Aktien Schweiz Eröffnung: Moderate Gewinne - Pharmaschwergewichte belasten

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt legt am Donnerstag im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Medienkonferenz der EZB eine Verschnaufpause ein und bewegt sich kaum vom Fleck. Unterstützung erhält der Markt von guten Vorgaben aus den USA, wo der Dow Jones Industrial am Vorabend erstmals in seiner Geschichte über die Schwelle von 19'500 Stellen geklettert ist und auch der marktbreite S&P einen neuen Rekordstand erreicht hat. Während Finanzaktien und Zykliker weiter zulegen, bremsen aber die Pharmaschwergewichte mit deutlichen Abgaben den Leitindex SMI.
08.12.2016 10:14

Ein Händler schreibt mit Blick auf die Avancen im Dezember dennoch vom Start eines Jahresendrally. Einerseits setzten die Anleger auf eine Ausweitung der quantitativen Lockerungspolitik der EZB und andererseits werde der Markt von der Aussicht auf steigende Staatsausgaben, tiefere Steuern und einer robusten Konjunktur in den USA befeuert. Am Nachmittag wird damit gerechnet, dass EZB-Chef Mario Draghi nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum in Italien das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm um weitere sechs Monate verlängert und Hinweise zur künftigen Geldpolitik geben wird.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt um 9.30 Uhr 0,09% auf 7'937,11 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt mit 0,36% auf 1'283,60 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) mit 0,09% auf 8'673,70. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 22 im Plus und nur acht im Minus.

Bei den Blue Chips knüpfen Credit Suisse (+3,5%) an die starke Kursentwicklung vom Vortag an, als die Aktien während des Investorentreffens bereits um 7,4% in die Höhe geschossen sind. JPMorgan erhöhte das Anlagerating auf 'Overweight' und die ZKB ebenfalls auf 'Übergewichten'. Der JPMorgan-Analyst begrüsst die strategische Verlagerung von einem ertrags- zu einem kostenorientierten Fokus. Die CS habe zwar ihre Gewinnziele reduziert, gleichzeitig jedoch weiteres Kostensenkungspotenzial angekündigt, so die ZKB. Ähnlich positive Töne schlagen die Analysten von S&P Global, Natixis, Morgan Stanley, Kepler Cheuvreux und Société Générale an, die ihre Kurszielschätzungen für die CS angehoben haben.

Im Finanzsektor klettern auch UBS (+0,9%), Julius Bär (+0,8%) oder Zurich (+0,9%) weiter in die Höhe. Mit Jefferies und HSBC haben zwei weitere Analystenhäuser ihre Kursziele für den Versicherungskonzern angehoben. HSCB erwartet von Zurich dank Kosteneinsparungen und operativen Verbesserungen in der Schadensversicherung künftig weiteres Gewinnwachstum. Zudem sei nach wie vor mit attraktiven Dividenden zu rechnen. Demgegenüber leiden Swiss Re (-0,8%) unter der Ratingsenkung durch Jefferies. Mit Ablauf des Aktienrückkaufs im kommenden Februar dürfte eine wichtige Stütze des Aktienkurses wegfallen, hiess es.

Auch die Pharmaschwergewichte Novartis (-0,9%) und Roche (-0,8%) stehen unter Druck. Positive Daten zur Wirksamkeit des Novartis-Medikaments Ultibro Breezhaler zur Therapie der Lungenerkrankung COPD (Raucherlunge) sowie die EU-Zulassung für Venclyxto (Venetoclax) von Roche zur Behandlung von Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) wirken sich kaum auf die Kursentwicklung aus. Nestlé liegen mit 0,2% hingegen leicht im Plus.

Gut nachgefragt werden dagegen Syngenta (+1,6%). Der chinesische Staatskonzern ChemChina hat von den australischen Behörden grünes Licht zur Übernahme des Basler Agrarchemiekonzerns erhalten. Dagegen büssen die zuletzt von Übernahmespekulationen in die Höhe getriebenen Actelion 0,3%. Kepler Cheuvreux nahm die Titel allerdings wieder mit einem 'Buy' in ihr Anlageuniversum auf.

Im breiten Markt hat die auf US-Wohnimmobilien spezialisierte Varia US Properties ein verhaltenes Börsendebüt gegeben. Die Titel mit dem Ticker-Symbol VARN notieren gegenüber dem Ausgabepreis von 35 CHF zum Berichtszeitpunkt mit 1,4% im Plus. Der erste Kurs kam bei 37,00 CHF zustande. Es handelt sich um den fünften Börsengang an der SIX im laufenden Jahr nach Wisekey im März, VAT im April, Investis im Juni und KTM im November.

Die Papiere der Privatbank EFG International avancieren derweil mit 6,0%. EFG rechnet neu mit einem deutlich höheren Synergiepotenzial aus dem Zusammenschluss mit der Tessiner Bank BSI. Allerdings dürften dabei bis 2019 jährlich 100 bis 150 Stellen verloren gehen.

mk/cp

(AWP)