die Hoffnung gestützt, dass zum Schluss Hillary Clinton das Rennen machen werde. Nun reibe man sich nicht nur in Europa sondern weltweit die Augen. "Das ist ein Schock für die Märkte, die darauf offenbar nicht vorbereitet waren, obwohl dieses Wahlergebnis im Vorgang durchdiskutiert wurde", sagt der Chefökonom von J. Safra Sarasin gegenüber AWP. Mit diesem Wahlausgang blieben die Unsicherheiten an den Märkten vorerst bestehen.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 09.45 Uhr 0,18% höher bei 7'757,71 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert dagegen 0,54% auf 1'202,72 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,03% auf 8'490,59 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen 23 im Minus und 7 im Plus.

Der Schweizer Franken hat eine erste klare Stärkephase bereits überwunden. Der US-Dollar steht derzeit bei 0,9734 CHF und damit klar über dem Tiefpunkt von 0,9545 CHF am frühen Morgen und auch der Euro wird mit 1,0815 CHF über dem Tagestief von 1,0752 CHF gehandelt.

Über die Politik Donald Trumps sei eigentlich wenig Greifbars bekannt und von den Versprechungen, die er gemacht habe, müsse sich noch zeigen, wie viele er auch einlösen werde, hiess es an anderer Stelle. Wie schon beim Brexit seien die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt worden. Ein Wahlsieg von Donald Trump dürfte nach Einschätzung der Commerzbank für die Märkte langfristig gar ein grösseres Problem sein als das Brexit-Votum der Briten.

Am meisten unter Druck stehen derzeit von einem guten Konjunkturklima abhängige Aktien wie Richemont (-2,3%) und Swatch (-1,5%), LafargeHolcim (-2,5%) oder in diesem Zusammenhang auch die Banken, von denen UBS (-2,8%) mehr nachgeben als Julius Bär (-1,4%) und CS (-2,1%).

Weitere deutliche Verlierer sind etwa Dufry (-2,1%), Adecco und Syngenta (je -2,0%) oder Kühne+Nagel (-1,9%), allesamt hatten zu Beginn allerdings noch grössere Abgaben zu gewärtigen.

Swiss Life halten sich mit einem Minus von 0,8% vergleichsweise gut, dies nach der Präsentation des Neunmonatsergebnisses. Die Versicherungseinnahmen seien schwach gewesen, der Rest aber gut, heisst es dazu in einem ersten Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Swiss Life ist aber mit dem starken Heimmarkt Schweiz internationalen Verwerfungen etwas weniger ausgesetzt als andere Unternehmen.

So geben auch Aktien von defensiven und auf Europa oder die Schweiz ausgerichteten Unternehmen wie Geberit (-0,7%) oder Swisscom (-0,3%) unterdurchschnittlich nach, ebenso Nestlé (-0,9%).

Die Pharmaschwergewichte Novartis (+2,5%) und Roche (+3,1%) legen in diesem Umfeld gar markant zu, ebenso Actelion (+2,3%) und Galenica (+2,2%) sowie etwas moderater Sonova (+1,2%). Hillary Clinton hätte als neue US-Präsidentin wegen ihrer Ambitionen, die Pharmapreise zu senken, als wenig förderlich für die Pharmabranche gegolten. In Marktkreisen wurde eine globale Verunsicherung unter einem Präsidenten Donald Trump teilweise aber als mindestens so grosses wenn nicht noch grösseres Übel bezeichnet. Momentan halten sich die Investoren aber an die erste Aussage, wobei nicht nur die Pharmapolitik der USA entscheidend ist, sondern auch die allgemeine Unsicherheit überhaupt, was wiederum Novartis und Roche zu Gute kommt.

Im breiten Markt fallen Titel wie Orascom (-4,0%) oder Metall Zug (-3,0%) etwas auf, während auch hier Pharmapapiere wie Basilea (+2,7%) oder Santhera (+1,9%) gegen den Trend gesucht sind.

Autoneum (-0,4%) zeigen sich anlässlich eines Investorentages unauffällig. Das Unternehmen hatte am Morgen die bisherigen Ziele für das laufende Jahr und auch für den Zeitraum bis 2020 bekräftigt.

cf/tp

(AWP)